Volltextsuche über das Angebot:

29 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Flüchtlinge reparieren Pfarrhaus-Garage

Engagement in Caldern Flüchtlinge reparieren Pfarrhaus-Garage

Lange Zeit konnten die Calderner der Garage ihres Pfarrhauses beim Zerfallen zusehen. Bis Flüchtlingsbetreuer Mehmet Kirok eine Idee hatte.

Voriger Artikel
Nächster Halt: Kultusministerium
Nächster Artikel
Landwirte unterstützen die Feuerwehr

Flüchtlingsbetreuer Mehmet Kirok (links) und Pfarrer Ralf Ruckert (rechts) mit sechs der neun freiwilligen Helfer.

Quelle: Tobias Kunz

Caldern. Pfarrer Ralf Ruckert ist froh. Lange Zeit wusste die evangelische Gemeinde Lahntals nicht, was sie mit der Garage des Pfarrhauses in Caldern machen sollte. Dicke Risse taten sich in der Fassade auf, hier und da fiel der Putz in unregelmäßigen Abständen von den Wänden. „Der Mörtel kam uns bereits entgegen gerieselt“, sagt Ruckert. Zwischenzeitlich dachte die Kirche über einen Abriss des Nebengebäudes nach. Das ging aber wegen des Denkmalschutzes nicht, sagt Ruckert. Was also tun? Mehmet Kirok, Flüchtlingsbetreuer der evangelischen Gemeinde, hatte eine Idee – und stieß bei neun Männern aus Syrien und dem Irak auf offene Ohren.

Gemeinsam sind die Flüchtlinge seit Ende Mai im Einsatz, klopfen die Reste von den Wänden, schmieren die Löcher zu und bringen den neuen Putz an. Nächste Woche wollen sie fertig sein. Auch Flüchtlingsbetreuer Kirok packt bei den Arbeiten mit an. Pfarrer Ruckert nennt ihn den „Bauleiter“.

Da Kirok selbst aber über keine baulichen Erfahrungen verfügt, stehen Heinz Wojke und Hermann Schneider den Flüchtlingen zur Seite. Die beiden pensionierten Fachleute aus Caldern geben Tipps beim Umgang mit den Werkstoffen; denn einige Baumaterialien sind den Flüchtlingen unbekannt – nicht aber die Arbeit an sich. Viele von ihnen haben bereits in der Branche gearbeitet. Ihnen fehlen allerdings Zeugnisse, um auch eine entsprechende Stelle in Deutschland zu finden, sagt Kirok. „Sie wollen bei dem Projekt zeigen, dass sie etwas können“, sagt der Flüchtlingsbetreuer.

Mit Erfolg: Ruckert berichtet, dass bereits zwei freiwillige Helfer zu Vorstellungsgesprächen bei zwei Marburger Firmen eingeladen wurden. „Die Unternehmen haben gesehen, dass sie arbeiten wollen – und können“, sagt Ruckert.

Sind die Wandarbeiten abgeschlossen, müssen nur noch die Fenster ausgetauscht werden. Ruckert hofft, dass die Kirche gebrauchte Fenster findet. Bislang plant die evangelische Gemeinde mit etwa 1 500 Euro für das Material. Die Flüchtlinge arbeiten unentgeltlich. Müssen neue Fenster angeschafft werden, würden die Kosten für das Projekt erheblich steigen.

Am Samstag, 11. August, will die Kirche das wieder hergestellte Nebengebäude des Pfarrhauses offiziell einweihen. Bis dahin soll die Garage auch wieder als Unterstand genutzt werden. Die evangelische Gemeinde lagert in dem Gebäude Altkleider und andere Sachspenden. Zudem sollen bald auch einzelne Exponate aus dem aufgelösten Dorfmuseum ausgestellt werden, sagt Pfarrer Ruckert.

von Tobias Kunz

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr