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Der lange Weg zur „Plus-Gemeinde“

Klimaschutzkonzept Der lange Weg zur „Plus-Gemeinde“

Arbeitsplätze sichern und schaffen, die Energiewende anpacken, Geld sparen und in der Region behalten: Das Klimaschutzkonzept der Nordkreiskommunen zeigt Chancen auf, für deren Verwirklichung es aber einen langen Atem und viele Mitstreiter braucht.

Wetter. Weniger Energie verbrauchen, mehr selbst erzeugen – auf diesen Nenner lässt sich das bringen, was die beauftragten drei Kasseler Ingenieur-Büros im vergangenen Jahr gemeinsam erarbeitet haben und etwa 50 Vertretern der Gemeindegremien und Bürgern am Donnerstagabend in der Stadthalle in Wetter präsentierten.

Neu sind all diese Vorschläge nicht, doch geben sie den beteiligten drei Gemeinden und der Stadt Wetter auf gut 130 Seiten einen Überblick über den Ist-Zustand beim Energiebedarf in öffentlichen und privaten Gebäuden und über die bestehenden energieerzeugenden Anlagen auf dem Gemeindegebiet.

Zugleich zeigt das Konzept, das Armin Raatz von der Firma Mut-Energiesysteme und Sven Klaus vom Zentrum für umweltbewusstes Bauen vorstellten, das Potenzial, das es im Nordkreis gibt. Im Idealfall könnten die vier Kommunen auf längere Sicht gemeinsam zu „Plus-Gemeinden“ werden, die in ihren Grenzen mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen.

Bis dahin ist es freilich ein weiter Weg. Immerhin, das „Aufgabenheft“ dafür bekamen die Bürgermeister, Gemeindevorstände und Parlamente am Donnerstag in die Hand. Und sie können es – je nach Kassenlage – mit unterschiedlich großem Elan angehen. Mit den drei Szenarien „Baseline“ (konservativ), „Zukunft“ und „Pionier“ (starker Ausbau) skizziert das Konzept die Entwicklung bis 2030 oder 2050.

Wer sich als „Pionier“ sieht und es schafft, dass pro Jahr in seiner Gemeinde rund 4 Prozent der Wohngebäude energieeffizient saniert werden, und wer zugleich den Anteil selbst erzeugter Energie steigert, könnte demnach im Jahr 2030 seinen Energiebedarf nahezu aus eigenen Quellen decken. Die Schritte, die in den vier Gemeinden bereits umgesetzt sind, seien dafür ein guter Grundstock.

Wer dagegen die Entwicklung einfach laufen lässt, tritt auf der Stelle und verpasst.

Wie dramatisch sich die Welt verändern wird, wenn das Umsteuern in der Klimapolitik nicht ganz bald und spürbar geschieht, brachte am Donnerstag Dr. Clemens Mostert vom Kompetenznetzwerk Dezentrale Energietechnologien (deenet) in Kassel auf den Punkt, der den Besuchern in einem Grundlagen-Vortrag den Zusammenhang von ungebremstem Treibhausgas-Ausstoß und der Veränderung des Weltklimas verdeutlichte. Wenn die Menschheit nicht bis 2050 den CO2-Ausstoß um 80 Prozent reduziere, werde man die Erde nicht mehr wiedererkennen, so Mostert.

von Michael Agricola

Mehr lesen Sie am Samstag in der Printausgabe der OP.

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