Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Für letzte Retourkutsche gibt‘s vier Monate auf Bewährung

Aus dem Amtsgericht Für letzte Retourkutsche gibt‘s vier Monate auf Bewährung

Nachdem er seine Habseligkeiten aus der ehemals gemeinsamen Wohnung geräumt hatte, soll ein 62-Jähriger aus einem Marburger Stadtteil seine Ex-Freundin dort absichtlich eingeschlossen haben. Er bestritt das, wurde aber dennoch verurteilt.

Marburg. Marburg. „Mein Eindruck ist, diese Aktion war Ihre letzte Retourkutsche“, sagte der Marburger Amtsrichter Dominik Best während seiner Urteilsbegründung. Der Angeklagte, ein 62-jähriger Mann, hatte vor Gericht entgegen der Anklage ausgesagt, er habe seine Ex-Freundin in ihrer ehemals gemeinsamen Wohnung in einem Lahntaler Ortsteil nicht absichtlich eingeschlossen.

Am Morgen des 4. Oktober vergangenen Jahres hatte der Angeklagte einen Wohnungsabnahmetermin mit dem Hausverwalter vereinbart. Der 62-Jährige gab an, das Treffen sollte zwischen 9 und 10 Uhr stattfinden. Da der Hausverwalter aus Gilserberg, jedoch nicht erschien und der Angeklagte zur Arbeit musste, habe er den Wohnungsschlüssel von außen in die Tür gesteckt. Der als Zeuge geladene Hausverwalter sagte jedoch aus, dass das Treffen erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgemacht gewesen sei.

Angeklagter weistdie Vorwürfe zurück

Auch die Aussagen des Angeklagten und der Geschädigten wichen voneinander ab. Die 48-Jährige Frau berichtete, sie habe ihrem Ex-Freund am Morgen die Tür geöffnet, um ihn in die Wohnung zu lassen. Er habe demnach gewusst, dass sie zu Hause war.

Nachdem er gegangen war, bemerkte die Frau, dass sie ihre Wohnung nicht mehr verlassen konnte, denn die Eingangstür war abgeschlossen und der Schlüssel steckte von außen. Dies bestätigte auch ein 40-jähriger Zeuge, der mit dem Hausverwalter zur Wohnungsabnahme gekommen war.

Ebenso widersprachen die Angaben des Angeklagten, warum er aus der Wohnung ausgezogen war, denen des Hausverwalters. Der Zeuge nannte Mietschulden. Der Angeklagte gab hingegen als Grund häufige Streitereien mit seiner Ex-Freundin an, „die zum Schluss auch immer mal wieder eskalierten“.

Wegen dieser Streitereien war der 62-Jährige neben Freiheitsberaubung auch der Bedrohung angeklagt.

Am 2. Oktober soll er der Geschädigten gedroht haben: „Ich schmeiß dich aus dem Fenster, dann kannst du nichts mehr sagen.“ Der Angeklagte wies auch diesen Vorwurf zurück. Seine Ex-Freundin habe das wohl aus verletztem Stolz gesagt: „Das ist wahrscheinlich ihre Art, mir noch einmal einen reinzudrücken.“

Der Richter war allerdings umgekehrt davon überzeugt, dass der Angeklagte der Geschädigten einen Denkzettel verpassen wollte, indem er sie absichtlich in ihrer Wohnung einschloss. Allerdings habe er nicht den Eindruck, dass der 62-Jährige ein böser Mensch sei, sondern unbeholfen mit Konfliktsituationen umgehe.

Ein Bewährungshelfersoll zur Seite stehen

Daher übernahm er den Vorschlag der Staatsanwältin von einer viermonatigen Freiheitsstrafe, die für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem muss er zwei Jahre lang monatlich 50 Euro an ein Marburger Frauenhaus zahlen.

Weil der Angeklagte bereits 19 Eintragungen im Bundeszentralregister hat, unter anderem wegen Diebstahls, Sachbeschädigungen, Körperverletzung und Nötigung, soll ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt werden, der ihn dabei unterstützt, in Konfliktsituationen adäquat zu reagieren und Lösungsstrategien zu erlernen.

von Simone Schwalm

Voriger Artikel
Nächster Artikel