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Nordkreis Ein Grab für den geliebten Tommi
Landkreis Nordkreis Ein Grab für den geliebten Tommi
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06:16 07.05.2012
In Unterrosphe gibt es jetzt auf dem Tierfriedhof auch ein Urnengrabfeld, das sogar in einem Dokumentarfilm vorkommen wird. Quelle: Götz Schaub
Unterrosphe

Tommi, der schwarze Kater war über lange lange Jahre die Freude im Leben der Schwestern Kornelia und Martina Mohr aus Gießen. Als das geliebte Tier starb, war für sie klar, dass sie eine Stätte brauchen, wo sie Tommi gedenken können, wo er ihnen noch ganz nah sein kann. Sie entschieden sich für ein Tierbegräbnis auf dem Tierfriedhof Waldfried in Unterrosphe. Sie haben sich für ein Urnengrab entschieden. Eine Urnenbestattung ist noch ein relativ neues Angebot von Tierfriedhof-Betreiber Ernst-Heinrich Jesberg aus Rauschenberg. Es gibt darüber hinaus auch eine Aschestreufläche. Dort suchen sich die hinterbliebenen Menschen einen schönen Platz aus, etwa unter einem Baum und können dann auch ein kleines Messingschild dort als Erinnerung befestigen.

Die Schwestern werden bei der Herrichtung des Urnengrabs für Tommi gefilmt. Ein Team des hr-Fernsehens ist gerade dabei, Filmmaterial für eine Dokumentation über Bestattungsformen zu sammeln. Die Doku, die auch bei arte laufen soll, beschäftigt sich im Wesentlichen mit dem Bestatten von Menschen, doch behandelt sie auch als zusätzlichen Aspekt das Bestatten von Haustieren, denn es gibt immer mehr Menschen, die auch ihr Tier nach dessen Ableben in Würde bestattet sehen wollen.

Sein Waldstück oberhalb des Menschenfriedhofs in Unterrosphe hat Jesberg deshalb für die treuen Freunde des Menschen, Hund und Katz, aber auch für Kleintiere oder gar Hängebauchschweine reserviert. Natürlich alles in Absprache mit dem Veterinäramt. Der Einzugsbereich ist groß, denn Tierfriedhöfe gibt es keinesfalls in jedem Ort oder wenigstens in jeder Gemeinde. „Die Leute kommen von Bad Wildungen, Biedenkopf, Frankenberg und Gießen, drei kamen sogar aus Frankfurt“, erzählt Jesberg. Er achtet peinlich genau darauf, dass es auf dem Tierfriedhof Waldfried genauso zugeht wie auf einem normalen Friedhof für Menschen. Die Trauer über den Verlust eines lieben Menschen oder eines Tieres braucht seinen Platz.

Da Jesberg in Rauschenberg wohnt, kümmert sich Kevin Hellwig aus Unterrosphe auch mit um den Tierfriedhof. Insbesondere betreut er den Teil, wo Kinder Abschied von ihren kleineren Haustieren wie Hamster und Meerschweinchen nehmen dürfen. Dieser Service ist für Kinder absolut kostenfrei. Erwachsene und Jugendliche müssen hingegen schon für die erbrachten Leistungen etwas bezahlen, etwa für die Abholung des Tieres, für das Ausheben, die Einbettung und das Schließen des Grabes, für den Sarg und schließlich 25 Euro für die Ruhezeit pro Jahr, wobei die Ruhezeit in der Regel vier Jahre beträgt.

„Die Ruhezeiten können aber auf Wunsch auch verlängert werden“, informiert Jesberg. Beim Drehen des Kamerateams ist auch Christopf Skirlo dabei, der mit seiner Frau Marion in Homberg/Ohm den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt hat. Sie bieten alles zur Tierbestattung an. So lernten sich Jesberg und Skirlo natürlich auch kennen. Für sie ist es selbstverständlich, dass es Menschen gibt, die ihr Tier nicht einfach nur im Krematorium abgeben können. Die kleinen ausgeschmückten und gepflegten Gräber auf dem Tierfriedhof Waldfried zeugen von tiefer innerer Bindung zwischen Mensch und Tier.

Entsprechend würdig und feierlich soll es auch bei der Beerdigung selbst zugehen, findet Jesberg. So kann das Tier auf einer Art Altar liegen, während eine kleine Rede gehalten wird. Auf Wunsch wird auch eine Glocke geschlagen, ehe das Tier schließlich begraben wird.

von Götz Schaub