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„Fleckenbühl ist mehr eine Lebensschule“

Jubiläum „Fleckenbühl ist mehr eine Lebensschule“

Mit dem traditionellen Jahresfest für Freunde und Förderer auf dem Hofgut Fleckenbühl feierte in diesem Jahr die Selbsthilfeeinrichtung für Süchtige, die jetzt „die Fleckenbühler“ heißt, zugleich ihr 25-jähriges Bestehen.

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Seit 25 Jahren sind „die Fleckenbühler“ in Schönstadt aktiv. Auf dem Innenhof ihres Anwesens fanden sich zahlreiche Gäste zu Gesprächen zusammen.

Quelle: Schubert

Schönstadt. Ohne Ärzte, Therapeuten und Medikamente gegen Alkohol-, Drogen- und Medikamentensucht. Seit 1984 machen die Fleckenbühler vor, wie man durch Selbstkonfrontation, Lernbereitschaft, Ehrlichkeit, Geborgenheit und Arbeit dauerhaft suchtfrei werden und ein selbst bestimmtes Leben führen kann. Jeder kann jederzeit um Aufnahme bitten, er muss nur bereit sein, einen „kalten Entzug“ durchzuhalten, also sofort seinen Suchtstoffen zu entsagen, und die drei Regeln einzuhalten: Verzicht auf Alkohol und Drogen, keine Gewalt oder deren Androhung und nicht rauchen. Etliche der jährlich 500 bis 600 Menschen, die hierher kommen, schaffen dies nicht und gehen sofort oder nach wenigen Tagen wieder.

Aber vielen der mehr als 13.000 Menschen, so der Vorsitzende Ronald Meyer, die in 25 Jahren da waren, half der Aufenthalt, der manchmal mehrere Jahre dauerte, ihr Leben zu ändern. 130 bis 140 Menschen leben ständig auf Hof Fleckenbühl. Mit 250 geladenen Gästen, darunter Vertreter aus der regionalen und der Landespolitik, feierten sie ihr Jubiläum. Den offiziellen Teil eröffnete Meyer, der in seiner Ansprache auf die Anfänge in Berlin zurückblickte, wo Ingo Warnke, der ebenfalls zur Feier gekommen war, 1971 die Selbsthilfegruppe Synanon gegründet hatte. Am 1. September 1984 zog eine Gruppe Berliner Süchtiger, neun Erwachsene mit drei Kindern, auf das renovierungsbedürftige Hofgut.

Die anfänglichen Bedenken der Anwohner und Nachbarn seien durch offenes Auftreten schnell beseitigt worden. Es folgten Renovierungen, Um- und Neubauten, der Aufbau einer biologisch-dynamischen Landwirtschaft und der Selbstvermarktung. 1995 trennte sich Fleckenbühl von Synanon, eine Töpferei, ein Umzugs- und Transportunternehmen und ein Malerservice wurden gegründet. 2004 wurde ein weiteres Haus in Frankfurt, 2004 eine Jugendhilfeeinrichtung in Leimbach eröffnet sowie die Ginseldorfer Kindertagesstätte eingeweiht, in der nicht nur Kinder von Hofbewohnern betreut werden, sondern die auch den Versorgungsauftrag für diesen Marburger Stadtteil übernimmt.

In diesem Jahr erfolgte die Umbenennung: aus der „Suchthilfe Fleckenbühl“ wurden „die Fleckenbühler“. Dies, so Meyer, sei eine „Rückbesinnung auf das, was wir eigentlich tun“. „Perspektiven schaffen – drogenfrei leben“ heißt es in der Unterzeile des neuen Logos. Man sei mehr als eine Suchthilfeeinrichtung: eine Lebensgemeinschaft, eine Lebensschule.

von Manfred Schubert

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