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Nordkreis Gemeinden wollen Gewerbe anlocken
Landkreis Nordkreis Gemeinden wollen Gewerbe anlocken
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00:16 04.12.2018
Wo derzeit noch Äcker sind, soll an der B 236 und der neuen B 252 ein Gewerbegebiet entstehen – so der gemeinsame Plan der Bürgermeister (von links) Peter Funk, Christian Klein und Lothar Koch.  Quelle: Stefan Dietrich
Münchhausen

Der geplante Interkommunale Gewerbepark „B252/B236“ sei in einer „Top-Lage“, sagten die drei Bürgermeister Peter Funk (Münchhausen), Christian Klein (Battenberg) und Lothar Koch (Burgwald) gestern, als sie ihren Plan der Presse vorstellten.

Denn das 16,8 Hektar große Gebiet liegt an der Stelle, wo künftig zwei Bundesstraßen aufeinandertreffen: Die neue Trasse der B 252, die voraussichtlich im Jahr 2023 fertig wird und den Verkehr von Lahntal bis Münchhausen um die Dörfer herumführen soll, und die Bundesstraße 236. Unternehmen hätten damit eine gute Verkehrsanbindung in drei Richtungen: Nach Norden in Richtung Korbach, nach Süden in Richtung Marburg und nach Westen in Richtung Sauerland.

„Die Gemeinde hatte beschlossen, entlang der Strecke der neuen B 252 zu suchen, ob wir dort Gewerbegebiete ausweisen können“, beschreibt Funk, wie es zu dem Plan kam. Dann seien die Kollegen aus den Nachbarkommunen auf ihn zugekommen mit der Frage, ob man gemeinsam ein Gewerbegebiet planen könne.

Dafür wollen sie im Juli, sofern im Dezember die Gemeindeparlamente zustimmen, einen Zweckverband gründen. Die Ausgaben und Einnahmen sollen dafür unter den Kommunen aufgeteilt werden. Zunächst soll jede Kommune 25 000 Euro bezahlen. Diese könnten aus Landes-Fördermitteln für Interkommunale Zusammenarbeit wieder reingeholt werden.

Der geplante Gewerbepark liegt komplett auf dem Gebiet der Gemeinde Münchhausen. Deshalb soll die Gemeinde sich auch um die Verwaltung kümmern. Von den Gewerbesteuer-Erträgen würde Münchhausen aber nur ein Drittel bekommen. Trotzdem lohnt sich die Zusammenarbeit mit den beiden Kommunen aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg auch für Münchhausen, wie Bürgermeister Funk erläutert.

Keine eigenen Gewerbegebiete

„Ein Gewerbegebiet von fast 17 Hektar hätten wir allein nie genehmigt ­bekommen“, erklärt er. Die drei Gemeinden müssten nun bei den Regierungspräsidien beantragen, dass sie ­ihre Flächennutzungspläne entsprechend ändern dürfen.

Mit dem Regierungspräsidium Gießen laufen bereits Gespräche, mit dem für Burgwald und Battenberg zuständigen Regierungspräsidium Kassel sind Gespräche geplant. Zum Ausgleich müssten die Kommunen auf ­eigene Gewerbe- oder Baugebiete verzichten.

Münchhausen könnte aus dem alten Flächennutzungsplan aus dem Jahr 1978 fast acht Hektar geplante Gewerbe- und Wohngebiete streichen, sagt Funk. „Man verzichtet an anderer Stelle darauf, die Natur zuzubauen“, erklärt Burgwalds Bürgermeister Koch.

„Wenn jeder ein Gewerbegebiet plant, müssten wir an der Bundesstraße an drei Stellen Abbiegungen bauen und drei Kanalanschlüsse machen – so brauchen wir alles nur einmal“, beschreibt sein Battenberger Kollege Klein die Vorteile.

Kein Einzelhandel

Ein Kanalanschluss besteht in der Nähe sogar schon, die Grundstückseigentümer sind laut Funk zum Verkauf bereit. Mit einer so großen Fläche von fast 170 000 Quadratmetern sei das Gebiet auch für große Unternehmen attraktiv, sagen die Bürgermeister. Erste Gebäude könnten sogar schon vor Fertigstellung der neuen Bundesstraße entstehen.

„Der Standort ist interessant für Logistik-Unternehmen, aber auch für das heimische Gewerbe“, sagt Koch. Potenzielle Interessenten gebe es in allen drei Gemeinden. So suche das Münchhäuser Bauunternehmen Heinrich Naumann einen neuen Standort, berichtet Funk.

Auch eine Tankstelle oder einen Autohof können sich die drei Bürgermeister in dem Gebiet vorstellen. Eines soll aber definitiv nicht dorthin: Einzelhandelsgeschäfte. Es soll keine Konkurrenz zu den Läden in den Orten entstehen.

Höhere Gewerbesteuern

„Wir haben hier eine Ecke, wo die Lkw nicht mehr durch die Orte fahren“, hebt Funk hervor. Klein ergänzt: „Die Verkehrsströme sind sowieso da – wir versuchen, daran zu partizipieren.“ Deshalb seien auch die ersten Reaktionen positiv gewesen, berichten die drei Bürgermeister. Sie haben den Plan bereits den Ältestenräten der drei Kommunen vorgestellt.

„Das ist von allen begrüßt worden“, sagt Funk. „Die Parlamentarier haben schon den Blick dafür geschärft, dass zusammen Dinge gehen, die allein nicht gehen.“ „Für Münchhausen ist das vielleicht die letzte große Chance, unsere Gewerbeflächen zu erweitern“, meint Bürgermeister Funk. Andere Gebiete, etwa in Richtung Burgwald oder im Flora-Fauna-Habitat an der Wetschaft, kämen aus Naturschutz-Gründen nicht infrage.

Längerfristig könnte die finanzschwache Gemeinde durch den Gewerbepark höhere Gewerbesteuern erzielen. Das ist aber aus Funks Sicht nur ein Argument unter mehreren: „Es gibt dann vielleicht auch zusätzliche Arbeitsplätze – und Menschen, die hier hinziehen.“

von Stefan Dietrich