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Nordkreis Im Schottenrock ins Fernsehen
Landkreis Nordkreis Im Schottenrock ins Fernsehen
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07:05 17.03.2018
Highland-Games vor laufender Kamera: Bei den Dreharbeiten in Unterrosphe ging es auch ruppig zu. Quelle: Nadine Weigel
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Unterrosphe

Als der Hessische Rundfunk die Einwohner­zahl des „Dollen Dorfs“ der ­Woche sendete, dürfte ein Raunen durch viele Wohnzimmer in Unterrosphe gegangen sein. 342 stand da. Das ist natürlich Quatsch, denn tatsächlich leben fast 600 Menschen in dem Dorf. Und die Heimat dieser 600 hat einiges Interessante zu bieten. Davon konnte sich das Fernsehteam der Hessenschau überzeugen.

Die Unterrospher wissen um die Reize ihres Dorfes. Anders ist es kaum zu erklären, dass die Auswahl der Ziele so schnell erledigt war. Als Nina Schmidt mit Kameramann, Ton- und Lichttechniker am Donnerstagabend ankam, hatten die Einwohner schon Ideen gesammelt. „Die waren gut vorbereitet“, sagte Schmidt. Nach anderthalb Stunden Beratung standen die Themen für den Beitrag fest.

Dabei hatte Ortsvorsteher ­Florian Lies seine Liste noch gar nicht zusammengestellt. Schon oft hatte er darüber nachgedacht, dass das Los für das „Dolle Dorf“ irgendwann auch auf Unterrosphe fallen ­könnte. Um für diesen Fall gewappnet zu sein, wollte er eine Stichpunktliste mit Vorschlägen anfertigen. Am Donnerstagabend hat ihm das Losglück aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Dreharbeiten für die hr-Sendung "Dolles Dorf.

Als erstes zeigte Florian Lies die Pumpenstation am Blockheizkraftwerk. Von dort aus wird Energie in ein Nahwärme­netz eingespeist, das 80 ­Haushalte mit Wärme versorgt. ­Hierfür wurde vor fünf Jahren eine Genossenschaft gegründet. „Schauen Sie mal: Obwohl es kalt ist, steigt aus kaum einem Schornstein Rauch auf“, sagte Lies. Die Fernsehleute schauten und nickten.

Auf dem Tierfriedhof ging es dann weiter. Dort können Unterrospher und auch Menschen aus umliegenden Orten ihre verstorbenen Haustiere beerdigen lassen – in Urnen oder Särgen. Auch eine Wiese, auf der die Asche verstreut werden kann, gibt es. Vor rund 20 Jahren hatte Ernst-Heinrich Jesberg das kleine Waldstück nördlich des Ortes als letzte Ruhestätte eingerichtet. Schon früher wurden dort Tiere begraben. Da lag es ­nahe, die Stelle auch ganz offiziell zu einem Friedhof für Kleintiere zu machen. Verwaltet wird die Ruhe­stätte von Kevin Hellwig.

Alte Schule mit bewegter Geschichte

Nachdem das Fernsehteam sich den halben Tag lang kalte Füße geholt hatte, war der brennende Kamin im Bistro „Alte Schule“ eine Wohltat. Betreiberin Ingrid Völk hatte zum Essen eingeladen. Und weil die Leute vom Hessischen Rundfunk schon einmal da waren, ­konnte sie auch gleich die Geschichte ihres Lokals erzählen. Bis ­Ende der 60er gingen in dem Haus noch Kinder zur Volksschule. Anschließend wurde es mal von der Sparkasse, mal vom Ortsvorsteher genutzt. Seit 2009 betreibt Völk dort ihr Bistro – und bietet in der Etage darüber Yoga und Massagen an. Die „Alte Schule“ ist neben einer Kneipe das letzte Lokal in Unterrosphe.

Am Nachmittag ­präsentierte sich dann die Waldjugend an ­ihrer Hütte. Die Jugendlichen hegen und pflegen gemeinsam mit dem Förster Flur und Forst rund um Unterrosphe – vor allem auch das Naturschutzgebiet „Am Hollenberg“ mit dem ehemaligen Sandsteinbruch.

Burschenschaft
 gegen „Läusebügler“

Dem schottisch ­anmutenden Wetter angemessen ging es für Nina Schmidt und ihr Team schließlich zum Matschspielplatz des Regenbogenvereins. Dort hatten sich nicht nur dutzende Unterrospher eingefunden, um sich gemeinsam für eine abschließende Szene zusammenzustellen. Die Burschenschaft und das Karnevals-
Ensemble „Läusebügler“ hatten sich dort zu „Highland-Games“ verabredet. Solche Spiele finden regelmäßig in dem Dorf statt und dann können Männer bei Disziplinen wie Baumstammweitwurf unter Beweis stellen, aus welchem hessischen Holz sie geschnitzt sind.

Nina Schmidt nimmt ­eine Menge Material mit in den Schnittraum. Aus einer ganztägigen Reise kreuz und quer durch das Dorf muss sie noch einen etwa zweiminütigen Beitrag basteln. Schwierig genug, bei der Auswahl an interessanten Themen. Die Unterrospher können den Film an diesem Samstagabend gemeinsam im Bürgerhaus anschauen. Ortsvorsteher Lies hat ein „Public Viewing“ organisiert. Ab 19 Uhr geht es dort los. Für Getränke sei gesorgt, so Lies.

von Dominic Heitz

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