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Meilenstein ist gesetzt, aber noch nicht bezahlt

Baurecht für die B252 Meilenstein ist gesetzt, aber noch nicht bezahlt

Während sich draußen vor der Tür der Schwerverkehr wie eh und je durch Todenhausen quälte, setzte im Bürgerhaus ein junger Mann seinen Namen unter ein Dokument, das daran in absehbarer Zeit etwas ändern soll.

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Minister Florian Rentsch (3. von rechts) unterschrieb den Planfeststellungsbeschluss, Günther Hermann, Abteilungsleiter Infrastrukturmanagement im Verkehrsministerium, assistierte ihm. Über Rentschs Schulter sahen (von links): Die Bürgermeister Manfred Ap

Quelle: Michael Hoffsteter

Todenhausen. Minister Florian Rentsch unterzeichnete am Freitag den Planfeststellungsbeschluss für die Ortsumgehungen an der B252 zwischen Göttingen und Ernsthausen.

Es spielte am Freitagvormittag niemand darauf an, doch es war frappierend: der neue hessische Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) ist mit 37 Jahren noch nicht einmal so alt wie die ersten Planungen für eine Umgehungsstraße zwischen Göttingen und Ernsthausen an der nördlichen Kreisgrenze. Und so überließ der Posch-Nachfolger aus Wiesbaden den Rückblick auf die nahezu unendliche Geschichte um die B252 auch lieber den heimischen Rednern, die angesichts des frohen Anlasses auch die eine oder andere Anekdote zum Besten gaben.

Die taten das, nicht ohne immer wieder darauf hinzuweisen, dass der Anlass des TReffens in Todenhausen ein „Meilenstein“, aber eben „kein Baubeginn“ sei, wie es Landrat Robert Fischbach (CDU) formulierte. Einig war sich der Landrat mit den gut 80 Anwesenden - Bürgern, Vertreter der Behörden und frühere wie heutige Kommunalpolitiker - in der Ratlosigkeit, dass es 40 Jahre gedauert hat, bis dieser Schritt vollzogen werden konnte. „Gut ist das nicht, dass Straßenbauprojekte heute so lange dauern“, kritisierte Fischbach und skizzierte eine wichtige Zukunftsaufgabe für die Bundes- und Landespolitiker, dass „solche Prozesse dramatisch verkürzt“ werden müssten.

Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka (parteilos) stellte heraus, dass in diesem langen Verfahren die Kritik der Gegner gehört und ernstgenommen worden sei. Die Planung habe bewiesen, dass „es uns wichtig ist, mit Ressourcen schonend umzugehen“. Andererseits müsse man auch sehen, dass die Nerven bei den Menschen an der Straße seit Jahren „blank liegen“. „Diese Menschen haben es verdient, dass wir Politiker uns für sie einsetzen.“

Lahntals Bürgermeister Manfred Apell (SPD) räumte ein, dass es lange seine Gemeinde gewesen sei, die Schwierigkeiten mit der Trasse gehabt habe. Schließlich würden durch die neue Straße nun andere Bürger zusätzlich belastet. Nachdem ein tragfähiger Kompromiss gefunden und mit einem Bürgerbegehren 2003 entschieden wurde, „hätte dieser Tag heute viel früher sein müssen“, mahnte Apell.

„Zur Not mit dem Rollator über die neue Straße“

Sein Münchhäuser Amtskollege Peter Funk (parteilos) erinnerte sich an seine Zeit als junger Verwaltungsangestellter. Anfang der neunziger Jahre hatte er bis dato die Stationen der Straßenplanung aufgeschrieben, unter anderem mit dem damaligen Höhepunkt, der Aufnahme des Projekts in den vordringlichen Bedarf des Verkehrswegeplanes. 1992. Auch hier Sprachlosigkeit, dass es seither noch 20 Jahre gedauert habe, bis die Planfeststellung besiegelt werden konnte.

Auch Wetters Rathauschef Kai-Uwe Spanka, in Göttingen an der Bundesstraße aufgewachsen, erinnerte sich an eine heute skurril anmutende Aussage des damaligen Göttinger Bürgermeisters Jost Funk aus dem Jahr 1972. Spanka und seine Freunde hätten damals gern am Bolzplatz eine kleine Schutzhütte aufgestellt. Das ginge nicht, belehrte der Bürgermeister des damals noch selbständigen Göttingen die Jungen: „Da geht doch die neue Straße durch.“

Eben jener Jost Funk und auch einige seiner damaligen Mitstreiter aus den anderen B-252-Anliegerdörfern waren am Freitag zur lang ersehnten Unterschrift gekommen. Auch ihnen war die Erleichterung anzusehen und gern wollen sie natürlich noch den Bau der Straße erleben - genauso wie Manfred Apell, der am Ende seines Grußwortes scherzhaft anmerkte, dass er auf dieser Straße noch fahren wolle - wenn nötig auch mit dem Rollator.

Dass die Ministerunterschrift in Todenhausen geleistet wurde, verdanke man auch dem Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, Dr. Christean Wagner aus Lahntal, ließ Rentsch durchblicken. Der habe ihn und seinen Vorgänger Dieter Posch „immer wieder angestoßen“. Wagner wiederum spielte den Ball zu Todenhausens Ortsvorsteher Ralf Funk (SPD) zurück, der seinerseits über Jahre immer wieder hartnäckig bei Wagner eingefordert habe, dass er sich für die Anwohner in den B-252-Dörfern einsetzen möge.

Mit diesem Lob waren zugleich die Bürgerinitiative für die Umgehungsstraße und die Anwohner gemeint, die zuletzt 2009 und 2010 mit ihren „Herbstputz“-Aktionen für neue Aufmerksamkeit und für Bewegung in der verfahrenen Straßenplanung gesorgt hatten, obwohl sie - so der BI-Vorsitzende Karl-Heinz Naumann, zwischenzeitlich schon den Glauben daran verloren gehabt hätten“. Und sie sähen sich nicht am Ziel, so Naumann: „Wir werden nicht nachlassen, die Politik zu erinnern, zu ihren Versprechungen zu stehen.“

De SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Bartol, kam, obschon natürlich ebenfalls im Bürgerhaus anwesend, nicht offiziell zu Wort. Dennoch kommt ihm in seiner Position als Mitglied im Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung des Bundestages und als Sprecher seiner Fraktion in Verkehrsfragen künftig eine wichtige Rolle zu. Denn wenn es um die Finanzierung des Vorhabens geht, ist die Bundespolitik gefragt.

Während für die Landespolitik und die Straßenplaner die Arbeit an diesem Punkt zunächst einmal ihren Abschluss findet, fällt Bartol nun die Rolle zu, als heimischer Politiker in Berlin für die Verwirklichung der Straße zu werben. Er selbst hatte sich schon in dieser Weise geäußert: bislang liege der Ball bei den Planern und beim Land, mit dem Baurecht spiele man ihm quasi den Ball zu, so Bartol. Man darf gespannt sein, was er - bildlich gesprochen - aus dieser Vorlage machen kann. Denn so schön der gestrige Tag für alle Beteiligten war. Christean Wagner sprach aus, worauf es ab Montag ankommt: „Jetzt muss das Geld her!“

von Michael Agricola

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