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Hohe Schulden und große Hoffnungen

Münchhausens Haushalt Hohe Schulden und große Hoffnungen

Finanziell gesehen ist Münchhausen arm dran. Doch die kleine Gemeinde ganz im Norden des Landkreises bleibt stark durch den ehrenamtlichen Einsatz ihrer Bürger und den Zusammenhalt in der Kommunalpolitik.

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Niederasphe. Es gibt schon seit einigen Jahren keine ausgeglichenen Haushalte mehr in Münchhausen. Ausgenommen das Jahr, in dem die neuinstallierten Blitzer entlang der B 252 der Gemeinde einen Geldregen beschert hatten. Und auch im kommenden Jahr werden die Aufwendungen die Erträge übersteigen - um rund 546000 Euro. Bürgermeister Peter Funk (parteilos), der der Münchhäuser Gemeindevertretung am Dienstagabend im Dorfgemeinschaftshaus Niederasphe den Haushaltsentwurf 2014 vorstellte, gibt die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht auf. Vor dem Parlament sprach er über die erfolgreiche Klage der Stadt Alsfeld gegen das Land Hessen und über die Überarbeitung des Kommunalen Finanzausgleiches bis 2016. Ab dann könnte Vieles besser werden für die Städte und Gemeinden, ab dann könnte wieder mehr Geld vom Land bei den Kommunen ankommen - oder die Gemeinden müssten erst gar nicht mehr so hohe Umlagen an das Land zahlen und behielten selbst mehr von ihrem Geld.

Gemeinde investiert trotz Schulden

Das ist der Silberstreif am Horizont. Bis dahin heißt es Durchhalten - in Münchhausen und in vielen anderen Gemeinden in Hessen, denen es ähnlich geht. Was dabei hilft, sei die hervorragende Einsatzbereitschaft der Bürger für ihre Dörfer, betonte Funk. Und die stellvertretende Gemeindevertretungs-Vorsitzende Karin Lölkes (CDU) hob später hervor, dass es auch auf den Zusammenhalt in der Kommunalpolitik ankomme. „Bei uns funktioniert das, und ich bin froh, dass wir hier fraktionsübergreifend zusammenarbeiten und uns nicht so angehen, wie das mancherorts so üblich ist“, sagte Lölkes.

Trotz Schulden - die Gemeinde investiert im kommenden Jahr. Die größten Beträge entfallen auf die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses Wollmar (137000 Euro) und auf die Beteiligung an der Energiegenossenschaft Münchhausen durch die Photovoltaikanlage Oberasphe (100000 Euro). 47600 Euro sind für die Sanierung einer Mauer in Wollmar vorgesehen, 25000 Euro für die Löschwasserzisterne Simtshausen. Und der größte Anteil der Investitionen, 40,8 Prozent, fließt mit rund 310000 Euro in den Schuldendienst. Die Gemeinde Münchhausen gestaltet ihre Gebührenhaushalte auch im kommenden Jahr kostendeckend - so wie es Pflicht ist für die Gemeinden, die defizitäre Haushalte haben. Ausgenommen von dieser Regelung ist die Kinderbetreuung. Der Deckungsgrad in Münchhausen liegt bei 6,2 Prozent (im Vorjahr waren es noch 6,6 Prozent). Das bedeutet, dass die Gemeinde für die Kinderbetreuung im Jahr 2014 einen Fehlbetrag von fast 548000 Euro ausweisen muss. Funk führte die Kostensteigerung unter anderem auf das neue Kinderförderungsgesetz zurück, durch das höhere Personalschlüssel zugrunde gelegt werden müssen.

Bürgerhäuser bereiten weiterhin Sorgen

Im Teilhaushalt für die Wasserversorgung erreichen die Münchhäuser einen Überschuss von fast 48000 Euro. Im Gebührenhaushalt für die Abfallwirtschaft fehlt der geringfügige Betrag von 250 Euro, womit auch dieser Teilbereich als ausgeglichen betrachtet wird.

Im Friedhofs- und Bestattungswesen fährt die Gemeinde, trotz deutlicher Gebührenerhöhungen, weiterhin ein dickes Minus ein. Der Deckungsgrad liegt laut Funk bei knapp 19 Prozent - im Haushalt ist ein Fehlbetrag von 56000 Euro ausgewiesen.

Über das Thema Friedhofsgebühren müsse das Parlament sich erneut Gedanken machen, kündigte Funk an und stieß bereits vorsichtig eine künftige Diskussion an über die lange Nutzungszeit von 40 Jahren - so lange gilt in Münchhausen die Ruhefrist. Sorgenkinder bleiben auch die Bürgerhäuser, für die die Gemeinde mit einem Fehlbetrag von fast 152000 Euro im kommenden Jahr kalkuliert. „Aber wir kriegen das gemeinsam hin“, sagte Funk, der mit den Gemeindevertretern und den Bürgern Lösungen für eine Zukunft der Gemeinschaftshäuser erarbeiten will, damit diese vor allem für so rege Nutzer wie die Vereine, erhalten bleiben können.

Im Bericht zum Haushalt betrachtet Funk die demografische Entwicklung seiner Gemeinde und verdeutlicht am Beispiel der Kreisumlage, dass eine abnehmende Anzahl von Gebührenzahlern steigende Fixkosten zu tragen hat. Während die Münchhäuser pro Kopf für die Kreis- und Schulumlage im Jahr 1994 noch 210 Euro aufbringen mussten, sind es heute 469 Euro. Eine Entwicklung, die nicht nur nur in Münchhausen, sondern auch in vielen anderen ländlichen, strukturschwachen Gemeinden mit rückläufigen Einwohnerzahlen noch viele Fragen aufwerfen wird.

von Carina Becker

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