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Landwirte unterstützen die Feuerwehr

Güllefässer im Einsatz Landwirte unterstützen die Feuerwehr

In den Ortsteilen der Gemeinde Münchhausen haben angesichts der akuten Gefährdungslage insgesamt etwa zehn Landwirte, von denen mehrere Feuerwehrleute sind, Güllefässer mit Wasser für den Brandfall gefüllt. Das berichtete Jens Dörscheln, Sprecher der Feuerwehr. Die Fässer kamen bereits zum Einsatz.

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Landwirt Jan Hendrik Lölkes hat seinen Schlepper mit angehängtem Güllefass vorübergehend am Feuerwehrhaus abgestellt, um im Bedarfsfall zusätzliches Löschwasser zu einem der derzeit häufigen Flächenbrände bringen zu können.

Quelle: Manfred Schubert

Münchhausen. Extreme Situationen erfordern manchmal ungewöhnliche Maßnahmen. Jens Dörscheln, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Münchhausen, ist seit 20 Jahren Feuerwehrmann. „Ich kann mich nicht erinnern, dass in dieser Zeit die Lage in der Gemeinde so angespannt war wie jetzt“, sagte er mit Blick auf die vielen Brände auf landwirtschaftlichen Flächen, die die Feuerwehren Münchhausens und fast überall im Landkreis seit einer Woche immer wieder fordern.

Landwirt gehört der Feuerwehr an

Hitze und Trockenheit haben das Brandrisiko anwachsen lassen. Ursache können Unachtsamkeit wie weggeworfene Zigaretten oder Glasflaschen sein, aber nicht nur. Bei den angelaufenen Erntearbeiten – begonnen wurde mit der Wintergerste – kann es zu Funkenschlägen kommen, wenn beispielsweise­ ein Mähdrescher auf Steine trifft, erklärte Jan Hendrik Lölkes. „Erst gestern Abend habe ich beim Dreschen einen kleinen Brand bemerkt, den ich aber noch austreten konnte“, berichtete der Vollerwerbslandwirt aus Oberasphe, der selbst der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr angehört.

Als solcher weiß er um die Problematik der Löschwasserversorgung auf landwirtschaftlichen Flächen. Oft ist das nächste Gewässer weit entfernt, von einem Hydranten gar nicht zu reden. Kurzerhand hat er ein älteres Güllefass, das etwa 3 500 Liter fasst, ausgespült, an einen Schlepper gehängt, der ohnehin in drei Wochen verkauft werden soll, und das Gespann neben das Feuerwehrhaus gestellt.

Ronzheimer hat schlechte Erinnerung an ein Güllefass

Der Schlüssel liegt im Gebäude bereit, so dass es auch ­genutzt werden kann, falls er selbst nicht da ist. Zudem hat Lölkes einen passenden Adapter angeschweißt, um einen Feuerwehrschlauch zur Wasserentnahme schnell direkt ans Güllefass anschließen zu können.

Außerdem habe der Ortslandwirt Stefan Groß ein weiteres, 12.000 Liter fassendes Fass gefüllt und bereitgestellt. In den Ortsteilen der Gemeinde hätten angesichts der akuten Gefährdungslage insgesamt etwa zehn Landwirte, von denen mehrere Feuerwehrleute seien, Güllefässer durchgespült und mit Wasser für den Brandfall gefüllt, berichtete Jens Dörscheln. Genutzt wurden einige bereits am Montag bei der Bekämpfung des Flächenbrandes bei Münchhausen, wobei acht bis zehn ­Kubikmeter Wasser verbraucht wurden.

Stadt Wetter hat 13.000 Liter Löschwasser

Zugleich verwies er darauf, dass dies eine Ausnahmesituation sei und nun keiner auf die Idee kommen sollte, Güllefässer­ für die Feuerwehren anzuschaffen. „Diese sind kein Ersatz für Feuerwehrfahrzeuge“, stellte­ er klar. Und nicht wirklich ­eine ­billige Alternative, erklärte Jan Hendrik Lölkes: „Ein großes, moderne Güllefass, dass 18.000 Liter aufnimmt, kostet etwa 100.000 Euro.“ Und dann braucht man noch einen Schlepper.

Stadtbrandinspektor: Kein Ersatz

In der Nachbarstadt Wetter stehen bislang keine Güllefässer als Löschwasserreserven bereit, erklärte Stadtbrandinspektor Stefan Ronzheimer auf OP-Nachfrage, der ebenfalls meinte, sich an keine solche Häufung von Flächenbränden in den vergangenen 20 Jahren erinnern zu können. Zum einen hätten die Feuerwehrfahrzeuge aller Stadtteile zusammen fast 13.000 Liter Löschwasser auf Achsen, zum anderen gebe es ein Kreiskonzept, um sich im Bedarfsfall ­gegenseitig unterstützen zu können. Landwirtschaftliche­ Geräte könnten keine Feuerwehrausrüstung ersetzen, er ­sehe das kritisch und keinesfalls als Alternative.

Zudem erinnerte er sich mit Schaudern an einen früheren Einsatz, als tatsächlich einmal Wasser aus einem nicht gesäuberten Güllefass entnommen wurde und er dann in dem stinkenden Sprühnebel gestanden hatte.

von Manfred Schubert

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