Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Kritischer Festvortrag und doch viel Optimismus

Amönau Kritischer Festvortrag und doch viel Optimismus

100 Jahre Turn- und Sportverein Amönau: Festkommers bildete den Auftakt zum ersten Jubiläumswochenende des Turn- und Sportvereins 1911 Amönau.

Voriger Artikel
Ein Meer aus Lichtern mitten auf dem See
Nächster Artikel
Schäfer zeigen ihr ganzes Können

Tänze und zahlreiche Ehrungen begleiten den „bunten Festkommers“.

Amönau. Obwohl der Festkommers des Turn- und Sportvereins am Freitagabend im Bürgerhaus straff und ohne Pausen ablief, dauerte er drei Stunden. Dennoch kam keine Langeweile unter den etwa 120 Gästen auf, da die Reihe der Reden und Ehrungen immer wieder durch Auftritte der drei Tanzgruppen des TSV und Lieder des Gesangvereins Amönau aufgelockert wurde.

In den Ansprachen kam auch Kritik aus den eigenen Reihen am Zustand der Fußballabteilung des Vereins im Jubiläumsjahr zur Sprache. Zuversichtlichkeit und Lob für den größten Amönauer Verein, dem in den drei Sparten Gymnastik, Tischtennis und Fußball 304 Mitglieder angehören, äußerten vor allem die vielen Gastredner.

Der Vorsitzende Achim Wagner benannte das Problem der fehlenden eigenen Jugendmannschaften, so dass die Amönauer Jugendlichen in anderen Vereinen Fußball spielen.

Diesen Punkt sprach auch der ehemalige Vorsitzende und jetzige Kassierer Karl Muth an, der in einem ausführlichen bebilderten Festvortrag die Geschichte des Vereins vorstellte. Der 1996 entstandene Rasenplatz auf der Viehtrifft sei mit Bewässerungsanlage und Flutlicht einer der schönsten und besten im ganzen Kreisgebiet und bot die Voraussetzungen für die um die Jahrtausendwende erreichte Qualität des Fußballs, der mit Aufstiegen bis in die Bezirksklasse die Fans in wahre Euphorie versetzte. Jedoch hätten diese Erfolge schon die in den 90er Jahren begonnene Probleme verdeckt: die fehlende kontinuierliche Weiterentwicklung auf sportlicher wie Funktionsträgerebene, von der insbesondere der Jugendbereich betroffen sei, mit Ausnahme der gut belegten Jazztanzkurse der Gymnastik-Abteilung.

Beim Tischtennis sei in diesem Jahr mit der Jugendabteilung ein Anfang gemacht worden, beim Fußball sei dies eine Aufgabe, der wir uns in naher Zukunft stellen müssen. Bei der anstehenden Sanierung des Sportheims werde der Verein dafür beste Voraussetzungen schaffen, schloss Muth auffordernd, der eingangs gesagt hatte, dass es in den 100 Jahren seiner Geschichte immer wieder Phasen der Stagnation, Regeneration und Neuorientierung gegeben habe. Von der erfolgreichen Jugendarbeit bei den Mädchen konnten sich die Zuschauer bei den ansprechenden Auftritten der Kinder-Jazztanzgruppe „Stargirls“, der 10- bis 13-Jährigen in der Jugendtanzgruppe „Temptation“ und der längst weit über Amönau hinaus bekannten Jazztanzgruppe „Flair“ überzeugen. Bürgermeister Kai-Uwe Spanka wies darauf hin, dass Sport in Hessen Verfassungsrang habe und erteilte Aufforderungen, an freiwilligen Aufgaben wie der Vereinsförderung zur Sanierung der Haushalte zu sparen, als Irrsinn eine klare Absage. Der Fußball habe im Übrigen auch in der B-Klasse Spaß gemacht, er bedaure aber, dass es kaum noch Lokalderbys gebe.

Der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern überbrachte dem TSV-Vorsitzenden Achim Wagner die Sportplakette des Bundespräsidenten und die silberne Ehrenplakette des Hessischen Ministerpräsidenten sowie einen Zuschuss für die Sanierung des Vereinsheimes. Er zeigte sich verwundert über die wehmütigen bis pessimistischen Töne, was er gesehen und über das Vereinsleben gehört habe, stimme ihn optimistisch angesichts der guten Gemeinschaft in einem der schönsten Orte im Landkreis. Natürlich müsse man den Jungen auch etwas anbieten, es gebe mehr als nur Fußball. Auch Ortsvorsteherin Sigrid Diehl und Hermann Brand, der als stellvertretender Vorsitzender des Sportkreises Marburg außerdem eine Urkunde und Ausbildungsgutscheine des Landessportbunds sowie die Ehrenplakette des Sportkreises überreichte, zeigten Zuversicht. Karl-Heinrich Auffarth, Ehrenamtsbeauftragter des Kreisfußballverbands Marburg, mahnte an, nicht zu verzweifeln, schließlich führe Amönau fußballerisch eine eigenständige Existenz, während es ringsum nur noch Spielgemeinschaften gebe. Rainer Schremb, Vizepräsident Hessischer Turnverband, brachte Banner und Ehrenplakette des Deutschen Turnverbands zum Jubiläum mit.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr