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Energiewende mit den Bürgern

Bürgerversammlung in Lahntal Energiewende mit den Bürgern

Wie kann man selbst Energie und Kosten sparen, welche Ziele verfolgt die Gemeinde, wo kann man sich genauer informieren? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Bürgerversammlung zur "Lahntaler Energiewende".

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Diskutierten mit Bürgern über die Energiewende: (von links) Janka Neye, Klimaschutzmanagerin von Cölbe und Lahntal, Dr. Claus Opper, Vorsitzender des Energie- und Umweltausschusses und Bürgermeister Manfred Apell.

Quelle: Manfred Schubert

Sterzhausen. Zu der Versammlung kamen am Donnerstagabend knapp 50 Teilnehmer ins Haus am Wollenberg. Bei dieser Gelegenheit stellte sich auch die im Januar eingestellte Klimaschutzmanagerin von Cölbe und Lahntal vor. Sie heißt Janka Neye, hat in Aachen Geographie mit dem Schwerpunkt erneuerbare Energien studiert und bereits beim Landkreis und einer Firma gearbeitet. Sie ist Ansprechpartnerin für Fragen, Ideen und Anregungen der Bürger, bei denen sie für die Energiewende werben soll.

Im Februar 2011 hat die Gemeindevertretung als Ziel beschlossen, bis zum Jahr 2040 unabhängig von fossilen und atomaren Energieträgern zu werden und 100 Prozent des Energiebedarfs aus regenerativen Energiequellen aus unserer Region einzusetzen. Aber schon 1998 waren mit der Lokalen Agenda 21 Ziele für Klimaschutz und nachhaltige Energienutzung gesetzt worden und weitere Beschlüsse wie zur Beteiligung am Klimaschutzkonzept der Nordkreiskommunen gefolgt.

Bürgermeister Manfred Apell verwies auf bereits eingeleitete oder umgesetzte Projekte wie Nahwärmenetze in Sterzhausen, Goßfelden und Caldern oder Erdwärme für das neue Feuerwehrhaus Goßfelden/Sarnau/Göttingen, die energetische Sanierung der Dorfgemeinschaftshäuser in Caldern und Göttingen und anderer Gebäude. Weitere sollen folgen. Eine weitere Überlegung sei, die Straßenbeleuchtung auf LED-Lampen umzustellen und so zwei Drittel des Stromverbrauchs einzusparen. Planungen für weitere Photovoltaikanlagen seien zunächst einmal durch die aktuelle Solarförderungskürzung gestoppt. Zudem stellte Apell heraus, dass die Wende ohne Windkraft nicht gelingen werde. Am wichtigsten sei, dass man an vielen kleinen Punkten Energieeinsparungen erreiche. Die Gemeinde wolle möglichst viele Menschen erreichen, die einen Beitrag zur Energiewende leisten und dabei selbst Geld sparen oder regional ausgeben können.

57 Prozent Energie sparen durch Effizienz

Dr. Claus Opper, Vorsitzender des Energie- und Umweltausschusses, ergänzte, dass nicht nur die hohen Kosten der Grund für einen anderen Umgang mit der Energie seien - Ausgangspunkt aller Bestrebungen sei der Klimawandel. "Wir sind verantwortlich dafür, wie es mit der Erde weiter geht." Durch effizientere Nutzung ließen sich 57 Prozent Energie einsparen.

Lahntal verbraucht 287 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, 94,3 Millionen davon für Wärmeerzeugung. Durch Austausch von Öl- und Gasbrennern, idealerweise mit Kraft-Wärme-Kopplung, und den Ausbau erneuerbarer Energien ließe sich viel von den 93,6 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß Lahntals einsparen. Für die Mobilität regte Opper an, eine Mitfahrzentrale zu initiieren und dafür zu werben, zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten zu gehen. Jeder solle auf Dinge wie ein vielleicht wochenlang im Winter gekipptes Fenster in einer beheizten Bürgerhaus-Toilette achten.

Janka Neye stellte Informations- und sonstige Angebote für die Bürger vor. Bei ihr kann man beispielsweise kostenlos Stromverbrauchsmessgeräte ausleihen. Ein Drei-Personen-Haushalt könne 271 Euro im Jahr einsparen, wenn er den Verbrauch um (mögliche) 40 Prozent gegenüber dem Durchschnitt senke, erklärte sie.

Eine Energieerstberatung wird am 22. März von 14 bis 19 Uhr in der Gemeindeverwaltung durch einen Experten angeboten. Dazu soll man einen Termin reservieren und alle Unterlagen vom Haus wie Pläne, Fotos, Energieausweis und Handwerker-Angebote mitbringen. Zehn Millionen Euro für Energiekosten zahlen die Lahntaler Bürger - mit Tendenz steigend. 57 Prozent Einsparung würden 5,7 Millionen Euro verfügbares Kapital in Lahntal bedeuten, hob Neye hervor.

Michael Meinel, Beigeordneter und zuständig für Energiewende und Klimaschutz, wies auf den oft hohen Verbrauch von elektrischen Geräten im Bereitschafts-Betrieb hin sowie auf den Energiepass für das eigene Haus, der im Moment bei der hessischen Energiespar-Aktion für 37,50 statt 75 Euro zu bekommen sei. Fragebögen gibt es im Internet sowie im Büro der Klimaschutzmanagerin.

In der letzten halben Stunde der 90-minütigen Versammlung stellten die Bürger teils recht kritische Fragen. Der erste Zuhörer, der sich zu Wort meldete, beschwerte sich über den schlechten Zustand des Radweges von Kernbach Richtung Marburg. Calderns Ortsvorsteher Kurt Vogt gab die Auskunft, dass laut Hessen Mobil (früher: Amt für Straßen- und Verkehrswesen) der Lückenschluss bei Caldern geplant wird und 2013 gebaut werden soll.

Das Für, das Wider und das große Ziel

Der frühere Förster Dieter Klose, sagte, laut Meldungen von Fachzeitschriften werde spätestens in zehn Jahren das Holz nicht mehr reichen. In Oberrosphe nehme man schon jetzt "händeringend" jeden Schubkarren voll Holz für das Nahwärmenetz. Gleichzeitig sehe er Gemeindearbeiter in Lahntal, die Hölzer schneiden und verbrennen. Bürgermeister Manfred Apell versprach, dem nachzugehen, das Verbrennen halte auch er für wenig sinnvoll.

Dieter Klose wandte sich gegen einen eventuellen Windpark auf dem Wollenberg wegen der dortigen Eichenbestände. Bürgermeister Apell gab zu bedenken, dass es zu jeder Überlegung in Sachen Energiewende ein ganzes Bündel an Gegenargumenten gebe. Wenn man allen folge, werde man nichts bauen.

Kontakt: Klimaschutzmanagerin Janka Neye ist donnerstags von 9 bis 15 Uhr in der Gemeindeverwaltung Lahntal, Zimmer 25, Telefon 06420/823029, E-Mail janka.neye@lahntal.de. Im Büro in der Gemeindehalle Cölbe ist Neye von Montag bis Mittwoch, 9 bis 12 Uhr, erreichbar: Telefon 06421/9839119, Fax 06421/9839455.

von Manfred Schubert

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