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Jetzt fehlt nur noch ein Pächter

Lindenhof Reddehausen Jetzt fehlt nur noch ein Pächter

Mehr als nur eine Gebäudeeinweihung war es, was da am Sonntag in Reddehausen stattfand. Die Redner stellten das (Wieder)Zusammenwachsen dörflicher Gemeinschaft in den Vordergrund.

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Mit dem renovierten Kirchsaal und dem umgebauten Lindenhof erstrahlt die Ortsmitte Reddehausens in neuem Glanz. Der Bläserchor aus Schönstadt spielte auf der Terrasse. Die Kinder konnten malen und sich schminken lassen.

Quelle: Manfred Schubert

Reddehausen. Eigentlich hatte es ja eine doppelte Einweihung werden sollen. Jedoch waren die neuen Prinzipalien der Kirchengemeinde – Taufbecken und Wandkreuz – aufgrund schwerer Erkrankung des Künstlers nicht fertig geworden, so dass der Gottesdienst, musikalisch vom Chor „Heartbeat“ aus Reddehausen und dem Bläserchor aus Schönstadt gestaltet, von Anfang an im neuen Versammlungsraum stattfand. Mit etwa 170 Gästen war dessen auf 100 Personen ausgelegte Kapazität mehr als ausgereizt.

Pfarrer Michael Fröhlich verknüpfte in seiner Predigt einen geschichtlichen Rückblick mit gesellschaftlicher Gegenwartsanalyse, viele der nachfolgenden Redner zeigten sich beeindruckt und bezogen sich auf seine Worte.

Wie ein roter Faden ziehe sich die große Eigeninitiative durch die Dorfgeschichte Reddehausens, wenn es um den Bau gemeinschaftlicher Räume gehe. 1967 sei mit viel Eigenleistung der kürzlich renovierte Kirchsaal gebaut worden, später Grillhütte, Feuerwehrhaus, Fußballerheim und nun als vorläufiger Höhepunkt der Lindenhof mit fast 1500 Stunden Eigenleistung.

Noch vor wenigen Jahrzehnten sei in Freizeitgestaltung, religiöser Orientierung und sogar Partnerwahl vieles vorgezeichnet gewesen, der Mensch eingebunden in einen geschlossenen Werte-, Glaubens- und Sinnkosmos, der Orientierung und Halt bot, aber auch einschränkte.

Diese traditionellen Strukturen des ursprünglichen Wir-Bewusstseins in unseren Dörfern seien seit langem in Auflösung begriffen, wurden abgelöst durch ein neues Ich-Bewusstsein, verknüpft mit freier Gestaltung des eigenen Lebens. Viele seien überfordert damit, ständig alles selbst entscheiden zu müssen, von der Käsesorte über die Partnersuche bis zur Beliebigkeit im religiösen Bereich.

Sehnsucht nach „Orten,die eine Seele haben“

Die Sehnsucht nach Sinn, nach echtem, menschlichen Verbundensein, nach Gemeinschaft ohne die früheren Zwänge der Tradition, jenes neue wir brauche Räume, in denen wir uns begegnen können. „Ganz konkret, von Angesicht zu Angesicht oder neudeutsch: face-to-face. Wir müssen einander leibhaftig sehen, und nicht bloß im Chatroom von Facebook“, betonte der Pfarrer. „Orte, die eine Seele haben, weil Menschen, sie nicht kühl nach Baukastensystem und kalter Funktionalität zusammengesteckt, sondern Mühe und Liebe in sie investiert haben.“

Bürgermeister Volker Carle dankte für die „wunderbare Predigt“ und viele wichtige Worte, gratulierte den Reddehäusern und besonders Ortsvorsteherin Hildegard Otto zum erfolgreichen Abschluss der Dorferneuerung, deren Beginn im Jahre 2000 fast mit dem Beginn seiner Amtszeit (Mai 2001) zusammenfiel. „Das waren 100 Prozent Frauenpower, alle Achtung, wie du das gemanagt hast“, würdigte er den großen Einsatz der Ortsvorsteherin, die viele Stunden selbst mit Hand anlegte.

von Manfred Schubert

„Die Dorferneuerung wäre nichts ohne ihr Engagement, sie haben ganz viel erreicht, ihr Dorf lebenswerter gemacht“, unterstrich der Erste Beigeordnete des Landkreises, Dr. Karsten McGovern.

Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Christian Hölting (CDU), betonte, dass die Gemeindevertretung mit großer Mehrheit, oft einstimmig, für das Vorhaben gestimmt hatte und freute sich, dass sie jetzt wieder in Reddehausen tagen könne, erstmals am 26. Juni. Werner Bodenbender (Bürgerliste) sagte, anders, als er gedacht habe, sei die Zeit der Bürgerhäuser doch noch nicht vorbei.

„Wanderfreundliche“ Gastronomie als Krönung

Wolfgang Tichelmann (SPD) bezeichnete die Orientierung an den Bedürfnissen aller, das Miteinander beim Bauen und Feiern als praktizierte Nächstenliebe. Dr. Armin Feulner (Burgwald-Touristservice) wies auf mehr als 1000 Nutzer des Eibenhardtpfades im Vorjahr hin. „Es wäre schön, wenn bald ein Pächter gefunden und Gastronomie mit wanderfreundlichen Öffnungszeiten anbieten würde. Allerdings wird er nicht vom Tourismus allein existieren können“, sagte er.

Hildegard Otto blickte in ihrem bebilderten Festvortrag auf die Stationen der Dorferneuerung zurück. Von Anfang an war die Schaffung eines Versammlungsraums das wichtigste Ziel, das sich als schwierig erwies und sogar die Verlängerung der bis 2008 angesetzten Dorferneuerung erforderte.

Als Glücksfall erwies sich ein Unglück: ein Rohrbruch setzte im Januar 2009 das Gebäude unter Wasser. Die notwendige Sanierung der alten Gaststätte zahlte zum Teil die Versicherung, der Rest wurde über das Konjunkturpaket finanziert. 2010 entstand der Anbau für den Versammlungsraum, ab Februar 2011 die Innenarbeiten in Eigenleistung. Insgesamt wurde fast eine Million Euro in und um den Lindenhof investiert. Otto dankte alle Beteiligten, besonders aber ihrer Familie, die „am meisten unter dem Bau gelitten“ habe.

Nach der symbolischen Pflanzung einer Dorflinde und gemeinsamem Mittagessen, wurde gemütlich gefeiert; mit Musik vom Bläserchor Schönstadt, und einer Tombola. Von Ruth Rau zusammengestellte Fotos zeigten Szenen aus dem früheren Dorfleben, Monika Mosburger erzählte „Märchen für alle“.

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