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Nordkreis Nahwärmenetz rückt immer näher
Landkreis Nordkreis Nahwärmenetz rückt immer näher
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19:21 08.09.2011
Rolf Beuermann und Walter Fürstenberg zeigen die beiden Apparaturen für die Hausanschlüsse, die noch in der Diskussion sind. Quelle: Götz Schaub

Schönstadt. Das Projekt „Nahwärme“ in Schönstadt liest sich bisher als eine einzigartige Erfolgsstory. Das liegt natürlich zunächst einmal daran, dass in Schönstadt Menschen mit Visionen wohnen und sich ganz der Umsetzung einer Idee verschreiben. Das liegt aber auch daran, dass in Schönstadt ganz viele Menschen wohnen, die begeisterungsfähig sind und mitmachen wollen. Sage und schreibe 280 Liegenschaften sollen in Schönstadt an das geplante Nahwärmenetz angeschlossen werden. Dann haben die Schönstädter das Glück, Teil einer Gemeinde zu sein, in der auch die politischen Farben sowie der Gemeindevorstand ein Ohr für zukunftsorientierte Ideen haben.

Und als sei das nicht schon genug für das Gelingen des Projekts Nahwärme, dürfen sich die Macher auch noch darüber freuen, mit dem Ingenieurbüro Berghamer und Penzkofer aus Moosburg zusammenarbeiten, das schon Oberrosphe erfolgreich auf den Weg zum Bioenergiedorf begleitete. „Die Voraussetzungen könnten optimaler nicht sein“, sagt Rolf Beuermann vom Vorstand der Genossenschaft. Jetzt gilt es, alles klar mit der Bürgschaft der Gemeinde Cölbe zu machen. Wie bitte? Das hat doch die Gemeindevertretung am 8. Juni erledigt, werden jetzt sicher viele sagen. Ja, eigentlich schon. Es muss nur noch etwas nachgebessert, nein nachgebessert ist nicht das richtige Wort – sagen wir lieber klarer formuliert werden. Ja, die entsprechenden Verträge müssen klar und eindeutig in ihrer Lesart sein.

Für die Kommunalaufsicht, erläutert Beuermann, sei es wichtig, dass deutlich zu erkennen ist, wer nun für wen eine Bürgschaft übernimmt. Der bisherige Text ging zwar auch von einer Bürgschaft der Gemeinde Cölbe aus, ließ aber auch noch eine weitere Option zu, die nun ausgeschlossen werden soll. Landrat Robert Fischbach hatte sich dem Projekt in Schönstadt gegenüber sehr aufgeschlossen gezeigt und so war auch schnell klar, dass die Kommunalaufsicht ihren Teil zum Gelingen beitragen möchte.

Als Genehmigungsbehörde für die Bürgschaft muss sie natürlich Sorge dafür tragen, dass auch alles bestmöglich abgesichert wird. Und so fordert sie unter anderem auch noch einen Vertrag zwischen ­Gemeinde und Genossenschaft über eine Sicherheitsübereignung ein. Da nun dieser Vertrag noch nicht fertig ist, konnten die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses in ihrer Sitzung am Mittwochabend noch nicht abschließend eine Empfehlung aussprechen für die endgültige Übernahme der Bürgschaft. Die Bürgschaft ist wiederum existenziell notwendig für die Genossenschaft, um weitere Schritte einleiten zu können.

Deshalb soll der Zeitplan jetzt nicht mehr durcheinandergewirbelt werden. So besteht Einvernehmen darüber, dass die Verträge verbindlich bis zum 28. September vorgelegt und dann in einer Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 5. Oktober behandelt werden. Danach wird es am 10. Oktober in Schönstadt eine Sondersitzung des Cölber Parlaments geben, in der dann alles in trockene Tücher gepackt, sprich beschlossen werden soll.
Der fünf Personen starke Vorstand blickt derweil schon auf ein paar arbeitsreiche Monate zurück. Seit Oktober 2010 treffen sich die Macher der Genossenschaft jeweils montags im Bürgerhaus, um ihre „To-Do-Liste“ weiter zu schreiben und auf den neuesten Stand zu bringen. Ein enormer Zeitaufwand war es, alle Genossen mit den nötigen schriftlichen Unterlagen zu versorgen.

„Es galt rund 15.000 Seiten drucken zu lassen und dann in Ordner zu sortieren“, erzählt Beuermann. Die Hausbesuchaktionen mit den Ordnern sind jetzt so gut wie durch. Abgeschlossen ist auch der Besuchsmarathon zur Findung der besten Hausanschlussstellen. „Dabei zeigte sich auch die Professionalität unseres Ingenieurbüros“, sagt Vorstandmitglied Walter Fürstenberg rückblickend.

Auch die Trassenführung sei von der Planung her zu mehr als 95 Prozent abgeschlossen, informiert Beuermann. Sehr stolz ist er übrigens auch auf die „außerordentlich guten Beziehungen“ zur Firma Holz Schmidt, in deren Biomasseheizkraftwerk die Nahwärme erzeugt wird.

Aktuell beschäftigen sich die Genossen jetzt damit, welche Firma die Apparaturen für den Anschluss in den Häusern liefern soll. „Wir hatten drei Angebote, müssen uns aber jetzt nur noch zwischen zweien entscheiden, weil das dritte uns gar nicht überzeugen konnte“, sagt Fürstenberg.

von Götz Schaub