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Fraktionen wollen mehr mitreden

Bürgermeisterwahl Wetter Fraktionen wollen mehr mitreden

Die Wahl ist vorüber, Kai-Uwe Spanka bleibt Bürgermeister. Was sagen die Fraktionen zum Ergebnis? Und was erwarten sie vom Verwaltungschef in dessen dritter Amtszeit?

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Der alte und neue Bürgermeister nimmt am Wahlabend in der Stadthalle Gratulationen entgegen.

Quelle: Nadine Weigel

Wetter. Am Sonntagabend durfte Kai-Uwe Spanka (parteilos) noch feiern. Ab Montagmorgen ging es dann wieder an die Arbeit. Im Rahmen seiner Tätigkeit ist der Bürgermeister auf das Wohlwollen der Fraktionen im Stadtparlament angewiesen. Deren Vorsitzenden haben sich auf OP-Nachfrage zu Wahlausgang und ihren Erwartungen geäußert.Tenor: Die Zusammenarbeit des Bürgermeisters mit dem Parlament muss besser werden.

Spankas Ergebnis im Vergleich

Kai-Uwe Spanka ist längst nicht der einzige Bürgermeister, der sich als alleiniger Kandidat einer Direktwahl gestellt hat. In den vergangenen zehn Jahren ist das im Landkreis Marburg-Biedenkopf schon 14 Mal der Fall gewesen.

Mit rund 64,9 Prozent Ja-Stimmen ist das Wetteraner Ergebnis vom Sonntag aber das zweitschlechteste, das ein Alleinkandidat in diesem Zeitraum eingefahren hat. Lediglich Joachim Thiemig (SPD) bekam 2016 in Biedenkopf mit 59,1 Prozent weniger Zuspruch.

Spanka hatte 2012 noch 70,8 Prozent der Stimmen erhalten – obwohl damals drei weitere Kandidaten um das Amt buhlten. Die Wahlbeteiligung lag am Sonntag bei 41,2 Prozent und damit in dem Bereich, in dem auch andere Wahlen mit nur einem Kandidaten zu finden sind.

Hier schoss Bad Endbach im Jahr 2011 den Vogel ab: Damals war Markus Schäfer (CDU) als Alleinkandidat ins Amt gewählt worden. Die Wahlbeteiligung lag bei 22,7 Prozent.

Nicklas Michael Zielen ist der Vorsitzende der CDU-Fraktion. Für ihn ist das Wahlergebnis „ein deutliches Zeichen, dass einige unzufrieden sind“. Die Wahl in Wetter werde nicht in der Stadt, sondern auf den Dörfern entschieden. „Und da fühlen sich einige abgehängt“, sagt Zielen. Die Ergebnisse in Mellnau oder Todenhausen, wo lediglich auf rund 54 und 55 Prozent der abgegebenen Stimmzettel das „Ja“ angekreuzt war, seien Ausdruck des Unmuts, so Zielen. „Dorthin muss der Bürgermeister gehen und die Sorgen der Bürger ernst nehmen.“

Nicklas M. Zielen (Archivfoto)

Für die eigene Arbeit im Parlament wünscht sich der Unionspolitiker, dass die Zusammenarbeit zwischen Fraktionen und Verwaltungschef besser klappt. Um beispielsweise den Druck am Jahresende etwas abzuschwächen, wenn es darum geht, einen genehmigungsfähigen Haushalt aufzustellen, schlägt er die Einrichtung einer Kommission vor, die sich regelmäßig mit den Zahlen der Stadt beschäftigt. Die Konsolidierung des Haushaltes habe dabei oberste Priorität. „Wir müssen auf die finanzielle Bremse treten“, sagt Zielen.

Die Zusammenarbeit mit Spanka ist auch für Klaus Gerber zentrales Anliegen. Gerber führt die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Spanka sei „kein Teamplayer“ sagt er. Der Bürgermeister „macht seit fünf Jahren, was er will“.

Klaus Gerber (Archivbild)

Der Rathauschef müsse lernen, mit dem Parlament umzugehen. Spanka könne sich das Leben leichter machen, wenn er frühzeitig Themen mit den Parlamentariern besprechen und auch mal eigene Fehler eingestehen würde, sagt Gerber.

Auch Harald Althaus, Fraktionsvorsitzender der SPD, erwartet, „dass die Zusammenarbeit zwischen Parlament und Bürgermeister weiter verbessert wird“. Das Ergebnis vom Sonntag sei eine Schwächung für Spanka. Teile der Bevölkerung seien unzufrieden.

Harald Althaus (Privatbild)

Seine Fraktion wolle „mehr Offenheit und stärker eingebunden werden“. „Wir wollen eine intensivere Kooperation“, sagt Althaus. Dazu gehöre auch, dass die Verwaltung stärker kontrolliert wird und es „keine Alleingänge“ des Bürgermeisters mehr gebe.

Die Zusammenarbeit zwischen den Fraktionen funktioniere gut, sagt Martin Krieger, Fraktionsvorsitzender der Linken. „Mit dem Bürgermeister klappt das leider nicht immer so gut“, sagt er.

Martin Krieger (Archivbild)

Spankas Wahlergebnis sei „eher schlecht“. Für die Zukunft wünsche er sich „weniger Gegeneinander und mehr Miteinander“.

Stefan Ronzheimer, der fraktionslos für die FDP im Wetteraner Parlament sitzt, deutet den Wahlausgang ganz ähnlich. Die Wahlbeteiligung sei schlecht gewesen, sagt er und führt das auf die Tatsache zurück, dass Kai-Uwe Spanka allein angetreten war.

Stefan Ronzheimer (Archivbild)

Dass über 30 Prozent mit „Nein“ gestimmt haben, „sollte­ ihm zu denken geben“. Auch Ronzheimer hofft auf eine „kooperative Zusammenarbeit“ mit dem Bürgermeister in der Stadtverordnetenversammlung. Wetters Ziele zu erreichen, das gehe „zusammen besser“, sagt er.

von Dominic Heitz

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