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"Man kann gewisses Verständnis haben"

Aus dem Amtsgericht "Man kann gewisses Verständnis haben"

Obwohl Richter Dominik Best während der Verhandlung im Amtsgericht ein gewisses Verständnis für die Tatbegründung eines 26-Jährigen aus dem Nordkreis aufbringen konnte, wurde der Angeklagte zu einer Geldstrafe verurteilt.

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Quelle: www.BilderBox.com

Marburg. Sie habe den Angeklagten darum gebeten, ihr zu helfen, sagte eine 20-jährige Zeugin. Zwischen dem 14. und 15. Juni vergangenen Jahres habe ihr ExFreund, mit dem sie damals in einer Wohnung zusammenlebte, nach einem Streit einen Teil ihrer Habseligkeiten im Wohnzimmer eingeschlossen. In einer Kneipe, in der der Angeklagte arbeitete, habe sie diesen gefragt, ob er mit ihr in die Wohnung komme.

"Wir hatten ein paar dumme Gedanken, ich sage es ganz ehrlich, wir sind beide daran Schuld", gab die Zeugin zu. Ihre "dummen Gedanken" führten dazu, dass der 26-Jährige laut Anklage versuchte, die Tür mit Gewalt aufzubrechen, weil die Zeugin ihrer Aussage nach ihre Besitztümer aus dem Zimmer holen wollte. Das gewaltsame Öffnen gelang dem Angeklagten auch, sodass ein Sachschaden von 578 Euro entstand, wie Staatsanwältin Christine Keil aus der Anklageschrift verlas. Für den Schaden kamen die 20-jährige Frau und ihr Exfreund auf, sagte die Zeugin.

Der Richter machte sie darauf aufmerksam, dass sie sich nicht selbst belasten müsse. Nachdem ihr Großvater, der als Zuhörer anwesend war, seine Enkelin aufforderte, nichts mehr zu sagen, ermahnte ihn Best streng. Daraufhin wollte die Zeugin keine weiteren Angaben machen. Doch nachdem Staatsanwältin Keil sie daran erinnerte, sie habe bei der Polizei angegeben, dass ausschließlich der Angeklagte Schuld an der Sachbeschädigung sei, wiederholte die 20-Jährige noch einmal, dass sie beide Schuld treffe.

Der Verteidiger des Angeklagten hatte Freispruch beantragt, da der Tatvorwurf nicht nachzuweisen sei. Als Zeugen sagten die Eltern des Angeklagten aus, ihr Sohn sei zum Tatzeitpunkt an der linken Hand verletzt gewesen. Der Anwalt gab zu bedenken, der Angeklagte sei deshalb schwerlich in der Lage gewesen, die Tür zu beschädigen.

Doch Richter Best hielt die Aussage der 20-jährigen Zeugin für glaubwürdig, die sogar dazu bereit gewesen war, sich selbst zu belasten. Obwohl er ein gewisses Verständnis für die Tatbegründung aufbringen könne, habe der Angeklagte billigend in Kauf genommen, dass die Tür beim Versuch, sie aufzubrechen, kaputt gehe. Daher verurteilte er ihn wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von insgesamt 150 Euro. "Das ist Schuld und Tat angemessen", sagte Best.

von Simone Schwalm

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