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Nordkreis Ziel ist und bleibt ein Neubau am Ort
Landkreis Nordkreis Ziel ist und bleibt ein Neubau am Ort
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00:19 11.03.2019
Der Aldimarkt in Fronhausen. Die Firma möchte dort, wie auch anderenorts noch einmal neu bauen, um ihr neues Präsentations-Konzept umsetzen zu können. Quelle: Tobias Hirsch
Fronhausen

Die Verlagerung beziehungsweise der Neubau des im Gewerbegebiet Marburger Straße / Haydnstraße ansässigen Aldimarktes bedingt neben dem Entwurfs- und Offenlegungsbeschluss für den Bebauungsplan „Marburger Straße / Haydnstraße“ auch eine Änderung des Flächennutzungsplanes in dem Bereich. Entsprechend wurden im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange selbige angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten.

Auch konnten Privatpersonen Stellungnahmen formulieren. Das ganze geschah im vergangenen Jahr. Jetzt sind die eingegangenen Stellungnahmen ausgewertet beziehungsweise auch bearbeitet worden und liegen dem Fronhäuser Gemeindeparlament zur Beschlussfassung in der nächsten Sitzung am 21. März vor.

Dieser Beschluss ist aber noch nicht der bindende Satzungsbeschluss, viel mehr geht es dann noch einmal in eine zweite Offenlage, mit der Möglichkeit Stellungnahmen dazu abzugeben. „Ich bin eigentlich zuversichtlich, dass wir in der Sache weiterkommen“, sagt Fronhausens Bürgermeisterin Claudia Schnabel auf Nachfrage der OP. Sie geht Stand jetzt davon aus, dass im Sommer der Satzungsbeschluss gefasst werden kann.

Erweiterung würde Überangebot verschärfen

In der ersten Beteiligungsrunde sind schon einige Stellungnahmen aufgelaufen, die abgearbeitet werden müssen. Zum Teil ist dies schon geschehen, zum anderen Teil sind dafür – mit HessenMobil und der Wasserbehörde – schon die Termine gemacht worden.

Die Obere Landesplanungsbehörde beim Regierungspräsidium Gießen machte darauf aufmerksam, dass die zunächst angedachte Planung inklusive Neunutzung des jetzigen Aldis als Drogeriemarkt eine Erhöhung der Verkaufsfläche im Lebens- und Genussmittelbereich inklusive Getränke um 720 Quadratmeter ergeben hätte. Schon aktuell verfüge die Gemeinde Fronhausen über ein im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungszahl überdurchschnittliches Angebot an Verkaufsflächen im Bereich der Grundversorgung.

Die geplante Erweiterung von Verkaufsflächen würde dieses Überangebot weiter verschärfen und zu einer deutlichen Ausweitung des Einzugsbereichs über die Gemeindegrenzen hinaus führen. Die vorgelegte Planung widerspreche den Zielen der Raumordnung. Als Beispiel wurde aufgeführt, dass das Vorhaben in Fronhausen den Aldi-Standort Hachborn in der Nachbargemeinde Ebsdorfergrund schwäche, so dass dieser „akut“ von einer Schließung bedroht sei.

Ebsdorfergrund stimmt Planvorhaben nicht zu

Die Gemeinde Ebsdorfergrund machte ihrerseits deutlich, dass sie dem Planvorhaben nicht zustimmt. So widerspreche es dem städtebaulichen Integrationsgebot, dem Zentralitätsgebot sowie dem Kongruenzgebot. Die Kaufkraftbindung werde deutlich überschritten. Die Gemeinde Ebsdorfergrund hatte zuletzt selbst versucht, einen zweiten Lebensmittelmarkt in Dreihausen anzusiedeln, doch zerschlugen sich die Pläne.

Die Gemeinde Fronhausen hat ihrerseits auf die Eingaben reagiert und einen Abstimmungstermin mit der Oberern Landesplanungsbehörde des Regierungspräsidiums anberaumt. Dieser fand im Januar 2019 statt. Als Ergebnis wurde festgehalten, dass für die beiden Lebensmittelmärkte (Aldi und Rewe) die Verkaufsflächen differenziert festzusetzen sind, aufgeschlüsselt in Getränke und Lebensmittel.

Und: nach dem Auszug Aldis aus dem jetzigen Gebäude soll dort anders als geplant kein Drogeriemarkt einziehen können. „Um die Bedeutung des Plangebietes für die Grundversorgung der Gemeinde Fronhausen zu unterstreichen und das Kongruenzgebot zu beachten“.

Gemeinde Fronhausen sieht keine Problem

Da es sich bei dem Vorhaben lediglich um eine Vergrößerung eines bereits angesiedelten Markets handelt und der Drogeriemarkt zurückgenommen wurde, sieht die Gemeinde Fronhausen auch in Richtung Ebsdorfergrund keine Probleme mehr. „Aldis neues Konzept sieht zwar eine Vergrößerung der Märkte vor, was aber nicht mit einer Produkterweiterung gleichzusetzen ist. So sollen beispielsweise für ein besseres Einkaufen die Gänge breiter als bisher angelegt werden“, sagt Schnabel.

Auch zwei landwirtschaftliche Betriebe mit Tierhaltungen im Außenbereich hatten Stellungnahmen abgegeben. Die Gemeinde sieht für diese durch die vorliegende Planung keine Gefahr. Es werde keine Bebauung geben, die näher an einen landwirtschaftlichen Betrieb heranrückt als die bereits bestehende Bebauung.

Schnabel glaubt nicht, dass der Aldi Kaufkraft aus der Nachbargemeinde Ebsdorfergrund abzieht. Viel mehr würden Menschen aus Gießen kommen, um auch das Sortiment von Aldi-Nord zu nutzen. In Lollar befindet sich schließlich die Grenze mit den Aldi-Süd-Märkten.

von Götz Schaub