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Nordkreis Erster „Defi“ in Münchhausen
Landkreis Nordkreis Erster „Defi“ in Münchhausen
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00:53 24.12.2018
Angelo Sapia (von links) von der „Björn Steiger Stiftung“, ­Bürgermeister Peter Funk und Gemeindeverwaltungsmitarbeiterin Vicky Dersch am frei zugänglichen Defibrillator am Rathaus. Quelle: Götz Schaub
Münchhausen

Die „Björn Steiger Stiftung“ hat sich zum Ziel gesetzt, sogenannte AED-Geräte flächendeckend verfügbar zu machen und entsprechende Schulungen für die Bevölkerung anzubieten. AED steht für Automatisierter Externer Defibrillator. In den Kommunen im Landkreis gibt es schon einige Standorte. Gerade in diesem Jahr gab es eine regelrechte Offensive mit dem Projektstart „Herzsicherer Landkreis Marburg-Biedenkopf“ (die OP berichtete mehrfach).

Nun gibt es auch ein AED-Gerät in Münchhausen. Das Besondere an diesem Gerät ist, dass es das landkreisweit erste ist, das sich nicht in einem geschützten, außerhalb von Nutzungen verschlossenen Raum befindet, sondern tatsächlich rund um die Uhr für jedermann öffentlich zugänglich ist. Es ist am Nebeneingang des Münchhäuser Rathauses in einem an einer Wand angebrachten Kasten zu finden. „Wer es nutzen will, muss nur etwas kräftiger auf den roten Knopf schlagen“, sagt Angelo Sapia von der „Björn Steiger Stiftung“.

Schriller Ton macht auf Notsituation aufmerksam 

Bei Öffnung des Behältnisses ertönt schon ein schriller Ton. Dieser ist dafür gedacht, dass auch andere Menschen auf die Notsituation aufmerksam werden und ihre Hilfe anbieten. Auch erfüllt das Signal so etwas wie eine soziale Kontrolle, falls jemand meint, er müsse an dem Teil ohne Gründe herumspielen.

Hintergrund

Herzerkrankungen sind die häufigsten Todesursachen in Deutschland. Am plötzlichen Herztod sterben ungefähr 100.000 Menschen pro Jahr. Oft sterben sie, weil ­ihnen nicht rechtzeitig oder gar nicht geholfen wird. Bereits nach fünf Minuten ohne Herzdruckmassage bleiben mit hoher Wahrscheinlichkeit irreparable Schäden zurück.

„Ich hoffe doch sehr, dass das Gerät an Ort und Stelle bleibt, damit es im Notfall verlässlich greifbar ist“, sagt Bürgermeister Peter Funk. Er geht das Wagnis im Sinne der Mitbürger ein. Sapia weiß zu beruhigen. An anderen öffentlichen Orten habe man bisher keine negativen Erfahrungen gemacht. Wichtig sei, es den Mitbürgern deutlich zu machen, dass wirklich jeder mit diesem Gerät Menschen helfen kann, die nicht mehr selbstständig atmen können.

„Was zu tun ist wird nach Anschalten des Geräts von einer Stimme immer so lange wiederholt, bis es so ausgeführt wurde. Niemand muss Angst haben, etwas falsch verstanden zu haben oder nicht richtig mitbekommen zu haben, denn so ­etwas kann in einer außergewöhnlichen Situation schnell mal passieren“, führt Sapia bei einem Gespräch mit Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung Münchhausen aus.

Gerät ist sehr robust

Bürgermeister Peter Funk stellt sich als Ersthelfer zur Verfügung und macht zwei Erfahrungen. Erstens, das Gerät wiederholt die Ansagen tatsächlich immer wieder und zweites, die Herzdruckmassage kann anstrengend werden. Doch er weiß, dass diese unerlässlich ist, wenn man das Leben eines Menschen retten will, der nicht mehr selbstständig atmet. Sie sollte nur bei der ­Schockabgabe durch das Gerät unterbrochen werden.

Sapia sagt: „Wenn man allein ist, sollte man die in Not geratene Person nie verlassen, sondern sofort mit der Herzdruckmassage anfangen, eine zweite Person kann dann den Defibrillator holen.“ Das Gerät selbst ist sehr robust. Sollte es einem aufgeregten Helfer herunterfallen, nimmt es in der Regel keinen Schaden und kann weiterhin zum Einsatz kommen.

von Götz Schaub