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„Das Kifög ist eine Mogelpackung“

Kinderförderungsgesetz „Das Kifög ist eine Mogelpackung“

Die Erzieher im Landkreis sind sauer. Die Kinder kommen aktuell zu kurz, sagen sie. Um etwas zu ändern, sammeln sie Unterschriften, um eine Anhörung im Landtag zum Kinderförderungsgesetz zu erzwingen.

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Die Erzieherinnen und der Vorsitzende des Zweckverbands evangelischer Kitas im Kirchenkreis Kirchhain sprechen sich klar gegen das Kinderförderungsgesetz aus.

Quelle: Tobias Kunz

Cölbe. Bereits einmal haben die Erzieher des Zweckverbands evangelischer Kindertagesstätten im Kirchenkreis Kirchhain Unterschriften gesammelt. Damals konnten sie nichts gegen die Einführung des Kinderförderungsgesetzes (Kifög, siehe Kasten) in Hessen ausrichten. Nun wollen sie eine Fortsetzung des Gesetzes verhindern.
„Letztlich ist das Kifög eine Mogelpackung“, sagt Karin Itter­mann aus Großseelheim. Die Gruppen seien momentan zu groß, um die Qualität in der Kinderbetreuung zu gewährleisten. „Wir brauchen mehr Zeit für die Kinder, die Eltern, aber auch zur Vorbereitung unserer Arbeit“, sagt Ittermann.

Aktion läuft bis Sonntag

Um dies zu erreichen, unterstützen die Erzieher des Zweckverbandes ausdrücklich eine­ ­Petition der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Hessen. Insgesamt 15 000 Unterschriften will die Liga sammeln, um eine Anhörung im Hessischen Landtag zu erzwingen. Online haben sich bereits mehr als 8 000 Menschen an der Aktion beteiligt. Zudem liegen in den Kindergärten Unterschriftenlisten aus. Die Aktion läuft noch bis Sonntag.
Die Erzieher beklagen, dass durch das 2014 erlassene Gesetz die Anforderungen an sie gestiegen seien. Gleichzeitig seien Mittel und Personal nich gegeben, um diese zu bewältigen. „Es ist schwierig, das Kifög umzusetzen, wie es ursprünglich gewollt war“, sagt ­Ittermann. Im Dezember 2016 erschien eine erste Auswertung der Gesetzesfolgen. Laut Ilona Gerbitz-Mess von der Kita in Rauschenberg werden seitens der Landesregierung die dort dokumentierten Probleme aber nicht ernst genommen. „Die werden nicht beachtet“, sagt sie.

Kleinere Gruppen gefordert

Deshalb wollen sich die Erzieher mit der Petition Gehör verschaffen. „Man muss über das Gesetz nachdenken und mit den Beteiligten noch einmal ins Gespräch kommen“, findet ­Alexander Bartsch, Vorsitzender des Zweckverbandes. Der Zeitpunkt dafür ist günstig: Zurzeit läuft in Hessen das Gesetzgebungsverfahren zur Zukunft des Kifög, das Ende dieses Jahres in seiner derzeitigen Form außer Kraft tritt. Im Kern fordern die Erzieher in ihrer Petition zum einen kleinere Gruppen und damit mehr Zeit für Kinder und Eltern, um die individuelle Förderung zu verbessern. Und zum anderen mehr Personal, damit der ­gestiegene administrative Aufwand von den Erziehern bewältigt werden kann. „Es braucht auch Zeit ohne Kinder“, sagt Andrea Findeis vom Kindergarten in Langenstein.
Wichtig ist den Erziehern dabei aber vor allem, dass sie nicht missverstanden werden. „Ich spreche wahrscheinlich jedem Kollegen aus dem Herzen, wenn ich sage: Es ist schön, dass wir jetzt mehr Geld verdienen, aber besser wäre es, wenn wir weniger Kinder in einer Gruppe hätten“, sagt Ittermann.

Kinderförderungsgesetz
Das Hessische Kinderförderungsgesetz ist am 1. Januar 2014 in Kraft getreten. Damit wurde das Hessische Kinder- und Jugendhilfegesetzbuch (HKJGB) verändert.Fortan wurde die Landesförderung für Erziehungseinrichtungen nicht mehr anhand der Gruppenzahlen, sondern der Anzahl der Kinder berechnet. Diese Umstellung wurde bereits im Vorfeld kritisiert. Um die Folgen der Änderung zu bestimmen, sah das Gesetz eine Evaluation bis Ende 2016 vor. Das Institut für Sozialarbeit und -pädagogik kam in seinem Bericht zu unterschiedlichen Ergebnissen. Kritisiert werde einerseits der hohe bürokratische Aufwand. Andererseits werde die verbesserte Flexibilität befürwortet. Die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Hessen kritisierte in einer ersten Einschätzung, dass der Zeitpunkt der Evaluation zu früh gewählt sei, weil 71 Prozent der Tageseinrichtungen noch die Übergangsregelungen genutzt hätten.
Aktuell wird die Zukunft des Gesetzes debattiert. Das HKJGB ist befristet und tritt Ende des Jahres außer Kraft. Für die Zukunft gibt es verschiedene Vorschläge der schwarz-grünen Landesregierung und der Oppositionsparteien.

von Tobias Kunz

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