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Geistliche Weisheit, weltliche Einsicht

Lama Dolpo Tulku Geistliche Weisheit, weltliche Einsicht

Die Fragen an Dolpo Tulku, einem buddhistischen Meister in der nepalesischen Provinz Dolpo, wollten kein Ende nehmen. Der Besuch des spirituellen Lehrers in der ehemaligen Synagoge in Wetter stieß auf großes Interesse.

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Der Lama Dolpo Tulku wurde vor 30 Jahren als Hirtenjunge Sherap Zangpo geboren. Heute trägt er die Verantwortung für die Menschen in einer der abgeschiedensten Gegenden Nepals. In Wetter sprach er über Verantwortung, Glück und Komfort.

Quelle: Simone Schwalm

Wetter. Beinah schüchtern wirkte Dolpo Tulku, buddhistischer Lama aus Nepal, als er sich dieser Tage die vielen Fragen der rund 50 Besucher in der ehemaligen Synagoge ins Tibetische übersetzen ließ.

Der junge Mann ist erst Anfang 30 und trägt als religiöses Oberhaupt die Verantwortung für die tiefgläubigen Menschen im Dolpo, einer der abgeschiedensten und ärmsten Gegenden der Welt im Nordwesten Nepals. Er gilt als Wiedergeburt des dritten Dolpo, eines früheren buddhistischen Meisters.

Die erste Frage aus dem Publikum lautete daher, wie er es schaffe, sich um die spirituelle und materielle Entwicklung des Dolpo und seiner Bewohner, der Dolpopas, zu kümmern.

Schon als Zehnjähriger wollte er Mönch werden

Dolpo Tulku, der als Hirtenjunge Sherap Sangpo geboren wurde, berichtete, dass es für ihn anfangs schwierig gewesen sei, diese Verantwortung zu übernehmen, doch leichter wurde es mit der Feststellung, dass er aufgrund seiner Position helfen könne und teilweise mehr Einfluss auf die Bewohner habe als die Politiker. Trotzdem frage er sich immer wieder, ob er dieser Aufgabe gerecht werden könne.

Bereits im Alter von zehn Jahren traf er die Entscheidung, Mönch zu werden. Mit einem verschmitzten Lächeln verglich Tulku diesen Wunsch mit einem Kind, dem ein Stück Schokolade hingehalten wird und das gar nicht lang darüber nachdenkt, sondern es einfach isst: „Ich wusste noch gar nicht viel vom Buddhismus und dem Mönchsdasein, ich wollte es einfach.“

Über den spirituellen Lehrer wurde bereits ein Dokumentar-Film gedreht: „Dolpo Tulku - Heimkehr in den Himalaya“. Den Besuchern in der ehemaligen Synagoge wurde er ausschnittweise gezeigt. Im Anschluss nutzten sie die Gelegenheit, ihm Fragen zu stellen, die Daniela Hartmann, Regieassistentin und Co-Autorin, übersetzte. Das Interesse reichte von religiösen über politischen Fragen zu rein pragmatischen, wie etwa die Finanzierung der Klöster oder die Weideverteilung der unterschiedlichen Clans für deren Kühe.

Doch auch kritische Fragen wurden gestellt, etwa im Bezug auf eines seiner Anliegen, für eine bessere Schulbildung zu sorgen. Eine Besucherin gab zu bedenken, dass damit die Gefahr einer Abwanderung aus der Region bestehe. Tulku versteht Bildung allerdings als Hilfe, um Informationen nachvollziehen und erklären zu können, wie etwa die Folgen der Globalisierung, die nicht spurlos an der nepalesischen Provinz vorbei gehen.

Mehr Ruhephasen und ein übersichtlicheres Leben

Eine andere Zuhörerin wollte wissen, ob Tulku die Menschen in Deutschland oder die Dolpopas als glücklicher empfinde. Der Lama erklärte, die Menschen in den entwickelten Ländern lebten zwar komfor-tabler, wirkten aber angestrengter und müder, wofür er die Wettbewerbsgesellschaften verantwortlich machte. Im Dolpo herrsche dagegen mehr Übersichtlichkeit über das Leben und es gebe mehr Ruhephasen zwischen den Arbeitszeiten.Daher reist der buddhistische Lehrer regelmäßig durch Deutschland, hält Vorträge an Schulen und leitet Seminare, um zum Beispiel mit Meditation und Ratschlägen Stresskrankheiten vorzubeugen.

Für Tulkus spirituelle Weisheiten und weltlichen Einsichten zeigten sich die Besucher dankbar, indem sie dem Lama einen langen Applaus spendeten und auch noch nach der Veranstaltung, die der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Wetter organisiert hatte, seine Nähe suchten.

von Simone Schwalm

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