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Goethe und Schiller schwätzen platt

Mellnaus sprechender Rundwanderweg Goethe und Schiller schwätzen platt

Es ist der wohl einzige sprechende Rundwanderpfad weit und breit. Das Mellnauer Gemeindearchiv holt deutsche Dichter und Denker auf den Kuckucksweg.

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Armin Völk, Vorsitzender des Mellnauer Gemeindearchivs, hält eine der Sprachboxen in den Händen, aus denen die Wanderer auf dem Kuckucksweg demnächst Verse in original Mellnauer Platt hören werden.

Quelle: Carina Becker

Mellnau. Ob Joseph von Eichendorff, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller oder auch Wilhelm Busch: Sie alle sind ab Sonntag, 5. August, auf dem Kuckucksweg zu hören - in Mellnauer Platt und auf Knopfdruck.

Das Mellnauer Gemeindearchiv installiert bereits zum vierten Male seine Sprachboxen auf dem Rundwanderweg. Diesmal nach dem Motto: „Deutsche Dichter und Denker“. „Das war gar nicht so leicht umzusetzen“, erklärt Gemeindearchiv-Vorsitzender Armin Völk: „Die Verse müssen zum Dialekt passen - und es gibt immer nur 20 Sekunden Sprechzeit, das heißt, es muss schnell gehen.“

„Platt ist Kür“

Geeignete Auszüge fanden sich beispielsweise in Eichendorffs „Der wandernde Student“ - für Dialektkundige ist der Inhalt leicht zu erfassen, andere müssen vielleicht zweimal hinhören, bis sie alles verstanden haben. Und das ist auch Sinn und Zweck der Sache: „Unser Dialekt ist vom Aussterben bedroht, und wir wollen ihn lebendig halten“, sagt Armin Völk und berichtet, dass die jüngere Generation in Mellnau - so wie auch in vielen anderen Dörfern - was den Dialekt angeht, so ein bisschen außen vor ist. Man versteht, was da gesprochen wird, beherrscht es aber nicht, selbst Dialekt zu sprechen.

Startpunkt ist das Tretbecken. Um 13 Uhr geht die Eröffnungswanderung auf dem Kuckucksweg am 5. August los. Reichlich spät im Jahr, was so ursprünglich nicht geplant war. „Wir hatten mit der Technik zu kämpfen“, erklärt Armin Völk: Die bis zu zwölf Sprachboxen, aus denen die Verse zu hören sein werden, bestehen aus einem hölzernen Kuckucks-Vogelhäuschen, darin befindet sich jeweils ein elektronisches Sprachmodul in einer leeren Erdnussdose. „Die Häuschen sind den Witterungsverhältnissen ausgesetzt, was einen gewissen Verschleiß mit sich brachte - und es hat dann länger gedauert, alles zu erneuern“, berichtet der Vorsitzende.

Mit etwa zehn aktiven Mitgliedern hat das Gemeindearchiv die Sprachmodule neu besprochen. Verteilt auf dem Kuckucks-pfad finden die Vogelhäuschen nun rund um die Burg inmitten der wunderschönen Mellnauer Landschaft ihren Platz. Und dann können die Wanderer und Spaziergänger kommen und den Worten der Dichter lauschen - und dabei am besten selbst noch ein bisschen Mellnauer Platt lernen. Denn: „Hochdeutsch ist Pflicht, Platt ist Kür“, stellt Armin Völk klar.

von Carina Becker

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