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Bürgermeisterwahl Cölbe Investieren, um zu verdienen und sparen

Zur Bürgermeister-Direktwahl in Cölbe nimmt Alleinkandidat Volker Carle im zweiteiligen OP-Interview Stellung. Im ersten Teil stellt er seine Ideen zur Energiepolitik vor.

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Will als Bürgermeister wiedergewählt werden: Volker Carle.Foto:Tobias Hirsch

Cölbe.. OP: Herr Carle, erneut stehen Sie am 2. Dezember ohne Gegenkandidat zur Wahl. Für Sie auch ein Zeichen, zwölf Jahre gute Arbeit geleistet zu haben? Volker Carle: Ja. Die Gemeinde ist gut aufgestellt. Ein Beispiel ist die Betreuung der unter Dreijährigen. Hier werden wir 2013 eine Quote von fast 57Prozent erreichen. Ein Spitzenwert in Hessen. In der Gemeindevertretung pflegen wir ein harmonisches Miteinander. Wenn es in der Sache mal Differenzen gibt, sprechen wir immer miteinander statt übereinander.

OP: Das heißt, Sie fühlen sich in Ihrem Amt sehr wohl. Carle: Und ob. Es macht mir sehr viel Spaß, in Cölbe als Bürgermeister zu arbeiten und ich würde mich auf weitere sechs Jahre freuen. Wir haben hier viel auf den Weg gebracht und stehen noch vor einigen Herausforderungen.

OP: Womit wir in die Themen einsteigen können. Was sind denn Ihre Herausforderungen? Carle: Ein erklärtes Ziel ist der Haushaltsausgleich, den ich 2014 präsentieren möchte.

OP: Wie wollen Sie das schaffen? Carle: Durch die Intensivierung der interkommunalen Zusammenarbeit. Interkommunale Zusammenarbeit schafft Effizienz auf der einen Seite und Kosteneinsparung auf der anderen. Hier ist unser mit dem Spareuro des Bundes der Steuerzahler ausgezeichnete Bauhof mit Lahntal und Wetter beispielhaft. Aber auch durch und die Erschließung neuer Einnahmequellen - ohne den Bürger immer zusätzlich zu belasten. Wir haben in Cölbe eine sozialverträgliche Gebührenstruktur. Und so soll es auch bleiben. Der Solaracker bei Bernsdorf ist ein erstes Beispiel für die Verbesserungen der Einnahmen. Auf dem Energiesektor lässt sich noch sehr viel machen.

OP: Denken Sie da auch an Windräder? Carle: Ich habe mich mit diesem Thema intensiv beschäftigt. Es ist aber nun auch mal so, dass wir von der Flächengröße keine geeigneten Standorte auf Gemeindegebiet besitzen. Deshalb bin ich mit den drei übrigen Nordkreiskommunen im Gespräch mit dem Ziel, dass wir uns an Projekten im Nordkreis beteiligen können. Mit der Stadt Kirchhain könnte eine Flächenkooperation angedacht werden.

OP: Mit Ihrem ehrenamtlichen Stellvertreter Thomas Rotarius haben Sie in Sachen Energie aber auch einen ausgewiesenen Fachmann an Ihrer Seite. Carle: Ja das stimmt. Das Thema Energie wird uns auch noch sehr beschäftigen. Es geht um Investitionen in neue Einnahmequellen, aber auch um effektive Einsparungsmöglichkeiten. Alleine der von unserem Klimaschutzmanager beförderte und vom Land Hessen geförderte Austausch und Einsatz von Hocheffizenzpumpen im gesamten Gemeindegebiet durch unsere Bürger brachte mindestens 200 000 Euro Wertschöpfung vor Ort. In den nächsten 15 bis 20 Jahren könnten wir in den Ortsteilen Schwarzenborn und Reddehausen dezentrale Nahwärmenetze einrichten.

OP: Dezentrale Nahwärmenetze? Wie ist das zu verstehen? Carle: Dazu müssen sich nur einige Nachbarn zusammenschließen und für ihre Häuser ein gemeinsames Blockheizkraftwerk einrichten. Solche passen ja schon fast in jeden Keller. Ich denke, dass dezentrale Versorgungslösungen die Zukunft sind.

OP: Ein zweites Nahwärmenetz wie in Schönstadt wird es also in der Gemeinde nicht geben? Carle: Cölbe und Bürgeln können Erdgas nutzen. Dort ist es das Ziel, eine Versorgung mit Biogas hinzubekommen. Das wäre dann eine nachhaltige Gasversorgung. Virtuell beziehen wir für den neuen Kindergarten in Cölbe über die Stadtwerke Marburg schon Biogas aus der Gemeinde Ebsdorfergrund. Also, ein zweites Nahwärmenetz wie in Schönstadt wird es wohl kaum in der Gemeinde Cölbe geben, doch das Projekt in Schönstadt ist für mich noch lange nicht abgeschlossen. Dort möchte ich gerne ein Monitoring haben, das aufzeigt wie sich das Nutzerverhalten entwickelt. Es wird interessant sein zu sehen, was vorher benötigt wurde und was jetzt. Man darf auch nicht vergessen, dass durch die Nahwärmenutzung in vielen Häusern Schornsteine frei werden. Da wird sicherlich der eine oder andere über die Anschaffung eines Ofens nachdenken. Es ist auch wichtig für nachfolgende Bioenergiedörfer zur Vereinfachung der Planungen reale Daten liefern zu können.

OP: Energie nimmt bei Ihnen wirklich ein großes Bearbeitungsfeld ein. Carle: Dabei haben wir noch gar nicht richtig über das Energieeinsparen gesprochen. Das wird uns natürlich auch noch sehr beschäftigen.

OP: Die einfachste Lösung Energie und Geld für die Gemeinde zu sparen ist doch die Trennung von gemeindlichen Liegenschaften. Carle: Sich von Liegenschaften zu trennen, halte ich für keine Option. Denn dort findet schließlich das Leben statt, dort kommen die Bürger unserer Gemeinde zusammen. Allerdings kann ich mir neue Betreiberformen für die Gemeinschaftshäuser vorstellen. Der renovierte Lindenhof in Reddehausen mag da beispielgebend sein. Ich werde sicherlich mit diesem Modell auf die Vereine zukommen. Wenn man sich mit der Liegenschaft in besonderer Weise verbunden fühlt, wird sie auch mehr gepflegt und verursacht damit weniger Kosten.

von Götz Schaub

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