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Die „Pioniere“ geben Rat in Sachen Bioenergie

Tag der offenen Tür in Oberrosphe Die „Pioniere“ geben Rat in Sachen Bioenergie

Bioenergiegenossenschaften sind gerade ein großes Thema. In Oberrosphe war man seiner Zeit voraus. Bereits 2008, als die wenigsten an die Umsetzbarkeit glaubten, hat man hier Nägel mit Köpfen gemacht.

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Hans Bertram, Vorstandsmitglied der Bioenergiegenossenschaft Oberrosphe, erklärte beim Tag der offenen Tür zahlreichen Gruppen die Funktion des Biomasseheizwerks.

Quelle: Martina Becker

Oberrosphe. Erstmals stellten die Betreiber ihre Anlage mit einem Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit im Detail vor. Das Interesse war groß, 860 Menschen wollten von dort hilfreiche Informationen mit in ihre Gemeinden oder Dörfer nehmen.

Dass die Anlage in Oberrosphe ein echtes Vorzeigemodell sei, erklärte Hans Bertram, Mitglied des Vorstandes der Genossenschaft. „Ich bin mehr oder Weniger der Erfinder der Brötchensuppe“, sagte er scherzhaft. Er habe im Dezember 2005 mit dem Pfarrer Bernd Arlt die Idee für das „energieautarke und CO2-neutrale Dorf im Burgwald“ geboren. Heute werden damit 125 Haushalte in Oberrosphe mit Nahwärme aus dem Biomasseheizwerk versorgt. Das Limit liegt bei 180 Haushalten. Die Gesamtlänge des Netzes beträgt sieben Kilometer.

Gefördert und unterstützt wurde das Biomassekraftwerk plus Photovoltaikanlage vom Landkreis Marburg-Biedenkopf, der Stadt Wetter und der Region Burgwald. Mittlerweile hat sich das Objekt weiterentwickelt. Nicht mehr nur Holzhackschnitzel sorgen für warme Stuben und warmes Wasser. Ergänzt wurde das Ganze mit einer Biogasanlage, die der Lohnunternehmer Stefan Lölkes vergangenes Jahr in Mellnau gebaut hat. Da dort bislang keine Abnahme der Wärme zustande kam, nahm Oberrosphe die Kooperation „dankend“ an. Leitungen bringen jetzt über eine Distanz von 1,4 Kilometern Biogas zur Anlage nach Oberrosphe.

Windkraft soll die Anlagen der Genossen ergänzen

Das Biogas wird im neu gebauten Blockheizkraftwerk verstromt und in das Netz eingespeist. Die dabei anfallende Abwärme wird über das bestehende Nahwärmenetz zu den Abnehmern im Bioenergiedorf gebracht. 440 Kilowattstunden thermische- und 420 Kilowattstunden Strom sind es täglich. Aufgrund dieser zusätzlichen Energiequelle steht in den Sommermonaten die Hackschnitzelanlage still.

„Früher haben wir 3500 Kubikmeter Hackschnitzel im Jahr verbraucht, jetzt ist es nur noch etwa die Hälfte“, erzählte Bertram. Zu Schnitzeln verarbeitet wird in der Hauptsache Straßenbegleitgrün oder Landschaftspflegeholz. Zudem wird auf dem Markt zugekauft. Die aktuelle Kombination der Brennstoffe macht die Anlage flexibel und sichere nachhaltig die Preise. Dieses Konzept und überhaupt die ganzen organisatorischen und planerischen Details waren am Sonntag von großem Interesse der Besucher, die teilweise weit angereist kamen, und das auch über den Landkreis hinaus. Viele Bioenergiedörfer sind noch in der Entstehung und Entwicklung. Da ist Knowhow gefragt.

„Den meisten ist es am liebsten, wenn man ihnen eine To-Do-Liste für die Umsetzung eines solchen Vorhabens mit auf den Weg gäbe“, erzählte Bertram. Er bot über den Tag zahlreiche Führungen durch die Anlage an. Nicht nur die Entwicklungsgeschichte, sondern auch die Anlage selbst mit Druckhaltestation, E-Filter, Rauchgasvorfilteranlage oder Abgaswärmetauscher wurden erklärt, womit die überdimensionale Heizung auch für den Laien begreifbar wurde. Bertram und seine Vorstandskollegen haben bereits die nächste Idee. Ein Windkraftrad solle zukünftig die Energie für den Betrieb der Anlage spenden. Die Stadtwerke Marburg als Stromversorger der Anlage sowie der Photovoltaikanlagenbauer Sames ergänzten das Informationsangebot. Außerdem führte Reinhard Lind mit seinen Maschinen vor, wie Baumstämme zu Hackschnitzeln werden. Er hat sich auf die Herstellung des „Futters für Biomasseheizwerke“ spezialisiert.

von Martina Becker

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