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Die Nikolaikirche ist auch Maria geweiht

Caldern Die Nikolaikirche ist auch Maria geweiht

Mit einem Festgottesdienst mit Theateranspiel zum Klosterleben, einem geschichtlichen Vortrag und der Enthüllung einer Informationstafel wurde am vergangenen Sonntag der ersten Erwähnung der Nikolaikirche in Caldern gedacht.

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Marga Muth (von links), Florian Erle und Christa Schneider stellten in einem Anspiel dar, wie einst das Klosterleben der Zisterzienserinnen in Caldern ausgesehen haben mag.

Quelle: Manfred Schubert

Caldern. Mit einer heute im Hessischen Staatsarchiv in Marburg aufbewahrten Urkunde bestätigte der Mainzer Erzbischof Siegfried am 9. Oktober 1235 dem Priester Heinrich von Caldern die Schenkung von Gütern zu Brungershausen an die Kirche zu Caldern, berichtete Heinz Loth. In seinem Vortrag erläuterte er den etwa 110 Besuchern des Festgottesdienstes am zweiten Advent, dass die Nikolaikirche wohl einige Jahrzehnte vor diesem Datum errichtet wurde. Über die Stifter, Gründer oder Erbauer sei aber nichts bekannt.

Loth stellte mehrere mögliche Varianten zur Entstehung der Kirche und der Klosteranlage vor. Zwischen 802 und 817 schenkte der Calderner Grundherr Wichelm alle seine Güter dem heiligen Bonifatius und damit dem Kloster Fulda. Es dürften Benediktinermönche zu deren Verwaltung nach Caldern gekommen sein, die einen neuen Außenhof mit Klosterzelle und Kapelle errichteten.

Oder: Mit der Ende des 11. Jahrhunderts einsetzenden Wallfahrerbewegung von Norden nach Palästina entstanden Herbergen und Kirchen entlang der großen Straßen, zugleich errichteten die Handelsgesellschaften für Salz und Pfeffer Depots und Genossenschaftskirchen, die alle dem heiligen Nikolai von Myra geweiht wurden. Caldern lag im Kreuzungsbereich zweier Handelsstraßen und nahe einer Lahnfurt, so könnte auf dem heutigen Klos­terberg eine Nikolaikirche mit Herberge und Warenlager entstanden sein. Um 1154 pilgerte der isländische Abt Nicolas Bergson nach Rom. In seinem Tagebuch schreibt er, in Caldern Station gemacht zu haben, was voraussetze, dass es eine Kirche, Klosterzelle oder Herberge gegeben haben muss.

Als weiterer möglicher Erbauer, so Loth, komme der Deutsche Orden in Frage, der in Caldern über beachtlichen Grundbesitz verfügte. Die Anordnung seiner Gebäude entsprach der mittelalterlichen Klosterbauweise. Es könnte sich auch eine Verflechtung mehrerer Varianten in Caldern ergeben haben. Ziemlich sicher sei aber, dass die Zisterzienserinnen, denen Landgräfin Sophie von Hessen im Jahre 1250 ihren Besitz auf dem Berg schenkte, im Umfeld der Pfarrkirche bereits einige öffentlich genutzte Gebäude vorfanden. Denn die Anordnung der Gebäude passe nicht zur Zisterzienserarchitektur und der spätromanische Baustil der Kirche falle in die Zeit zwischen 1150 und 1200, als Nikolai von Myra der beliebteste Namenspatron war.

Nach dem Gottesdienst enthüllte der Heimat- und Geschichtsverein vor der Kirchmauer eine Informationstafel über eine Rekonstruktion der früheren Klosteranlage. Anschließend gab es Gelegenheit zu einem adventlichen Beisammensein in der Marienkapelle im Seitenschiff und zu einer Führung mit Heinz Loth zu den Kirchenfenstern.

von Manfred Schubert

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