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Im Dorf voll integriert und auch respektiert

Ullmannshof in Amönau Im Dorf voll integriert und auch respektiert

Die Rehabilitationseinrichtung „Ullmannshof“ für Menschen mit Suchterkrankungen arbeitet seit 30 Jahren mit dem stationären Angebot, seit 20 Jahren werden Abhängige auch ambulant in der eigenen Wohnung betreut.

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Auf einer Leinwand gaben Gäste wie Bewohner ihrem Leben künstlerischen Ausdruck. Betreuer Thomas Marquard und Reinhard Thelmig nutzten die Möglichkeit.

Quelle: Martina Koelschtzky

Amönau. Mit ihrem besonderen Angebot schafften es die Mitarbeiter auf dem Ullmannshof, Menschen, die in eine Sackgasse geraten seien, zurück auf den Weg zu bringen, lobte der Erste Kreisbeigeordnete Karsten McGovern bei der Eröffnung des Hoffestes die Einrichtung.

Die kleine Einrichtung mit 15 Plätzen und 32 ambulant betreuten Klienten sei eine Besonderheit, zumal es immer schwieriger werde, für unkonventionelle Ansätze eine Finanzierung zu bekommen, betonte er. Insbesondere das Feld der beruflichen Orientierung, das auf dem Hof mit eigener Werkstatt großgeschrieben werde, falle aus den üblichen Förderstrukturen heraus. Dennoch gebe es Möglichkeiten und die Zusammenarbeit mit dem KreisJobCenter und der Arbeitsagentur funktioniere gut. Der Ullmannshof und seine Bewohner seien in den Ort integriert und es sei eines der besonderen Ziele, den Klienten den Rücken zu stärken, sagte er. Das Rückgrat war auch das Thema eines kleinen Theaterstückes, das zwei Bewohner geschrieben und aufgeführt haben. Die Bewohner hatten auch das ganztägige Fest bestens organisiert, es gab ein kaltes und warmes Buffet, eine - natürlich alkoholfreie - Cocktail-Bar und eine Tombola mit Produkten des Hofes als Gewinne.

„Wir bringen die Klienten in das soziale System zurück“, erklärte die Leiterin des Ullmannshofes, Christina Stremel. Der vor 30 Jahren von der Selbsthilfeinitiative IGEA (Interessengemeinschaft ehemaliger Alkoholabhängiger) gegründete Hof sowie die ambulante Betreuung werden seit vier Jahren von einer Tochtergesellschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes getragen.

Die Klienten werden nach einer Entgiftung aufgenommen, das Ziel ist die soziale und berufliche Wiedereingliederung, erklärte sie. „Die meisten müssen erst wieder lernen, einen ganz normalen Alltag zu organisieren“, sagte sie. Eine Hauswirtschaftsmeisterin steht für das Erlernen der alltäglichen Aufgaben zur Verfügung, ein Schreinermeister leitet die hauseigenen Holzwerkstatt, psychologische und pädagogische Fachkräfte übernehmen die stationäre wie ambulante Betreuung.Die Klienten kommen aus allen Bevölkerungsschichten, berichtete Stremel weiter. „Wir haben Menschen von der Straße ebenso betreut wie Akademiker oder Wohlsituierte, die ihren Aufenthalt hier selbst bezahlen“, sagte sie.

Suchterkrankungen: Frauenanteil nimmt zu

Neue Herausforderungen gebe es derzeit vor allem durch den wachsenden Frauenanteil unter den Menschen mit Suchterkrankungen, berichtete sie. „Frauen finden schwerer den Raum, etwas für sich selbst zu tun, weil sie immer als erstes an ihre Familie denken.“ Deshalb arbeite man derzeit am Ausbau eines Eltern-Kind-Modells, bei dem neben Besuchen der Kinder in Einzelfällen auch eine gemeinsame Aufnahme von Mutter und Kind möglich gemacht werden soll. Neu sind seit Jahresbeginn zwei Therapiehunde im Haus, was von den Klienten sehr gut angenommen werde, freute sie sich.

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