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„Hanni“ Sauerwald hört auf

Geschäftsaufgabe „Hanni“ Sauerwald hört auf

Die neue Zeitung, kalte Cola und saure Zungen für fünf Pfennige – so mancher Erwachsener hat schon als Kind bei ihr Süßigkeiten gekauft. Nach 43 Jahren hört Hannelore „Hanni“ Sauerwald auf und schließt ihr Geschäft.

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Auch Petra Maaß (rechts) wird zukünftig woanders einkaufen müssen. Mit Hannelore Sauerwald (links) und ihrem ­Laden verliert Oberrosphe eine Institution.

Quelle: Tobias Kunz

Oberrosphe. Es ist ein großer Verlust für Oberrosphe, wenn „Hanni“ Sauerwald künftig nicht mehr hinter dem Tresen ihres kleinen Ladens steht. Und das in zweierlei Hinsicht: Zum einen verschwindet die letzte Möglichkeit, sich im Ort mit Dingen des täglichen ­Bedarfs einzudecken. Lediglich ein Getränkehändler hält dann noch die Fahne des Einzelhandels in dem Wetteraner Ortsteil hoch. Künftig müssen die Oberrospher die fünf Kilometer nach Wetter fahren, wenn in der heimischen Küche etwas fehlt.

Zum anderen und vielleicht noch schwerwiegender: Mit dem Laden schließt auch ein Treffpunkt, wo sich Oberrospher neben Obst und Gemüse auch noch mit den Neuigkeiten aus der Nachbarschaft versorgen konnten. „Hanni“ Sauerwald interessierte sich für ihre Mitmenschen und wusste stets genau, was im Dorf vor sich ging. Ohne ein Schwätzchen kam man bei ihr nicht raus.

Geschäftsfrau mit 18

Sie war 18 Jahre alt, als sie 1975 den Laden übernahm. Ihre Mutter war damals gestorben, und weil das Geschäft bereits von ihrer Oma und Uroma geführt wurde, war für Hannelore Sauerwald klar, dass sie in die Fußstapfen ihrer weiblichen Vorfahren schlüpfen würde. Von da an stand „Hanni“ fast jeden Tag in dem Lokal in der Honiggasse.

Die Jahre vergingen und die Welt änderte sich – „Hanni“ aber stand in ihrem Laden. Im Laufe der Zeit blieb zunehmend die Kundschaft aus. Kamen früher um die einhundert Kunden, sind es heute nur noch 60, an schlechten Tage gar nur 40. Zudem kaufen die Oberrospher dort nur noch Kleinigkeiten ein, wie Hannelore Sauerwald sagt. Unterm Strich sei der Laden „nicht mehr rentabel“ und ein Zuschussgeschäft geworden, sagt sie. Dass die Kundschaft immer häufiger woanders einkauft, verbittert sie nicht. „Ich nehme das den Leuten nicht übel“, sagt sie.

Noch nicht reif für Rente

Ursprünglich wollte Sauerwald den Laden 40 Jahre lang führen. Jetzt sind es ein paar mehr geworden. Reif für die Rente fühlt sie sich aber noch nicht. „Ich sortiere mich jetzt erst mal und dann schaue ich mich vielleicht nochmal nach was anderem um“, sagt die 60-Jährige. „Meine guten Kunden bedauern es sehr, dass ich schließe.“ Sie selbst weiß auch schon, dass sie die Menschen vermissen wird; den Kontakt und den Austausch zu jenen, die seit Jahrzehnten bei ihr ein und aus gehen.

Bis Ende Januar ist noch Zeit. Dann will sie die letzte Bestellung bei ihren Lieferanten aufgeben und ihre restlichen Waren veräußern. Um ihre Bestände zu reduzieren, plant sie in den letzten Tage eine Rabattaktion. Falls dann doch noch etwas übrig bleibt, will Hannelore Sauerwald das für gemeinnützige Zwecke spenden.

von Dominic Heitz

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