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Nordkreis Lahntaler diskutieren über Zukunft ihrer Friedhöfe
Landkreis Nordkreis Lahntaler diskutieren über Zukunft ihrer Friedhöfe
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17:39 02.05.2017
Bestattungswälder werden zunehmend beliebter. In Lahntal zieht die Gemeinde in Erwägung, diese Beisetzungsform vor Ort zu ermöglichen. Quelle: Archivfoto
Sterzhausen

Als Bürgermeister Manfred Apell (SPD) gegen Ende der Bürgerversammlung die Frage an die rund 70 Teilnehmer stellte, wer Interesse daran hätte, dass in Lahntal ein Bestattungswald eingerichtet werde, gingen etwa 20 Hände in die Höhe. „Das hätte ich nicht gedacht, das müssen wir in unsere Überlegungen einbeziehen“, zeigte sich Apell angesichts der hohen Quote überrascht.

Dabei hatte er unmittelbar davor die These aufgestellt, wenn es richtig sei, dass die Menschen sich vor allem wegen der niedrigeren Kosten in einem Friedwald - der Begriff ist ein eingetragenes Markenzeichen - bestatten ließen, werde man als Gemeinde nicht mit Privatanbietern mithalten können. „An mir soll es nicht scheitern, aber es hätte keinen Sinn, wenn keiner hingeht, weil es teurer ist“, hatte Apell zu Bedenken gegeben.

Zu Beginn der 140-minütigen Versammlung hatten neben dem Bürgermeister zwei weitere Referenten das Thema Friedhöfe aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Ralf Ruckert,­ Pfarrer der Evangelischen ­Kirchengemeinden Sterzhausen und Caldern, hatte seinen Vortrag mit „Stolperfallen und schöne Grabstätten - Eine Hinführung zum individuellen pflegearmen Grab“ überschrieben.

Die Bestattungskultur ändert sich, und das nicht zum ersten Mal“, sagte Ruckert und belegte dies mit einem Gemälde von Caspar David Friedrich, das einen Friedhof im 19. Jahrhundert ohne Grabeinfassungen zeigte. Die Stiefmütterchen und Einfassungen stammten aus Zeiten der bäuerlichen Großfamilie, heute fehlten dagegen häufig Menschen vor Ort, die die Gräber pflegen könnten oder wollten - oder finanzielle Gründe führten zur Entscheidung ­gegen ein Reihengrab.

Oft würden unbegleitet Entscheidungen getroffen, die zu nachträglicher Reue führten, wie die für ein anonymes Rasengrab. Damit fehle der Ort zum Trauern - und Hinterbliebene würden dann doch nach dem Grab ihres Angehörigen suchen. „Manche tun so, als ob es keine psychischen Bedürfnisse gebe“, warnte Ruckert.

Beim Waldgrab gebe es das Problem, dass es nur mit dem Auto über Feld- und Waldwege und auf dem letzten Stück zu Fuß über unbefestigte Wege,­ ­also nur „für fitte Angehörige­ bei guter Witterung“ erreichbar sei. Und die Regel der Schmucklosigkeit werde unterlaufen, weil emotionale Bedürfnisse nicht vorherzusehen waren. Ein Foto­ zeigte ein Grablicht an einem Baum im Friedwald, „sicher kein beruhigender Anblick für einen Gemeindebrandinspektor“, mutmaßte Ruckert. Eine Generation drohe wegzubrechen, Konsequenz für die lokale Friedhofskultur seien absehbare Finanzprobleme. Wenn es gelinge, das Rasengrab attraktiver zu machen, werde auch der Friedhof attraktiver. Sein Lösungsvorschlag lautete, pflegearme Rasengräber ohne Einfassungen anzubieten.

Friedhöfe als Teil der dörflichen Identität

Diese seien günstiger als andere Bestattungsformen, wenn auch immer noch teurer als der Wald, man habe die Wahl zwischen Feuer- und Erdbestattung, individuelle Gestaltung und Pflege sei möglich, aber nicht notwendig. Die Kosten blieben überschaubar, vor dem Mähen sei kein Wegräumen von Blumenschalen nötig, weil Kantenschneidearbeiten nicht inbegriffen seien, und die Verlängerung von Ruhefristen möglich, weil der Bagger ohne Einfassungen überall hinkomme.

Diplom-Ingenieurin Sigrid Wojke vom Fachbereich Soziale Sicherung der Gemeinde zeigte­ anhand verschiedener Beispiele, wie man durch gärtnerische und künstlerische Gestaltung neue attraktive Friedhöfe­ in Lahntal schaffen könne. Zunächst müsse man herausfinden, ob die Bürger das auch wollten und was genau sie sich wünschten.

Bürgermeister Apell sprach von einem Moment des Umbruchs, gemeinsam müsse man Ideen zusammentragen, um die Friedhöfe als Teil der dörflichen Identität und Beitrag zum schönen Ortsbild der veränderten Bestattungskultur anzupassen. Ziel sei dabei auch, die Beerdigungskosten möglichst nicht weiter steigen zu lassen. Während sich alteingesessene Bürger einen Friedhof mit regelmäßiger Pflege wünschten, bevorzugten diejenigen, deren Angehörige nicht in der Gemeinde leben, pfleglose Bestattungsformen. Zu den Friedhofsgebühren erläuterte er, dass zu den reinen Bestattungskosten die größeren Kosten für den Erwerb der Grabstätte hinzukämen. Diese seien grob so zu berechnen, dass alle anfallenden Kosten eines Jahres auf die Bestattungen eines Jahres verteilt würden. Eigentlich soll die Gemeinde kostendeckende Gebühren erheben, bei Friedhöfen verlange das Land, zumindest 80 Prozent der Kosten über die Gebühren zu decken. 2016 hätten sich nur zwei Lahntaler in einem Bestattungswald beisetzen lassen. 50 bis 60 Verstorbene gebe es pro Jahr in der Gemeinde, wenn fünf davon in einen Ruheforst gingen, bedeute das, dass die Kosten für Bestattungen in Lahntal um zehn Prozent steigen müssten.

Der größte Posten bei den Kosten für die sieben Lahntaler Friedhöfe sei mit 50000 Euro der Unterhalt durch den Bauhof, senken könne man ihn durch weniger Pflegeaufwand, beispielsweise Verzicht auf Mähen nicht belegter Friedhofsteile und durch mehr pflegearme Gräber. Überrascht zeigten sich die Zuhörer von einer Zahl, die verdeutlichte, dass die Friedhofsbesucher selbst durch Müllvermeidung erheblich zur Kostenreduzierung beitragen könnten. Von knapp 7000 Euro im Jahre 2014 stiegen die Kosten für Müllentsorgung 2016 auf fast 17000 Euro. Apell sprach von einem „Trend, alles liegen zu lassen“.

Calderns Ortsvorsteher Hans Jung meinte, man müsse schon Videoüberwachung einführen, um das Müllaufkommen zu reduzieren, Schilder allein brächten nicht viel. Am Friedhof würden zunehmend Dinge von zu Hause entsorgt, zum Beispiel Strauchschnitt. Zwei Tage nach Leerung seien die Behälter wieder voll.

Mit Interesse wurde sein Hinweis aufgenommen, dass auf dem Calderner Friedhof bereits Rasengräber sowie Bestattungen unter Bäumen möglich seien. Die Zuhörer wünschten sich, dass solche Informationen zu den Friedhöfen bekannter gemacht würden.

von Manfred Schubert

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