Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis „Der letzte Ausweg vor dem Verfall“
Landkreis Nordkreis „Der letzte Ausweg vor dem Verfall“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:54 07.06.2017
Die ältesten Teile der Alten Kirche stammen aus dem Jahr 1100. Ab 1685 bekam das Kirchlein sein Obergeschoss und die Empore. 1970 wurde die Kirche entwidmet, seither wird sie ausschließlich für Kulturveranstaltungen genutzt. Quelle: Tobias Hirsch
Bürgeln

Der Kulturverein Alte Kirche Bürgeln hat sich von dem Plan verabschiedet, zusammen mit der Gemeinde Cölbe und dem Landkreis als geldgebende Gründungsmitglieder eine Genossenschaft zum Erhalt des Kulturdenkmals ins Leben zu rufen. Die Diskussion über diese Lösung lief seit 2015 – nun ist das Schnee von gestern. „Kreis und Gemeinde haben inzwischen plausibel dargestellt, dass eine Beteiligung bei ihnen nicht ins Budget passt – im Wesentlichen ist dies das Resultat der Schuldenbremse“, sagt Dr. Kurt Bunke, Vorsitzender des Kulturvereins.

Als neues Konzept zum Erhalt der Kirche diskutieren die Kulturvereins-Mitglieder derzeit die Übernahme des Baudenkmals, das als Schenkung vom derzeitigen Besitzer, dem Förderkreis Alte Kirchen, auf den Kulturverein übergehen könnte. „Es geht dabei um Zukunftssicherung“, sagt Bunke. Der Förderkreis Alte Kirchen, der seit 1984 Eigentümer der Alten Kirche Bürgeln ist und sie in den 1970er-Jahren vor dem Abriss rettete, bestehe vorwiegend aus älteren Menschen. Gebraucht würden jüngere, aktive Mitglieder, führt der 68-Jährige aus. „Dass wir als Kulturverein die Kirche übernehmen und dann eine Struktur mit Fördermitgliedern aufbauen, ist die einzige Alternative. Es ist auch der letzte Ausweg vor dem Verfall der Alten Kirche.“

Verhandlungen mit dem Denkmalschutz

Die Entscheidung, ob es zu der Schenkung kommt, soll in den kommenden Wochen fallen. Die Zeit drängt ein wenig. 2018 ist das Jahr des europäischen Kulturerbes – und bis dahin bräuchte der Kulturverein als potenzieller neuer Eigentümer ein tragfähiges Konzept für Erhalt und Betrieb des Baudenkmals. „Denn dann fließen Drittmittel in Hülle und Fülle – das Geld aus Stiftungen könnte uns sehr bei der Sanierung helfen“, betont Bunke, der bereits auf rund 100.000 Euro vom Landesamt für Denkmalpflege hofft.

Eine Summe, die früheren Schätzungen zufolge ausreichend sein könnte, um an der Alten Kirche das Nötigste zu erledigen. „Das Dach muss abgedichtet werden, wir wollen die historische Wandmalerei im Innenraum konservieren und die Kirche braucht einen neuen Außenanstrich“, führt Bunke auf. Über alles Weitere müsse verhandelt werden – mit dem Denkmalschutz, aber beispielsweise auch mit der Gemeinde Cölbe. Bunke denkt an die Option, die Alte Kirche für standesamtliche Trauungen nutzbar zu machen, so wie es bei der Alten Kirche in Niederweimar sehr erfolgreich geschehen ist. „Dazu müssten wir eine Heizung einbauen lassen“, erklärt Bunke. Denn gegenwärtig kann das kleine Kirchlein nicht beheizt werden, deshalb finden Konzerte und Lesungen auch nur in der Sommersaison statt. „Für Trauungen sollte die Kirche dann ja ganzjährig zur Verfügung stehen“, sagt Bunke.

Bürgelns Kulturverein mit ­seinem Vorsitzenden Dr. Kurt Bunke organisierte Konzerte und Lesungen in der Alten Kirche und will sie – inklusive der historischen Wandbemalungen – möglichst ab dem kommenden Jahr sanieren lassen. Foto: Tobias Hirsch

Auch, wenn der Kreis aus finanziellen Gründen kein Interesse hat, sich genossenschaftlich an der Alten Kirche zu beteiligen oder sie gar in sein Eigentum zu übernehmen, wie vor 23 Jahren bei der Alten Kirche Wommelshausen geschehen, sieht der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) Möglichkeiten, wie der Kreis den Kulturverein bei seinen Bemühungen um den Erhalt der Alten Kirche unterstützen könnte. „In kleinem Rahmen“ könnte der Kreis aus seinem Zuschusstopf für Denkmalsanierungen etwas beisteuern, sagt Zachow. Und die Denkmalagentur des Landkreises, die voraussichtlich im Herbst dieses Jahres an den Start geht, könnte beratend tätig werden, wenn es ums Einwerben von weiteren Fördergeldern geht, schlägt der Erste Kreisbeigeordnete vor.

Um die Zukunft der Alten Kirche, die Eigentumsverhältnisse und die Sanierung soll es am Freitag, 30. Juni, während einer Informationsveranstaltung gehen. Der Kulturverein lädt ab 19.30 Uhr alle Mitglieder, künftige Mitglieder, Künstler und Kulturschaffende in die Alte Kirche ein, um über neue Wege für das alte Baudenkmal zu diskutieren.

Vor zehn Jahren haben die Bürgelner es durch den Kulturverein geschafft, die Alte Kirche aus einer Art Dornröschenschlaf zu erwecken. Seither hat sich das Baudenkmal bei Musikern und Künstlern aus der Region einen Namen gemacht.
Etwa sechs Konzerte und Lesungen stellen die Bürgelner alljährlich in der Sommersaison auf die Beine. Mit rund 80 Besuchern sei das Kirchlein dann oftmals vollbesetzt, sagt Bunke.

  • Die nächste Veranstaltung in der Alten Kirche ist am Samstag, 24. Juni, ab 18 Uhr ein griechischer Kulturabend mit Dora Dimitroulia. „Ungewisse Fahrt“ heißt das Programm mit Gedichten, Liedern, Informationen, Fotografien und Zeitdokumenten, die durch die jüngere Geschichte Griechenlands führen. 

von Carina Becker-Werner