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Nordkreis Teigschlecker und Keksbäcker
Landkreis Nordkreis Teigschlecker und Keksbäcker
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14:00 05.03.2018
Anneliese Witzel stellt den Kuchen auf den Tisch, auf den die Kinder ihre verzierten Butterkekse legen dürfen. Quelle: Freya Altmüller
Sterzhausen

„Sheriff Klingelhöfer“ ist ein Hasengesicht. Der fünfjährige Keksbäcker Lennox hat ihn erschaffen. „Klingelhöfer“ heißt er nicht etwa in Anlehnung an das Marburger Café, sondern weil seine Smartie-Nase eine Klingel ist, erklärt Lennox. Später will er seinen Hasen verspeisen. Wenn das mal nicht die Gummibärchen verhindern. Aber dazu später mehr.
Gemeinsam mit anderen Kindern in seinem Alter sitzt Lennox an einem Tisch und verziert ausgestochene Osterplätzchen. Mit Zuckerkugeln, Smarties und Gummibärchen. Er ist einer der 15 Teilnehmer der Kinderküche im Generationentreff „Krafts Hof“ in Sterzhausen. Angeleitet wird er von drei Rentnerinnen.

Schon 80 Mal Kinderküche

Eine von ihnen ist Anneliese­ Witzel. Sie hat sich das Angebot vor acht Jahren ausgedacht. Zehnmal im Jahr findet die Kinderküche statt rund 80 Mal bisher. Jedes Mal denken sich Witzel und ihre Kolleginnen Andrea Schmidt und Monika Schellenberg mit Tochter Elisabeth etwas Besonderes aus, passend zur Jahreszeit.
Und weil der nächste Termin erst nach Ostern gewesen wäre, muss der Osterhase eben schon jetzt kommen. Dazu backen die Kinder an einem anderen Tisch kleine Nester. Aus Teigklumpen rollen sie Würste, verdrehen sie und legen sie zu einem Kranz. Die Naht wird mit Eigelb verklebt, damit es besser hält.

Zitrone mögen nicht alle Kinder

Andrea Schmidt backt derweil in der Küche mit drei Kindern einen Kuchen. Die sechsjährige Alia kniet auf einem Hocker, um an die Schüssel auf der Arbeitsplatte zu kommen. Gemeinsam mit Schmidt hält sie den Griff eines Handrührgerätes. Als die Maschine still geworden ist, sagt die Rentnerin: „Jetzt kommt noch Zitronensaft rein.“ – „Igitt“, antwortet Alia. Der Saft wird verrührt, dann dürfen zwei der Kinder die Handrührer ablecken. „Ich leck‘ dann die Schüssel aus“, verkündet Alia.
Die Kinder an Lennox‘ Tisch sind noch immer mit Verzieren beschäftigt. Noch sind die Schalen mit Zuckerstreuseln und Schokolinsen voll. „Guck mal da“, sagt ein Junge und zeigt auf einen Hasen, dem er mit kleinen Zuckerkugeln Augen und Nase gelegt hat. Er lächelt vergnügt. Ein anderer Hase hat ­eine weiße Kugel als Blume bekommen. „Wollt ihr mal gucken, wie das in den Ofen kommt?“, fragt Anneliese Witzel. Die Kinder verschwinden in Richtung Küche.

Kuchen mit verzierten Butterkeksen

Zwei Mädchen tragen derweil ein Brett mit Butterkeksen darauf herein. Sie sollen später auf den Kuchen gelegt und vorher verziert werden. Aus der Küche dringt süßer Duft ins Zimmer. Einer der Jungen hält seinen Keks hoch und sagt: „Ich bin Mister Furz.“ Ein anderer Junge sagt: „Meiner kriegt einen Bart.“
Am Nebentisch ist eine Schale bunter Zuckerkügelchen auf den Boden gefallen. Es knackt unter den Winterstiefeln eines Mädchens. Witzel kommt mit Schippe und Besen und kehrt die Kugeln zu einem bunten Haufen zusammen. „Ei, ei, ei“, sagt sie. „Ein bisschen aufpassen ist angesagt, meine Damen.“ Kollegin Schmidt läuft mit ihrem Kuchenblech in der Hand durch den Flur. Sie stellt es vor der Haustüre ab, zum Abkühlen.

Die Kinder jagen sich mit Eigelb

Zurück in der Küche braucht sie Helfer zum Puddingkochen. Alia erklärt sich bereit. „Weißt du, wann wir das Pulver rein machen müssen?“, fragt die Rentnerin die Sechsjährige. „Wenn die Milch nach oben geschäumt kommt“, erklärt sie dem Kind. Alia greift den Schneebesen, der so lang wie ihr Unterarm ist. Das Rühren ist mühselig, deswegen übernimmt Schmidt wieder.
Im Flur wird es währenddessen laut. Ein Mädchen jagt ein anderes mit einer Schale Eigelb. Das Kind lacht lauthals. „Sie möchte gerne Eier essen“, ruft sie der anderen hinterher. Die hingegen flüchtet.
Im Türrahmen der Küche steht ein Junge und macht große ­Augen. „Wer hat die Ostereier gemacht?“, fragt er und deutet auf die Arbeitsplatte, auf der bunt bemalte Eier in den ­gebackenen Osternestern stecken. „Da ist der Osterhase wohl schon hier gewesen“, antwortet Witzel. Bis er ein Nest bekommt, muss er sich aber noch ein Weilchen gedulden. Der Junge verschwindet wieder.

Sheriff Klingelhöfer überlebt Gummibärchen-Malheur

Die Frauen holen ein Blech mit Plätzchen aus dem Ofen. Sie wollen sie herunter nehmen, aber einige hängen zusammen. Wo Gummibärchen lagen, sind jetzt Kuhlen in den Keksen. Das Fruchtgummi ist als braune Masse heruntergelaufen und hat die Plätzchen zusammengeklebt. Witzel und Elisabeth Schellenberg werfen sie weg.
„Leider hat das nicht geklappt mit den Gummibärchen“, verkündet Witzel den Kindern. „Das könnt ihr euch mal für ­alle Zeiten merken“, sagt sie. Sheriff Klingelhöfer hat das Gummibärchen-Malheur aber überlebt.

von Freya Altmüller

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