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Nordkreis Eine Watsch’n für die Parteivertreter
Landkreis Nordkreis Eine Watsch’n für die Parteivertreter
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19:41 23.02.2012

Unterrosphe. Etwa 90 Bürger, vorwiegend aus Niederwetter und Unterrosphe, harrten am Mittwochabend – trotz „Champions-League“-Konkurrenz im Fernsehen – fast drei Stunden im Bürgerhaus in Unterrosphe aus, um sich einen Eindruck von den vier Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 4. März zu machen. Und sie hielten mit fortschreitender Zeit keineswegs mit ihrer Meinung hinter dem Berg – und die klang anders, als mancher sich das wohl gedacht hatte.

So hatte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Klaus Gerber aus dem Publikum heraus versucht, Bürgermeister Kai-Uwe Spanka (parteilos) in Bedrängnis zu bringen, indem er ihm vorwarf, er habe dem Kreis freiwillig die Aufgabe eines Schulstandorts  in Mellnau/Oberrosphe angeboten.

Die Kandidaten Dr. Richard Fett (SPD)  und Jörg Bettelhäuser (unterstützt von Grüne/CDU/FDP) teilten ihrerseits nach anfangs sachlicher Diskussion zunehmend Seitenhiebe gegen Spanka aus, vor allem über die aus ihrer Sicht mangelhafte Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister, Magistrat und Parlament, die sie dem Stadtoberhaupt anlasten. Jörg Bettelhäuser verglich Spankas Arbeit zum Beispiel mit der des Amtsvorgängers Dieter Rincke (SPD). „Gegen Spanka war Rincke ,Glasnost und Perestroika‘“, lautete Bettelhäusers Fazit über fehlende „Offenheit und Umgestaltung“ beim Amtsinhaber.

Derlei Aussagen sorgten für Bewegung im Publikum. Mehrere Besucher gingen dazu über, nicht mehr Fragen zu stellen, sondern zum bis dahin Gehörten Stellung zu nehmen. Sie drückten aus, dass sie froh darüber seien, dass es nach der Amtszeit Rinckes, der über eine absolute Mehrheit verfügt hatte und bei dem alles immer mit Mehrheit „strack durchging“, inzwischen wechselnde Mehrheiten im Parlament möglich seien.

Ein anderer Besucher ging noch weiter. Er habe die Stadtverordnetenversammlung am Tag zuvor besucht und er könne dies auch den anderen Bürgern nur empfehlen, damit sie sich einen Eindruck vom Parlament machen könnten. „Es ist eine Frechheit, wie dort teilweise miteinander umgegangen wird“, wetterte der Mann. Vor allem die Fraktionsvorsitzenden spielten sich unangemessen auf, so sein Eindruck. Darin gab ihm Rüdiger Draheim von der Freien Linken Recht, wobei er die Kritik auch für sich selbst annehme.

Bettelhäuser, selbst Stadtverordneter, verteidigte den Stil im Parlament. In der Sache streite man sich, persönlich habe er aber mit keinem im Parlament ein Problem. Das sei Politik, das sei Demokratie, das sei Deutschland, und das sei im Vergleich mit Diktaturen ja auch gut so, wie es ist. Die in der Erregung gefallene Formulierung, dass Diktaturen „höchstens in einigen Ländern Afrikas“ tolerierbar seien, nahm  er mit Bedauern später zurück. 

von Michael Agricola

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