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Nordkreis Getrennte Welten: Keine Einigung in Wetter
Landkreis Nordkreis Getrennte Welten: Keine Einigung in Wetter
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18:22 09.01.2013
Oberrosphe

Die Enttäuschung bei den Verfechtern des Oberrospher Vorhabens war groß - und auch Bürgermeister Kai-Uwe Spanka war am Ende alles andere als zufrieden. „Ich hatte gehofft, dass mein Widerspruch Erfolg hat“, sagte er nach der mehr als zweistündigen Sondersitzung in der Stadthalle Wetter. Doch das Parlament hielt nach ausführlicher Debatte an seiner Entscheidung aus der Dezembersitzung fest - kein Aufkauf des ehemaligen Raiffeisengebäudes in Oberrosphe, damit auch kein Umzug und keine Erweiterung des Kindergartens um eine U-3-Gruppe.

Ein Zuschuss des Landes in Höhe von 90000 Euro, der für den Ausbau der Kleinkinder-Betreuung bis spätestens heute hätte abgerufen werden müssen, verfällt nun. Die Aussicht, dass Oberrosphe einen sechsstelligen Betrag für den Umbau des früheren Raiffeisenlagers aus der Dorferneuerung bekommen könnte und so Leerstand vermieden werden kann, ist ebenfalls dahin. Und zwei Probleme, die durch das Projekt behoben werden sollten, bestehen weiterhin: Es fehlen zehn U-3-Betreuungsplätze in der Kommune Wetter - und in Oberrosphe fehlt es im bestehenden Kindergartengebäude mit seinen nur 35 Quadratmetern bei 20 Kindern an Platz.

„Charmante“ Idee ohne Mehrheitsfähigkeit

Durch das Oberrospher Projekt mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen - so warben Bürgermeister Spanka und Stadtverordnetenvorsteher Nils Jansen, zugleich Ortsvorsteher von Oberrosphe, für das Vorhaben. Sie sprachen von einer „charmanten Lösung“.

Doch in Wetter gibt‘s geteilte Welten und unterschiedliche Wahrheiten. Trotz des bereits gesicherten 90000-Euro-Zuschusses und der Aussicht auf hohe Fördermittel aus der Dorferneuerung - die auf 500000 Euro geschätzten Gesamtkosten und vor allem die Folgekosten, die durch einen Kindergarten mit nur einer Gruppe auf die hoch verschuldete Stadt zukämen, schreckten die Gegner des Vorhabens ab. Auch, dass die Zahl der Geburten rückläufig sei und ohnehin über kurz oder lang schon Auflösungen beziehungsweise Zusammenlegungen von Grundschulen und Kindergärten drohten, wie CDU-Fraktionsvorsitzender Volker Drothler ausführte.

Schon im Dezember hatten CDU, Grüne, Linke und FDP gegen das Vorhaben gestimmt, die SPD dafür - und nach der neuerlichen Beratung am Dienstagabend blieb es dabei. Lediglich Erich Gärtner (SPD) wechselte noch die Seiten - und bei der CDU enthielt sich Werner Kahler seiner Stimme.

So wie das Parlament teilten sich auch die Zuhörer in zwei Lager auf. Rund 60 Bürger verfolgten die Sitzung und unterstützten mit Applaus und Zurufen die Redner, die in ihrem Interesse argumentierten. Die eine Seite setzte sich dabei überwiegend aus Oberrosphern zusammen, die andere unter anderem aus Mitarbeiterinnen der evangelischen Kindertagesstätte „Arche“. Die Fakten, die von Bürgermeister und Parlamentariern ins Feld geführt wurden, waren dabei im Wesentlichen jene Informationen, die schon aus der Dezembersitzung bekannt waren. Für die SPD und den Magistrat waren dies genügend Infos, um für das Oberrospher Projekt zu stimmen, für den Rest des Parlaments zu wenig.

Neben dem Schlagabtausch rund um die Finanzierungsfrage gab‘s weitere Kriegsschauplätze, auf denen zumeist Kämpfe und Kämpfchen rund um das Verhältnis zwischen Bürgermeister und evangelischer Kindertagesstätte „Arche“ sowie um persönliche Gekränktheiten ausgetragen wurden. CDU-Fraktionsvorsitzender Volker Drothler nahm es dem Bürgermeister übel, dass dieser gesagt habe, er sehe das Wohl der Stadt durch den Parlamentsbeschluss gegen Oberrosphe gefährdet.

Spankas Idee: U-3-Gruppe auch für die „Arche“

Spanka nahm es der „Arche“ übel, dass diese sich an die Fraktionsvorsitzenden gewandt habe, „um Stimmung zu machen“. Und gleich mehrere Parlamentarier nahmen es dem Bürgermeister übel, dass dieser die Akzeptanz einer Krabbelgruppe in der konfessionellen Einrichtung „Arche“ für fraglich erklärt habe. „Das ist ein Hammer“, sagte dazu beispielsweise Grünen-Parlamentarier Klaus Gerber.

Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf weitere Kritik Spankas an der Kita „Arche“ mag eine Ankündigung, die der Bürgermeister zu Beginn der Sitzung machte, überrascht haben. Spanka bot als „Kompromiss“ an, die Einrichtung einer weiteren U-3-Gruppe in der „Arche“ zu veranlassen, wenn das Oberrospher Projekt auf den Weg gebracht werde. Klaus Gerber bezeichnete dies indirekt als „Erpressung“.

SPD-Vorsitzender Harald Althaus bedauerte die Entscheidung gegen das Oberrospher Projekt. Zugleich stellte er klar, dass seine Fraktion sich von den „Aussagen des Bürgermeisters zur Qualität der Betreuung in der Arche“ distanziere.

Nach der Entscheidung gegen das Projekt liegen neue Aufgaben vor der Stadt - sie muss eine Lösung für das Platzproblem im Kindergarten in Oberrosphe finden und zugleich in kurzer Zeit einen neuen Ansatz finden, um zehn fehlende U-3-Betreuungsplätze einzurichten - die gesetzliche Mindestverordnung schreibt es so vor. Vielleicht geschieht dies dann in der „Arche“, wo ein entsprechender Umbau einer Einschätzung des Gesundheitsamts Marburg-Biedenkopf zufolge für 15000 Euro möglich sein soll, worauf die Gegner des Oberrospher Projekts am Dienstagabend verwiesen.

von Carina Becker

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