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„Es liegen schädliche Neigungen vor“

Jugendschöffengericht „Es liegen schädliche Neigungen vor“

Versuchte räuberische Erpressung, Sachbeschädigung, gemeinschaftliche Körperverletzung: Schweren Vorwürfen mussten sich zwei Jugendliche und ein Heranwachsender aus dem Nordkreis stellen.

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Marburg. Das Jugendschöffengericht in Marburg beschäftigte sich mit einem Vorfall am 16. September des vergangenen Jahres. Damals, so die Anklage, schlugen ein 16-jähriger Schüler, ein 17-jähriger Arbeitsloser und ein 18-jähriger gegen 22.30 Uhr einen 15-jährigen Schüler mit Fäusten so heftig ins Gesicht, dass dieser eine Schädelprellung davontrug. Er sollte ihnen offenbar Marihuana besorgen, doch stattdessen verständigte er die Polizei.

Etwa zehn Minuten nach den ersten Schlägen trafen die drei auf einen 17-Jährigen. Laut Anklage habe der 16-jährige Schüler seinen Freunden gesagt, der junge Mann habe ihn als „Neger“ bezeichnet.

Daher schlugen seine beiden Freunde auch diesen Zeugen ins Gesicht, wodurch seine Brille herunterfiel und dabei ein Glas zu Bruch ging. Bei der Polizei hatte der Zeuge ausgesagt, dass zudem seine Lippe aufgeplatzt sei und er danach Schmerzen am Kopf hatte. Doch als der Staatsanwalt aus dem Polizeiprotokoll vorlas, relativierte der Zeuge seine Aussage.

Ein „Mitläufer“ und zwei vorbelastete Freunde

Die dritte Anklage galt einem Drohanruf, den die jungen Männer bei einem Bekannten tätigten. Ihm drohten sie Gewalt an, wenn er ihnen kein Marihuana beschafft, weshalb dieser seinem Vater zehn Gramm entwendete.

Nach der Anklageverlesung führten die Beteiligten zunächst ein Rechtsgespräch. Ziel war es, das Verfahren ohne größere Zeugenvernahmen durchzuführen.

Da der 16-jährige Schüler während der Vorfälle lediglich anwesend war, selbst aber nicht gewalttätig wurde, wurde sein Verfahren mit der Auflage eingestellt, dass er einen sozialen Trainingskurs bei der Jugendkonflikthilfe (Juko) absolviert.

Dagegen waren die anderen beiden Angeklagten schon öfter straffällig geworden, unter anderem wegen Körperverletzung. Beide wurden bereits zu Arbeitsstunden und Dauerarrest verurteilt. „Bei beiden liegen schädliche Neigungen vor“, stellte Richter Thomas Rohner fest.

Das Verhalten des 17-Jährigen könne mit seiner Depression zusammenhängen, die inzwischen auch medikamentös behandelt werde, erläuterte die Jugendgerichtshilfe. Sein Verteidiger Arik Bredendiek stimmte daher mit dem Urteil des Richters überein, die Jugendstrafe zur Bewährung auszusetzen, mit der Auflage, dass der Angeklagte regelmäßig eine psychotherapeutische Behandlung nachweisen muss. Außerdem soll er ein soziales Training bei der Juko absolvieren und Schadensersatz in Höhe von 40 Euro für das zerbrochene Brillenglas zahlen.

Die andere Hälfte der Kosten für diese Sachbeschädigung muss der 18-jährige Heranwachsende übernehmen. Für diesen prognostizierte der Richter keine positive Zukunft: „Aber ich hoffe, dass Sie uns eines Besseren belehren.“

Der Angeklagte zeigte sich während der Gerichtsverhandlung wenig beeindruckt von dem Verfahren gegen ihn, sodass sein Verteidiger Carsten Dalkowski ihn aufforderte, sich besser zu benehmen. Zudem hatte der Angeklagte noch nicht alle Arbeitsstunden abgeleistet, die ihn wegen einer vorherigen Straftat auferlegt worden waren.

Staatsanwalt Christian Laubach kündigte an, dass die Aussetzung der sechsmonatigen Jugendstrafe zur dreijährigen Bewährung widerrufen werde, wenn der Angeklagte die Arbeitsstunden nicht ableistet und dann wieder der Dauerarrest drohe. Insgesamt wurde er zu 200 Arbeitsstunden und auch einem sozialen Trainingskurs verurteilt, den der 18-Jährige ebenfalls noch nicht durchlaufen hatte.

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