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Nordkreis Drei Jahre Gefängnis wegen 420 Euro
Landkreis Nordkreis Drei Jahre Gefängnis wegen 420 Euro
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06:15 15.03.2012
Quelle: www.BilderBox.com
Marburg

Marburg. Räuberische Erpressung lautete die Anklage, Richterin Ina-Nadine Bernshausen entschied, den Angeklagten für drei Jahre und einen Monat ins Gefängnis zu schicken.

Im August 2010 soll er gegen 22 Uhr von einer Telefonzelle aus einen Pizzalieferservice angerufen und vier Gerichte bestellt haben. Als der Zulieferer zu dem abgelegenen, an diesem Tag leeren Sportlerheim des FV Bürgeln kam, fuhr er an die Rückseite des Gebäudes und stieg aus dem Auto aus. Dort wartete der Angeklagte und zwang den Pizza-Fahrer mittels einer Schreckschusspistole, die aber nicht geladen gewesen sei, seinen Geldbeutel auszuhändigen. Anschließend durfte der Zulieferer wegfahren, der Angeklagte flüchtete auf einem Fahrrad. Er erbeutete 420 Euro. Der Pizza-Fahrer rief bei seiner Zentrale an und meldete den Überfall. Dort rief man die Polizei. Der Angeklagte wurde aber erst ein Jahr nach der Tat von der Polizei gefasst. Der 29-Jährige hatte seinem Chef gegenüber die Tat erwähnt, der ihn dann über eine Mittelsperson der Polizei gemeldet hatte.

Gleich zu Beginn der Verhandlung bestätigte der Angeklagte die Vorwürfe gegen ihn. Er erklärte, er habe kein Geld mehr gehabt und der Vater sei im Urlaub gewesen. Er habe zwei Tage nichts gegessen und sei alkoholisiert gewesen. "Deshalb kam mir der Gedanke, den Mann zu überfallen", so der 29-Jährige. Die Tat habe er spontan geplant, von dem Geld habe er sich Essen und Getränke gekauft. Direkt danach sei ihm klargeworden, dass er einen "riesengroßen Fehler" gemacht habe.

Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier, die Richterin und die Rechtsvertretung des Angeklagten, Rechtsanwalt Marks, diskutierten daraufhin die Alkoholmenge, unter der der Angeklagte gestanden haben mochte. Getrunken habe er Whiskey, circa sechs Zentimeter aus einer Flasche auf leeren Magen.

Anschließend wurde der Pizza-Zulieferer als Zeuge vernommen. Er arbeite schon lange für den Pizzaservice, deswegen galt ihr auch sein erster Anruf direkt nach der Tat. Er gab an, der Angeklagte habe einen ruhigen und sicheren, aber sehr bestimmten Eindruck auf ihn gemacht. Auf Nachfrage schilderte er, dass sich sein Leben nach dem Überfall schon verändert habe Seine berufliche Tätigkeit sei davon beeinträchtigt und er schlafe nachts schlecht. Er habe damals nicht wahrnehmen können, dass die Waffe eine Schreckschusspistole war. Rechtanwalt Sascha Marks verlas einen Brief an den Geschädigten, in dem er sich im Namen seines Mandanten für die Tat entschuldigte. Staatsanwältin Brinkmeier fasste zusammen, dass sich die Anklage in allen Punkten bestätigt habe. Der Angeklagte müsse sich der schweren räuberischen Erpressung verantworten, auf die laut Gesetz 3 bis 15 Jahre Freiheitsstrafe stehen. Von einem minderschweren Fall, dessen Benennung die drei Jahre unterschreiten ließen, sei hier nicht auszugehen. Weder eine mögliche Alkoholisierung, noch eine finanzielle Notlage, noch das Argument der Spontaneität und seine Geständigkeit zusammen reichen aus, um das Strafmaß zu mildern. so Brinkmeier. Die Tat sei nicht spontan, sondern sorgfältig geplant gewesen. Rechtsanwalt Marks plädierte auf die Handhabung als minderschweren Fall. Richterin Bernhausen fällte schließlich das Urteil, das deutlich am unteren Rand der Bestrafungsmöglichkeit liegt.

von Kristina Gerstenmaier