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In der Übung gibt’s auch Todesopfer

Feuerwehr Lahntal In der Übung gibt’s auch Todesopfer

Großeinsatz für Feuerwehren und Rettungsdienst: Bei einem Brand in der Grundschule in Goßfelden starben drei Menschen, zwei Personen wurden schwer verletzt – zum Glück nur in der Übung.

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Auf „durchkreuzten Wegen“ durch Wetter

Die Einsatzkräfte des Rettungsdienstes Mittelhessen behandelten die „Opfer“.

Quelle: Andreas Schmidt

Goßfelden. 60 Feuerwehrleute aus der Großgemeinde Lahntal und 10 Kameraden mit der Drehleiter aus Wetter kämpfen eine gute Stunde lang gegen die Flammen, bis sie den Brand unter Kontrolle haben, dennoch gibt es „Opfer“. Das beschriebene Szenario aber war zum Glück nur die Frühjahrs-Übung der Lahntaler Wehren – und die funktionierte reibungslos.

Erdacht hat sich das Szenario unter anderem Florian Völker von der Feuerwehr Goßfelden. Er erklärt den Ablauf: „Um 14.05 Uhr wird alarmiert – mit der Beschreibung ‚Feuer in der Otto-Ubbelohde-Schule in Goßfelden, Menschenleben in Gefahr‘. Und dann werden wir sehen, wie es läuft“, sagt er.

Kurz darauf ertönt der Sirenenalarm in Goßfelden. Drei Minuten später sind Martinshörner zu hören – zwei Rettungswagen rasen auf die Schule zu, dicht gefolgt von den ersten Feuerwehrwagen. Feuerwehrleute und Sanitäter stürmen auf den Schulhof. Dort erwartet sie nur ein „Hausmeister“, in Wirklichkeit ein Mime vom Jugendrotkreuz Gladenbach-Weidenhausen. „Hier wird nicht durchgerannt, ich habe gerade frisch gekehrt“, blafft er die Retter an. Von einem Feuer wisse er nichts, „vielleicht war ja ein Unfall auf der Bundesstraße“, versucht er, die Retter aufs Glatteis zu führen.

Die lassen sich aber nicht beirren, suchen weiter nach dem Brandherd, entdecken schließlich Rauch im rückwärtigen Teil der Schule. Die Wasserversorgung wird aufgebaut. Unter Atemschutz rücken diverse Trupps in die zwei total verqualmten Treppenhäuser vor.

Zwischenzeitlich ist auch die Drehleiter aus Wetter eingetroffen. Die Wetteraner „löschen“ das Gebäude von außen, während für die Lahntaler Kameraden das Lagebild klarer wird: Es hat eine Verpuffung in einem Ofen im Obergeschoss gegeben, fünf Personen werden vermisst, sind wohl eingeschlossen.

Die Feuerwehrleute kämpfen sich durch das Gebäude vor. Und das ist wirklich total verraucht: Die angeschlossenen Nebelmaschinen haben ganze Arbeit geleistet, man sieht die Hand vor Augen nicht. Nach etwa 20 Minuten ist der erste Vermisste gefunden: Die Retter bringen Alexander Mundt aus dem Gebäude. Er stammt ebenfalls vom Jugendrotkreuz und wurde so geschminkt, dass für die Sanitäter klar ist: Der Mann hat eine schwere Rauchgas-Vergiftung erlitten. Dementsprechend wird er auch von den Rettungswagen-Besatzungen und vom Notarzt behandelt.

Kurz darauf finden die Feuerwehrleute zwei Opfer: Sie tragen zwei Dummies aus dem Gebäude – für sie kam jede Hilfe zu spät, sie konnten nur tot geborgen werden. Ebenso wie ein Kinder-Dummy wenig später.

Ein weiterer Trupp hat derweil Jannik Pelzel gefunden: Er hat Verbrennungen an Armen und Brust erlitten. Täuschend echt sehen die Brandwunden aus, die dem Mimen geschminkt wurden. „Ahhhh, meine Arme, mein Bauch“, schreit er immer wieder, während die Feuerwehrleute ihn auf einer Trage zu den Sanitätern bringen.

Die Retter überwinden die „Chaos-Phase“ sehr schnell

Die lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Der Notarzt spricht den Verletzten immer wieder an: „Wie heißen Sie, wo tut es weh, haben Sie sonst noch wo Schmerzen, was ist passiert“ – routiniert wird der junge Mann versorgt und abtransportiert. Als alle Personen – lebendige und Dummies – aus der Schule geschafft wurden, melden die Wehren kurze Zeit später „Feuer aus“. Rund eine Stunde hat der „Einsatz“ gedauert.

Es geht zur Nachbesprechung in die Lahnfelshalle. Denn die Übung fand unter den wachsamen Augen unter anderem von Kreisbrandinspektor Lars Schäfer statt. Sein Fazit: „Am Anfang gibt es bei jedem Einsatz eine Chaos-Phase. Und die habt ihr schnell überwunden. Ich ermuntere euch, so weiter zu machen.“ Auch die Tatsache, dass das DRK mit dabei gewesen sei, ist für Schäfer „gut, wichtig und richtig“, so könne man das Zusammenspiel perfektionieren.

Auch Bürgermeister Manfred Apell zollte vor Ort „seinen“ Wehren und den Kameraden aus Wetter Lob: „Es war eine gute Übung, die mir supergut gefallen hat. Sie zeigt, wie gut wir aufgestellt sind. Wir befinden uns auf dem richtigen Weg - und den setzen wir fort.“ Wie wichtig das ist, zeigte sich schon am nächsten Morgen. Da hieß es für die Kameraden zum Ernstfall in Kernbach ausrücken.

von Andreas Schmidt

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