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Nordkreis Mit Blüten, Blättern und Zwiebelschalen
Landkreis Nordkreis Mit Blüten, Blättern und Zwiebelschalen
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06:15 07.04.2012
Ei, sind die schön: Beate Wagner präsentiert zwei selbstgefärbte Ostereier, denen Zwiebelschalen die warme orange-braune Farbe verliehen haben. Quelle: Nadine Weigel
Wetter

Den Brauch, Eier zu färben oder zu dekorieren, gab es schon lange vor der Entstehung des christlichen Osterfestes. Wer es sich leisten konnte, wickelte die Eier sogar in Blattgold ein.

Ganz so edel oder kostspielig geht es da bei Beate Wagner aus Wetter nicht zu, wenn sie Eier färbt. Sie hält sich lieber an die 2000 Jahre alte Methode, die Eier pflanzlich zu färben. Ausprobiert hat sie da schon einiges. „Rotholz und Blauholz beispielsweise geben wunderschöne Farben“, schwärmt die Wetteraner Hausfrau und Erzieherin, die sich bereit erklärt hat, die OP beim Eierfärben zuschauen zu lassen.

Die pflanzlichen Farben sind in Apotheken erhältlich, noch günstiger funktioniert das Färben allerdings mit Zwiebelschalen oder Rote-Bete-Saft. Bei dieser Art des Eierfärbens werden Essensreste verwertet, die sonst weggeworfen werden.

Da Beate Wagner zum diesjährigen Osterfest aber überwiegend mit Zwiebelschalen färbt, sind es diesmal die weißen Ringe im Zwiebelinnern, die übrig bleiben. „Da gibt es am nächsten Tag Zwiebelsuppe“, sagt die 52-Jährige fröhlich.

Sie kennt mehrere Varianten, um Eiern einen warmen rot-braunen Farbton zu verleihen. Am wichtigsten dabei sei selbstverständlich, Eier mit weißen Schalen zu verwenden: „Wenn man fürs Färben mit Zwiebelschalen braune Eier benutzt, ist der Effekt nicht wirklich spannend.“ Außerdem sollten die Zwiebeln nicht mehr ganz frisch sein. „Die Schale ist dann mehrschichtiger und sie lassen sich leichter abschälen“, weiß die Wetteranerin aus langjähriger Kocherfahrung.

Essig macht die Schale rau und die Farbe intensiver

Damit die Eierschalen die Frabe auch gut annehmen, reibt Wagner sie vorher mit Essig ab – das raut die Schale auf und macht sie aufnahmefähig. Auch in das Wasser, in dem die Eier gekocht werden, gibt sie einen Esslöffel Essig. „Dann wird die Farbe intensiver“, weiß sie. Zusammen mit der Schale einer Zwiebel kocht sie es auf, sodass ein bräunlicher Sud entsteht, in dem die Eier etwa acht Minuten gekocht werden.

Um die Eier nicht nur zu färben, sondern auch Muster auf ihrer Schale entstehen zu lassen, verwendet Wagner kleine Blätter und Blüten. Eine Möglichkeit ist es, die Blätter auf das Ei zu legen, mit Zwiebelschalen zu überdecken und das Ganze fest mit einem Baumwollfaden zu umwickeln.

Dazu benötigt es etwas Fingerspitzengefühl. „Wenn der Bindfaden fest genug geschnürt ist, entsteht außerdem ein schöner Marmoreffekt“, berichtet die zweifache Mutter.

Als ihre beiden Söhne noch im Kindesalter waren, haben die Wagners immer am Karfreitag nachmittags gemeinsam Eier gefärbt, dann aber nicht nur mit Pflanzen. „Naturfarben lassen sich schlechter abwaschen, da bleibt die Farbe länger an den Händen, die dann selbst wie ein Osterei aussehen“, sagt die Mutter und lacht. Deshalb haben ihre Jungs davon lieber Abstand genommen.

Ihre Leidenschaft fürs Eierfärben ist für die 52-Jährige mit ihrer Kindheit verbunden. Gemeinsam mit ihren drei Schwestern färbte sie mit Mutter oder Oma die Eier mit Färbestiften, die es heute kaum mehr gibt. „Wenn das Ei noch warm war, verlief die Farbe so schön auf der Schale. Das war immer ein Highlight“, erzählt sie lächelnd.

Eine weitere Möglichkeit, die Zwiebelschalen fest um das Ei zu spannen, ist ein Nylonstrumpf, in den das mit Blättern und Zwiebelschalen umwickelte Ei geschoben wird. „Wenn dabei etwas verrutscht, ist es nicht so schlimm, denn der Zwiebelsud färbt die Schale ja noch mit.“ Die Öffnung des Strumpfes zurrt die Wetteranerin mit einem Draht zu. Der vorherige Prozess ist derselbe: Blätter oder Blüten auf die Schale legen und dann das Ei mit den Zwiebelschalen bedecken. „Es ist aber wichtig, dass man die Zwiebelschalen vorher in Wasser einweicht, sonst zerbröseln sie“, warnt Wagner.

Statt Blättern funktioniert auch Tortenspitze

Für weitere Muster auf den Eiern können statt Blüten und Blättern auch Tortenspitzen verwendet werden, lautet ein weiterer Tipp der Eierfärbe-Fachfrau. Um intensiv-rote Eier zu erhalten, können diese in Rote-Bete-Saft gekocht werden. Auch damit sind Muster möglich. „Dafür einfach nur Blätter oder andere Verzierungen auf das mit Essig eingestrichene Ei legen, mit einem Faden befestigen und in dem Rote-Bete-Sud mit Essig kochen.“

Doch egal, auf welche Weise das Färben mit Pflanzen und Gemüse vorgenommen wird, ist es äußerst wichtig, das Ei noch mindestens eine Stunde nach dem Kochen in dem Sud liegen zu lassen: „Nur dann nimmt es die Farben auch ganz intensiv an.“

Für diejenigen, die nicht nur auf natürliches Färben Wert legen, sondern auch auf tier- und umweltgerecht erzeugte Eier, empfiehlt der Naturschutzbund (Nabu) Hessen, nur Eier mit der Ziffer „0“ zu kaufen. Der Zahlencode auf den Eiern gibt Auskunft darüber, wie die Hühner gehalten werden. Wenn die Eier aus ökologischer Freilandhaltung stammen, sind sie mit einer „0“ gekennzeichnet. Eier mit einer „1“ stammen ebenfalls aus Freilandhaltung, die Hühner haben jedoch weniger Platz und erhalten meist kein ökologisches Futter.

Von 0 bis 3: Kennzeichnung für die Herkunft der Eier

Aus einem Bodenhaltungsbetrieb, meist mit geschlossenen Ställen, stammen Eier, die mit einer „2“ gekennzeichnet sind. Im Futter findet sich häufig auch Antibiotika, erklärt der Nabu.

Die Eier von Hühnern, die in Käfigen gehalten werden, tragen eine „3“ auf ihrer Schale. Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Nabu Hessen, erläuterte, dass diese Massentierhaltung auch negative Auswirkungen auf die Umwelt habe und die Gesundheit der Verbraucher gefährde. Am empfehlenswertesten seien Bio-Eier aus der Region.

von Simone Schwalm