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Nordkreis Eltern hadern mit Carles Plänen
Landkreis Nordkreis Eltern hadern mit Carles Plänen
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12:59 23.01.2018
Geht es nach dem Cölber Rathauschef, dann soll der Kreis künftig die Schulkinderbetreuung übernehmen. Quelle: Thorsten Richter
Cölbe

Paukenschlag zum Jahresbeginn: In der ersten Parlamentssitzung des Jahres will Cölbes Bürgermeister Volker Carle über den Ausstieg der Gemeinde aus der Nachmittagsbetreuung für Schulkinder abstimmen lassen.

Diese Betreuung soll zukünftig vom Landkreis bezahlt und organisiert werden – zumindest bis 15 Uhr. Der Kreis bekomme schließlich Geld aus dem Finanzausgleich für diese Aufgabe, heißt es in dem Beschlussvorschlag des Bürgermeisters. In der kommenden Woche soll das Gemeindeparlament darüber abstimmen.

Konkret will Carle die Betreuung im Hort in der Kindertagesstätte „Löwenzahn“ aufgeben, wo zurzeit noch 24 Kinder nach der Schule ihre Nachmittage verbringen. Das soll passieren, „sobald der Landkreis Marburg-Biedenkopf für alle Grundschulkinder eine Betreuung sicherstellen kann“. Ziel sei der 31. Juli dieses Jahres.

Auch die Betreuung der Schulkinder im Evangelischen Kindergarten Schönstadt möchte Carle nicht mehr zahlen. Dort soll im Gegenzug in Absprache mit dem Träger ab September Platz für die Betreuung von Kleinkindern im Alter bis zu drei Jahren geschaffen werden.

Neues Geld holen,
um altes zu verschieben

Das ist der Kern des Plans des Bürgermeisters: Wenn der Landkreis sämtliche Kinder, die derzeit nach der Schule betreut werden, bis 15 Uhr finanzieren würde, spart die Gemeinde Geld. Dieses Geld soll in den Ausbau der Krippenplätze fließen.

Für Kinder unter drei Jahren gibt es derzeit keine freien Plätze mehr in Cölbe; einige Familien müssen laut Carle bereits auf einen Platz für ihr Kind warten. Die Gemeinde habe aber einen gesetzlichen Auftrag, für die Betreuung der Kinder bis zur Schule zu sorgen, argumentiert der Bürgermeister.

Schon mehrmals habe die Gemeinde in den vergangenen Jahren versucht, den Landkreis dazu zu bewegen, Cölbes Kosten für die Betreuung der Schulkinder zu übernehmen. Der Kreis habe das zusätzliche Angebot Cölbes lobend anerkannt und als „hochwertig“ und „überdurchschnittlich“ bezeichnet, schreibt Carle in der Begründung seines Antrags.

Die Behörde habe aber keine Möglichkeit gesehen, diese Standards zusätzlich zu den eigenen Leistungen in der Gemeinde Cölbe aus eigenen Mitteln abzusichern. Mit anderen Worten: Wer bestellt, bezahlt.

In Cölbes Sport-, Kultur- und Sozialausschuss zitierte Carle aus einem Brief des Landkreises, der Mitte Dezember im Rathaus eingegangen sei. In dem Schreiben bekräftige der Kreis seine Absicht, neben seinem bestehenden Betreuungsangebot zukünftig auch die Schulkinder aus dem „Löwenzahn“-Hort nachmittags zu betreuen und somit insgesamt 75 Nachmittagsplätze in Cölbe anzubieten.

Alle Kinder könnten dort dann auch zu Mittag essen. Allerdings habe der Landkreis noch einmal deutlich gemacht, dass er nur bis 15 Uhr für die Betreuung verantwortlich sei.

Cölbe soll die letzten
 beiden Stunden zahlen

Der Cölber Rathauschef wünscht sich aber eine Grundschulbetreuung in allen Ortsteilen bis 17 Uhr. Er schlägt deshalb dem Parlament vor, dass die Gemeinde die anteiligen Kosten für die Zeit bis 17 Uhr trägt. Allerdings möchte er jenen Betrag an den Landkreis zahlen, damit die Eltern möglichst mit einem einzigen Vertragspartner – in diesem Fall eben der Kreis – einen Vertrag abschließen können.

Bei den Eltern, die ihre Kinder nachmittags im „Löwenzahn“-Hort betreuen lassen, sorgen die Pläne des Bürgermeisters für Unmut. Die Vorsitzende des Elternbeirates der Lindenschule Julia Schwick äußert sich verärgert darüber, dass sie erst Anfang Januar von der geplanten Schließung des Horts erfahren habe. „Ich habe verzweifelte Mütter gesehen“, sagt sie.

Problematisch seien die Betreuungszeiten vor der Schule, in den Ferien und von 15 bis 17 Uhr. Da bräuchten die Eltern verlässliche Strukturen, seien aufgrund ihrer Berufe auf die Betreuung angewiesen. Schwick sagt, dass das gute Betreuungsangebot für manche Familie der Grund gewesen sei, nach Cölbe zu ziehen und sich dort vielleicht sogar ein Haus zu kaufen.

Auch fürchten die Eltern, dass die Kinder zukünftig mehrmals am Tag die Einrichtung wechseln müssen und sich dann „abgeschoben“ fühlen könnten. „Und über die Qualität der Betreuung haben wir dann noch gar nicht gesprochen“, sagt Schwick. Am liebsten wäre es ihr, sagt sie, es bliebe alles wie bisher organisiert, und der Landkreis würde das Geld für die Betreuung einfach an die Gemeinde Cölbe überweisen.

von Dominic Heitz