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Nordkreis Land springt für Fleckenbühler ein
Landkreis Nordkreis Land springt für Fleckenbühler ein
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19:30 13.09.2018
Vorläufiger Rettungsanker für Hof Fleckenbühl in Schönstadt: Bis Ende kommenden Jahres sichert das Land seine Unterstützung für die in finanzielle Not geratene Selbsthilfegemeinschaft zu. Quelle: Thorsten Richter
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Schönstadt

Nachdem durch ein Urteil des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg Unsicherheit bezüglich der Finanzierung der Selbsthilfeeinrichtung der Fleckenbühler aus Schönstadt entstanden ist, springt das Land ein und unterstützt die Einrichtung mit rund 650.000 Euro bis Ende kommenden Jahres. Darüber informierte am Donnerstag das hessische Ministerium für Soziales und Finanzen.

„Durch eine Landesförderung können wir der Einrichtung zunächst Sicherheit geben. Der Landeswohlfahrtsverband, der Landkreis und die Einrichtung müssen jetzt an einer Lösung arbeiten", sagte Sozialminister Stefan Grüttner. Die Landesregierung werde diesen Prozess begleiten, "damit ein tragfähiges Finanzierungskonzept bis Ende 2019 erarbeitet werden kann". Das Konzept müsse dem Gedanken der Selbsthilfe Rechnung tragen.

„Die Einrichtung in Fleckenbühl hat ein Alleinstellungsmerkmal. Sie stellt eine unverzichtbare Ergänzung zu anderen hessischen Hilfsangeboten dar, weil eine Aufnahme rund um die Uhr ohne Vorbedingungen und ohne Kostenübernahmezusage gewährleistet wird", hob Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) hervor und betonte, dass die Fleckenbühler auf 33 Jahre Erfahrung bei der Bewältigung von Drogen- und Alkoholabhängigkeit verfügten.

Suche nach dauerhafter Lösung

Die Aufenthaltsdauer bei den Fleckenbühlern ist nicht begrenzt, da sie sich nicht nur als Sucht-Selbsthilfeorganisation, sondern auch als konsequent nüchtern lebende Gemeinschaft verstehen.

Grüttner und Schäfer informierten am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden in einem kurzfristig anberaumten Gespräch die Vertreter der Fleckenbühler, Landrätin Kirsten Fründt, den Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow sowie die Landesdirektorin des Landeswohlfahrtsverbandes, Susanne Selbert, über die Unterstützung des Landes.

"Es ist gut, dass wir hier über eine Landesförderung schnell Sicherheit schaffen können für eine wichtige Einrichtung, die unverschuldet in Not geraten ist", sagte Grüttner. Kreis, Landeswohlfahrtsverband und Fleckenbühler seien nun aufgefordert, eine "dauerhaft tragfähige Lösung" zu finden, "damit die Arbeit auch ab 2020 gesichert weitergehen kann", teilte Schäfer mit.

In einer Pressemitteilung kommentierte Angela Dorn, Grünen-Landtagsabgeordnete aus Marburg, die Entwicklung. "Es freut mich, dass die Anstrengungen zur Rettung des Hofes Fleckenbühl erfolgreich waren und die wertvolle Arbeit weitergeführt werden kann." Seit 1984 leiste die therapeutische Selbsthilfegemeinschaft auf Hof Fleckenbühl wichtige Arbeit in der Behandlung von Suchterkrankten.

Auf dem Hof in Schönstadt leben und arbeiten aktuell rund 120 Erwachsene und ein Dutzend Kinder, die mehr als 250 Hektar Landfläche biologisch-dynamisch bewirtschaften.

Zum Hintergrund des Finanzproblems: In Berlin-Brandenburg wurde entschieden, dass Bewohner einer vergleichbaren Einrichtung keinen Anspruch mehr auf SGBII Bezüge haben. Eine Herausforderung ist hierbei, dass die wenigsten Bewohner aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf kommen. Mögliche Bezüge aus dem SGBXII sind nur sehr schwer oder über den Klageweg geltend zu machen, eine Anerkennung als stationäre Einrichtung ist aufgrund des Charakters einer Selbsthilfegemeinschaft nicht gangbar.

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