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Gibt es bald Wiedersehen mit Ehefrau?

Sechs Jahre nach der Abschiebung Gibt es bald Wiedersehen mit Ehefrau?

Christopher Kpakou darf nach langen Jahren der Trennung darauf hoffen, in einer nicht allzu langer Zukunft seine Ehefrau und sein noch minderjähriges Kind Panajotis in die Arme schließen zu dürfen.

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Wiltrud Lambinet-Potthoff (von links) mit Geldspenderin Juditha Klink, Christopher Kpakou, Dora Dimitroulia und Ursula Schlung-Muntau.

Quelle: Götz Schaub

Cölbe. Im September werden es sechs Jahre, dass Christopher Kpakou seine Frau Rejoise de Souza und seine Kinder nicht mehr gesehen hat. Sie wurden damals nach Geschlechtern getrennt alle in ihr Heimatland abgeschoben, einzig der Familienvater blieb zurück, weil er aus gesundheitlichen Gründen den Flug nicht antreten konnte. Seither lebt er hier allein. Sein Gesundheitszustand schloss aus, dass er zu einem späteren Zeitpunkt abgeschoben werden konnte. Abgesehen davon, dass Christopher Kpakou weiterhin davon überzeugt war, aufgrund seiner politischen Vergangenheit in Togo um sein Leben fürchten zu müssen, war auch davon auszugehen, dass er in seiner Heimat keineswegs die nötige medizinische Versorgung erhalten könne wie hier.

Nun 2012, gibt es Neuigkeiten. Wiltrud Lambinet-Potthoff aus Weimar und die Marburgerin Dora Dimitroulia, die seit vielen Jahren das Schicksal der Familie begleiten und 2006 den Unterstützerkreis ins Leben riefen, sind nach allen Erlebnissen in den vergangenen Jahren noch verhalten optimistisch, aber doch voller Freude, dass nun endlich eine ernsthafte Chance besteht, dass Christopher seine Ehefrau wiedersehen kann und darf.

Ursula Schlung-Muntau, eine Fachanwältin für Familienrecht aus Frankfurt kämpfte für die Familie Kpakou in einem Verwaltungsstreitverfahren gegen den Landkreis Marburg-Biedenkopf. Im März dieses Jahres wurde „zur gütlichen Beilegung des Rechtsstreits“ vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof ein Vergleich vorgeschlagen, dem beide Seiten zustimmten.

Ursula Schlung-Muntau: „Damit ist der langwierige Rechtsstreit, bei dem es um die Befristung der Wirkung der Abschiebung von Frau de Souza sowie den Kindern Kekeli Panajotis und Richard Kpakou geht, beender.“ Die Rechtsanwältin weiter: „Mit diesem Vergleich wäre, jedenfalls wegen der Abschiebung ein Antrag auf zumindest Besuchsaufenthalt der Familienmitglieder nicht mehr abzulehnen.“

Einer Wiedereinreise der Ehefrau als Besucherin stand lange Zeit die Summe von knapp 40000 Euro entgegen. Das waren die Kosten für die Abschiebung der Familie gewesen, die vor einer Wiedereinreise beglichen werden mussten.

Spende soll berufliche Existenz in Afrika sichern

„Das ist jetzt alles vom Tisch“, freut sich Wiltrud Lambinet-Potthoff. Eine geänderte Rechtslage mit der Neufassung des Paragrafen elf des Aufenthaltsgesetzes in der Fassung vom 26. November 2011 macht es möglich. Eine längere Trennung von direkten Familienangehörigen als fünf Jahre sei nur zulässig, wenn von den Personen eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgehe oder es zu einer strafrechtlichen Verurteilung gekommen sei. Konkret stehe jetzt erst einmal ein Besuch der Ehefrau und des noch minderjährigen Kindes an erster Stelle, so die Meinung des Unterstützerkreises. Christopher Kpakou schwebt indessen auch nicht mehr im statuslosen Raum. „Er hat einen Status und damit Bleiberecht“, sagt Dora Dimitroulia.

Derweil wird aber auch nicht das Schicksal der bereits erwachsenen Kinder der Familie vergessen. Und auch sechs Jahre nach der Abschiebung gibt es viele Leute im Landkreis, die an die Kpakous denken. So auch Juditha Klink aus Kirchvers, die sich zu ihrem Geburtstag von ihren Gästen Geld schenken ließ. Dabei kamen 500 Euro zusammen, die sie selbst verdoppelte. „So sind es 1000 Euro geworden, mit denen ich helfen kann“, sagt sie bei einem Treffen mit dem Unterstützerkreis. Das Geld soll zwei Mädchen der Familie helfen, sich eine berufliche Existenz in Ghana oder Togo aufzubauen. Die eine hat Friseurin gelernt, die andere ist Schneiderin.

von Götz Schaub

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