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Nordkreis Ein Stück Geschichte ist zurück in Wetter
Landkreis Nordkreis Ein Stück Geschichte ist zurück in Wetter
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18:00 12.11.2013
Hellgard Dellmann übergab den Zunftbrief als Dauerleihgabe an die Stadt Wetter, stellvertretend nahmen Bürgermeister Kai-Uwe Spanka (rechts) und Stadtarchivar Hans-Uffe Boerma das Schriftstück aus dem 18. Jahrhundert entgegen.Fotos: Michael Agricola
Wetter

Als er von seiner schweren Krankheit erfuhr, sprach Jochen Dellmann davon, dass er „sein Haus bestellen müsse“, erzählte seine Witwe Hellgard gestern im Trauzimmer des Rathauses, als sie gemeinsam mit ihren beiden Söhnen Matthias und Klaus einen Schuhmacher-Zunftbrief aus dem Jahr 1754, der sich im Familienbesitz befindet, an Bürgermeister Kai-Uwe Spanka und Stadtarchivleiter Hans-UffeBoerma überreichte.

Das historische Dokument wieder nach Wetter zu bringen, war für den begeisterten Hobbyhistoriker vor seinem Tod noch ein wichtiges Anliegen, betonte seine Familie. Er habe auch vorgehabt, das Schriftstück noch selbst zu übergeben, sagte Hellgard Dellmann, doch dafür blieb ihm nicht mehr genug Zeit.

Der Zunftbrief wird der Stadt von der Familie des inzwischen Verstorbenen als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Jochen Dellmann hatte zeit seines Lebens eine enge Verbindung zu Wetter. Seine Mutter stammte aus der Stadt, in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre verbrachte er einen Teil seiner Jugend dort, bei seinen Tanten in der Bahnhofstraße.

Mit 17 Jahren ging er nach Hamburg auf die Schiffsjungenschule und machte in der Handelsmarine Karriere, wurde Offizier und Kapitän. Zuletzt hatte er folgende Seefahrergenerationen Nautik gelehrt. Bis zuletzt hielt er aber auch den Kontakt nach Wetter, zur Familie und den Freunden von damals, nutzte gern die Grenzegangfeste zu Besuchen in der Stadt.

Aus der mütterlichen Familienlinie stammt denn wohl auch das Erbstück, um das es bei der kleinen Feierstunde am Montag ging. Einige befreundete Familien waren dabei, als Hellgard Dellmann einen der letzten Wünsche ihres Mannes erfüllte.

Der Leiter des Stadtarchivs, Hans-Uffe Boerma, gab einen Einblick in die geschichtlichen Hintergründe der Zünfte in Wetter - erstmals wurden sieben Zünfte im Jahr 1239 erwähnt - und die Aufgabe, die Zunftbriefe in der damaligen Zeit hatten.

Der Zunftbrief war einerseits der Eintritt in den Zusammenschluss seines Handwerks, aber auch die Verpflichtung, sein Können für die Bürger der Stadt einzusetzen. Für den Aussteller des befristet gültigen Papiers, in diesem Fall der Landgraf Wilhelm VIII, der jüngere Bruder des 1751 gestorbenen Friedrich I, König von Schweden, war es nicht zuletzt eine gute Einnahmequelle.

von Michael Agricola

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