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„Kein einfaches Abenteuer“

Altenheim Cölbe „Kein einfaches Abenteuer“

Am Samstag wurde mit der offiziellen Schlüsselübergabe und einem Tag der offenen Tür das neue Hausgemeinschaften-Gebäude der Marburger Altenhilfe St. Jakob eingeweiht und der Öffentlichkeit vorgestellt.

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In acht Tagesräumen wie diesem werden die Hausgemeinschaften künftig kochen, sich unterhalten oder gemeinsam fernsehen können. Zur Einweihung gab es Kostproben aus dem Restaurant im Erdgeschoss. Unten links: Da waren viele Einweihungsgäste überrascht, als

Quelle: Manfred Schubert

Cölbe. Die Bauzeit betrug wie geplant 15 Monate und auch die veranschlagten Kosten von 9,1 Millionen Euro sollen relativ punktgenau erreicht werden, was bei einem Projekt dieser Größe keineswegs selbstverständlich sei, freute sich Bernd Schulte. Der Geschäftsführer der GeWoBau Marburg, die Eigentümerin und Bauherr des neuen Alten- und Pflegeheims ist, begrüßte am Morgen etwa 140 geladene Gäste zur Einweihung. Betreiber wird die Marburger Altenhilfe St. Jakob GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Stadt Marburg.

Zugleich wies er darauf hin, dass nebenan der neue Kindergarten der Gemeinde Cölbe in Kürze ebenfalls fertig gestellt werde und dass die Kombination aus Altenheim und Kindergarten unter Fachleuten als Zukunftsmodell gelte.

Cölbes Bürgermeister Volker Carle hob die Besonderheit dessen hervor, dass Marburg beschlossen habe, in Cölbe Hausgemeinschaften für Menschen aus Marburg und dem Landkreis einzurichten. Es gebe aber schon lange eine Zusammenarbeit beider Kommunen, zum Beispiel beim Abwasser. In der Nachbarschaft liege nicht nur der neue Kindergarten, sondern auch die Ergotherapieschule. Ein Ziel des Projektes sei, Familien, Ältere und Kinder zusammenzuführen. Beim ersten Treffen mit Jörg Kempf, Geschäftsführer der Altenhilfe St. Jakob, sei „der Funke übergesprungen“ und das für solche Projekte nötige Vertrauen entstanden. Man müsse bei so etwas immer Kompromisse machen, aber bei diesem habe keiner verloren, sondern alle Beteiligten gewonnen.

Oberbürgermeister Egon Vaupel unterstrich ebenfalls die gute Zusammenarbeit zwischen Marburger Magistrat und Cölber Gemeindevorstand sowie zwischen zwei städtischen Gesellschaften mit unterschiedlichen Aufgaben.

Von der Politik in Berlin und Wiesbaden forderte er, die sehr starken Belastungen der Mitarbeiter in der Altenhilfe zu berücksichtigen, auch wenn es um die Bezahlung gehe. Das neue Gebäude entspreche modernsten Standards, es sei gelungen, Alt und Jung zusammenzubringen, dies sei ein Tag der Freude.

Der Koblenzer ArchitektMichael Thillmann, dessen Büro 2009 den Ausschreibungswettbewerb gewonnnen hatte, erläuterte, dass es darum ging, in dem dörflichen Umfeld ein Gebäude mit kleinen Strukturen entsprechend dem Konzept von Hausgemeinschaften zu errichten, in denen jeder Bewohner einen eigenen Bereich zum Zurückziehen hat. Darin soll er sich wohl fühlen können, zum Beispiel gebe es hochwertige, an Drei- bis Vier-Sterne-Hotels orientierte Bäder, keine „bis zur Decke weiß gefliesten Nasszellen“. Bei der Einrichtung habe Jörg Kempf „viel Herzblut eingebracht“ beim Aussuchen der Möbel und der Dekoration, sagte der Architekt.

Kempf betonte: „Wenn sie keine glücklichen Mitarbeiter haben, können sie kein Haus organisieren, in dem glückliche Bewohner leben.“ Die Bemühungen, das Haus wohnlich zu gestalten, seien nicht einfach gewesen. Viele Dinge, die man zu Hause benutze, dürfe man aus Sicherheitsgründen in einer solchen Einrichtung nicht einbauen. Oft wurde sehr konträr diskutiert und den Mitarbeitern einiges abverlangt, die er bat, ihm zu verzeihen.

Ziel sei eine möglichst flexible Gestaltung gewesen, um auf Wünsche der künftigen Bewohner eingehen zu können, die ihren Alltag möglichst selber gestalten, ihren eigenen Speiseplan erstellen und auch selber kochen und von einem ambulanten Pflegedienst versorgt werden sollen.

Backhaus kommt noch

Aber auch die Bedürfnisse derer, die nicht mehr so selbständig sind, sollen abgedeckt werden. „Das Abenteuer, auf das wir uns einlassen, ist nicht ganz einfach zu lösen. Es wird voraussichtlich Schwierigkeiten geben, wir werden diese kommunizieren, mit den Bewohnern und Angehörigen diskutieren“, versprach Kempf.

Pfarrerin Annette Hestermann von der evangelischen und Dr. Reinhold Schneider von der katholischen Kirche besorgten den ökumenischen Segen für die Einrichtung. Zwischendurch hatte die Paderborner Kabarettistin Antje Huißmann mit dezent-scharfzüngigen Anmerkungen und Liedern wie „Je ne regrette rien“ für Auflockerung und ironische Brechung der Lobreden gesorgt. Als Restaurantfachkraft „Else Mögesie“ hatte sie sich von Anfang an unter die Gäste gemischt. Die Tarnung war perfekt, den Beruf hat sie einst erlernt.

Kempf lud die Gäste zur Besichtigung einzelner Zimmer und der Gemeinschaftseinrichtungen ein. Für diese gab es auch Kostproben der Restauration, die künftig auch der Öffentlichkeit zugänglich sein soll, ebenso der Friseur im Haus. Noch nicht ganz fertig war der Garten, welcher künftig ein Backhaus beherbergen wird. Einen Vorgeschmack darauf bot der mobile Holzbackofen von Schäfers Backstuben mit Flammkuchen, Baguettes und vegetarischen Hexenzungen.

Am Nachmittag nutzten Hunderte den Tag der offenen Tür, um das Haus zu besichtigen und sich in Gesprächen mit den Mitarbeitern zu informieren. Zur Unterhaltung gab es schottische Musik von „QuestWind“, die Kinder von der Kita Löwenzahn führten „Der Grüffelo“ auf.

von Manfred Schubert

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