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Eine Million Liter Öl bleiben unverheizt

Nahwärme in Wetter Eine Million Liter Öl bleiben unverheizt

Die Stadt Wetter macht ernst mit der Energiewende. Zum Erfolgsmodell Bioenergiedorf Oberrosphe soll nun über die neuen Stadtwerke ein Nahwärmenetz für Teile der Kernstadt kommen.

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Der Entwurf zeigt – farbig hinterlegt – die Liegenschaften, die vom Ausbau des Nahwärmenetzes in Richtung der Firma Schoeller (im Bild orange dargestellt) profitieren könnten. Auf der gelben Fläche ist ein Heizwerk geplant. Derzeit besteht das Nahwärmenet

Wetter. In der kommenden Woche beschäftigt sich die Betriebskommission des städtischen Eigenbetriebs „Stadtwerke Wetter“ mit der Erweiterung des bestehenden Nahwärmenetzes. Ihr Okay und ein Ja des Stadtparlaments zum Wirtschaftsplan vorausgesetzt, könnte das auf insgesamt etwa 5,9 Millionen Euro taxierte Vorhaben schon bald konkrete Formen annehmen.

Nach dem Rückkauf des Nahwärmenetzes vom bisherigen Betreiber Eon Mitte verfügt die Stadt schon über ein etwa 1,2 Kilometer langes Nahwärmenetz zwischen der Wollenbergschule des Kreises und den städtischen Liegenschaften Schwimmbad und Stadthalle. Angeschlossen sind dort unter anderem das Altenheim des St.-Elisabeth-Vereins und die evangelische Kindertagesstätte Arche. Die Wärme liefert das angeschlossene Blockheizkraftwerk der Biogasanlage Geißel aus Sterzhausen.

Die Energieagentur Berghamer und Penzkofer, die schon mehrere Projekte unter anderem in Oberrosphe und Unterrosphe begleitet hat, legte nun den Entwurf für eine Erweiterung des Netzes in Richtung der Bundesstraße 252 vor.

Mit diesem Vorhaben, rechnet Bürgermeister Kai-Uwe Spanka (parteilos) vor, ließe sich bei Gewerbebetrieben und in Privathäusern rund eine Million Liter Heizöl einsparen - pro Jahr. Weiterer Vorteil: Es würden gerade für die überschüssige Wärme des Blockheizkraftwerkes im Sommer eine sinnvolle Verwendung gefunden. Für die Nachfrage im Winter sorgt im Plan ein Heizwerk mit einer neuartigen Holzvergasungsanlage, das neben der Firma Schoeller gebaut werden soll. Es verarbeitet Holzschnitzel und liefert neben Wärme Gas, das in Strom umgesetzt wird. Laut Spanka ist diese Technik im bayerischen Grassau bereits im Einsatz.

In der Firma Schoeller Electronics steht ein Großabnehmer für die Wärme schon bereit. Das Unternehmen würde knapp 40 Prozent der Wärmeleistung abnehmen. Weitere 40 Prozent werden von den bisherigen Abnehmern entlang des alten Netzes verbraucht. Und der Rest entfiele auf die zukünftigen Kunden am zu bauenden Netz.

Profitieren könnten davon dann eine Reihe weiterer Gewerbebetriebe entlang der B252 und der Bahnlinie sowie im Gewerbegebiet Im Berntal. Genauso Vereine wie die Stadtkapelle oder der Tennisverein. Und viele Eigenheimbesitzer in Schuppertsgasse, Aueweg, Marburger Straße und dem Wohnviertel zwischen Erlenweg und Burgwaldstraße (Kreisstraße 1).

Dass das Interesse da ist, habe eine Befragung der Haushalte und Betriebe in diesem Teil der Stadt gezeigt. Von 110 angefragten Haushalten und Betrieben hätten sich 68 bereits positiv geäußert, so Spanka. Damit komme man schon jetzt auf ein Volumen von 10000 Megawattstunden Wärmeabnahme im Jahr, was der genannten Heizölmenge entspräche. Zudem, so Spanka, werde das Netz mit 1700 Kilowattstunden pro laufendem Trassenmeter äußerst wirtschaftlich und preislich für die Kunden sehr attraktiv sein.

Nicht zuletzt erhofft sich der Bürgermeister davon auch Auftrieb für das Gewerbegebiet östlich der B252. Denn neben dem Wärmepreis könnten die Stadtwerke Wetter bei einer entsprechenden Einsparung von Kohlendioxid-Emissionen den Unternehmen auch entsprechende CO2-Zertifikate ausstellen.

von Michael Agricola

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