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Nordkreis Fehlerkette bleibt zu lange unentdeckt
Landkreis Nordkreis Fehlerkette bleibt zu lange unentdeckt
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20:35 19.08.2010
Das Heimatmuseum in Caldern. Die eigentliche Schmuckseite des Fachwerkhauses hat wetterbedingt schon ganz schön gelitten. Quelle: Götz Schaub

Caldern. Volker Heine ist traurig. Er ist aber auch entsetzt und wütend. Warum? Weil vor seinen Augen das Lebenswerk seines Onkels Heinrich Heine offenbar dem Verfall preisgegeben wird. Was 1982 so hoffnungvoll begann, ist keine 30 Jahre später nur noch Schall und Rauch. Damals 1982 wurde mitten im damaligen Neubaugebiet als erstes Haus ein altes gebaut. Ein Haus, das schon viele Jahre auf dem Buckel hatte, das ursprünglich im 17. Jahrhundert erbaut wurde und seither in Caldern stand. Mit einer spektakulären Versetzung versuchte Heinrich Heine das Haus für die Nachwelt zu retten. Er half mit, dort ein Museum einzurichten und schon bald fanden sich Menschen zusammen, die den Heimat- und Geschichtsverein Lahntal gründeten und das Heimatmuseum als Domizil für die Versammlungen nutzen.

1985 überschreibt Heinrich Heine das Museumshaus einschließlich des Grundstücks der Gemeinde Lahntal mit der Auflage, das Gebäude des Museums in würdigem Zustand zu erhalten. Davon kann heute längst nicht mehr die Rede sein, sagt Volker Heine. Deshalb ist er also traurig und wütend zugleich. Er kann nicht verstehen, wie das passieren konnte. Im Zuge der Dorferneuerung in Caldern in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends wurde festgestellt, dass die geplante Sanierung des Hauses weit mehr Kosten verursachen würde als jemals angenommen. Zugesagten Fördermitteln in Höhe von 115.000 Euro standen plötzlich mindestens 327.000 Euro Sanierungskosten gegenüber. Und so glänzte im offiziellen Abschlussbericht zur Dorferneuerung Caldern alles, vom Kräutergarten, über einen Grillplatz bis zum Bahnhof – allein das Heimatmuseum blieb stumpf.

Dennoch wurde dem Gebäude im Abschlussbericht eine Seite gewidmet. Die Überschrift lässt nichts Gutes erahnen: „Für das Kuotshaus kam die Rettung zu spät. Obgleich das Haus in den 80er Jahren unter großem Aufwand und unter Begleitung der damaligen Bezirkskonservatorin des Landesamtes für Denkmalpflege an neuer Stelle aufgebaut wurde, wurden wohl genau dort schon die ursächlichen Fehler begangen, die zum Desaster führten: Das Haus wurde „gedreht“. Will heißen, dass nicht mehr länger die mit Schiefer verkleidete Seite, sondern die mit Schmuckschnitzereien verzierte Giebelseite dem Wetter ausgesetzt war. Dann sollen beschädigte Balken Wiederverwendung gefunden haben und der Grundriss des Hauses derart verändert worden sein, dass die Statik nicht mehr stimmte und es zu Brüchen in den Deckenbalken kam.

Diese und noch weitere Fehler, die zu Schädlingsbefall und Feuchtigkeit im Haus führten, waren lange Zeit nicht erkannt oder verkannt worden. Und so heißt es im Abschlussbericht zur Dorferneuerung: „Das rund 300 Jahre alte Fachwerkhaus […] ist nicht zu retten. Zu gravierend sind die Schäden, als dass die Gemeinde die Sanierung bezahlen könnte. Der Fall ist tragisch. Denn für das um 1700 erbaute Kuotshaus kam die Dorferneuerung rund 25 Jahre zu spät.“

Volker Heine könnte oder müsste eigentlich diese bittere Pille schlucken und hinnehmen, dass es nun einmal so gekommen ist, wie es gekommen ist. Doch er will den Zahlenspielchen nicht so recht glauben. In seinen Unterlagen, die er über das Heimatmuseum gesammelt hat, befindet sich auch ein Angebot einer Firma aus dem Landkreis, die für die komplette Fachwerkrestaurierung der vier Fassaden nur rund 35.000 Euro veranschlagte. Heine macht der Gemeinde den Vorwurf, dieses Angebot aus dem Jahre 2005 nie ernsthaft in die Diskussion gebracht zu haben. Und er will auch wissen, warum: Weil es sich bei dem Grundstück um ein Filet-Grundstück in Caldern handeln soll, an dem die Gemeinde noch etwas verdienen könne und auch wolle. Anders kann sich Heine nämlich auch nicht erklären, warum die Gemeinde die Rückgabe an einen Erben von Heinrich Heine ausgeschlagen hat.

Heines Cousin Manfred Heine, der in Hannover lebt, hatte eigens der Gemeinde Lahntal schriftlich mitgeteilt, das Haus wieder übernehmen zu wollen. Lahntals Bürgermeister Manfred Apell bestätigt den Inhalt des Schreibens von Manfred Heine, doch habe man andere Gründe, das Haus zu behalten. So fand sich bisher keine andere Bleibe für das Museum. Und so kam man auch in Rücksprache mit dem Heimat- und Geschichtsverein Lahntal überein, das Museum und auch den Verein so lange es geht dort zu belassen. Man rechnet damit, dass das Haus noch einige Jahre durchhält.

Ein vorweggenommener Abriss komme nicht in Frage, so Apell. Er stellt zudem klar: „Die Ausweisung des Neubaugebiets Sprinkelwiesen hat keinen Effekt auf dieses Grundstück, weil es keine Anbindung hat.“ Und in Sachen Sanierungsangebote habe sich die Gemeinde durchaus von mehreren Experten und Fachpersonen beraten lassen. Die durchgängige Meinung dieser Leute bestätigten ganz deutlich die Erkenntnisse, die während der Dorferneuerung gewonnen wurden. Bleibt nur noch eine Sache: Auf mehrmalige Anfrage bestätigte das Landesamt für Denkmalpflege Volker Heine, dass es sich bei dem Heimatmuseum um ein „Kulturdenkmal im Sinne des Paragraphen 2 (1) des Hessischen Denkmalschutzgesetzes“ handelt und 1981 in das Denkmalbuch als Kulturdenkmal eingetragen wurde. Und als solches hätte das Haus eigentlich kontinuierlich überprüft und saniert gehört, befindet Heine.

2004 stellt das Landesamt für Denkmalpflege hingegen fest, dass nicht nur aufgrund technischer Fehler beim Wiederaufbau erhebliche Schäden entstanden sind. Das Landesamt spricht auch von „mangelnder Unterhaltung“ über einen Zeitraum von 20 Jahren. Die Gemeinde Lahntal konnte allerdings nicht mit diesen massiven Schäden rechnen, sie glaubte die anfallenden Sanierungsarbeiten über das Dorferneuerungsprogramm abwickeln zu können, eine angemessene Summe für eine normale Sanierung nach 20 Jahren war ja vorhanden. Einige Jahre hält das Heimatmuseum sicher noch durch. Nur das Dachgeschoss darf nicht mehr betreten werden. Wer jetzt eine seriöse Idee hat, sollte mal mit der Gemeinde Lahntal sprechen.

von Götz Schaub

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