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Nordkreis Den Schadstoff-Wegen auf der Spur
Landkreis Nordkreis Den Schadstoff-Wegen auf der Spur
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18:33 01.08.2012
Das Gelände der Marburger Rohstoffverwertung in Goßfelden. Quelle: Thomas Breme
Goßfelden

In einem „Statusgespräch“ berieten Experten des Regierungspräsidiums (RP)Gießen und die Geschäftsführung der MRV über Fortschritte auf dem Werksgelände in Goßfelden, über die Schadstofffrage und über das, was noch für eine Neufassung der Betriebsgenehmigung getan werden muss. Die OP dokumentiert die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Protokoll des Treffens.

Konkrete Festlegungen folgten aus dem Treffen nicht, weil viele Untersuchungen noch nicht abgeschlossen oder abschließend bewertet worden sind. Das bedeutet auch, dass nach wie vor die Betriebsgenehmigung so in Kraft ist wie, noch mit der alten Geschäftsführung, vom RP Gießen erlassen und ergänzt.

Betrieb

Die Halden mit sogenannter Schredderleichtfraktion (SLF), also den überwiegend nichtmetallischen Reststoffen aus dem Schredderbetrieb, wurden von der neuen Geschäftsführung deutlich reduziert und werden in wöchentlichem Rhythmus abgefahren. Das war ein wichtiger Kritikpunkt der Bürgerinitiative Windrose in den vergangenen Jahren gewesen.

Die bislang gültige Genehmigung, die größere Lagermengen an SLF erlaubt, verlangt vom Betreiber allerdings den Einsatz eines sogenannten „Dustclear“-Schaums, der dem Material im Schreddergebäude beigemischt wird und so die Staubentwicklung unterdrücken soll.

Der Bevollmächtigte des Unternehmens, Professor Reinhard Müller, stellte dar, dass aufgrund der geringeren in Anspruch genommenen Lagermenge das Schreddermaterial derzeit stattdessen mit Wasser besprüht werde.

Lagerung

Das RP ordnet die Schredderleichtfraktion weiterhin als „nicht gefährlichen Abfall“ ein. Wäre es „gefährlicher Abfall“, unterläge es deutlich strengeren Anforderungen unter anderem an den Gesundheits- und Umweltschutz.

Eine Kontrolle durch das RP auf dem Gelände erbrachte im März eine Korrektur der Stapelhöhe bei den Autowrack-Päckchen. Verbessert habe sich neben der Reduzierung der SLF-Halden noch mehr: Ein Spänelager sei in geschlossene Container verlegt worden, die Lagerung von Batterien erfolge in festen Mulden und der Löschwasserbehälter wurde demnach instand gesetzt. Der Vorzerreißer der Anlage werde nicht repariert, da die Autopakete weiterverkauft würden.

Offen ist auch noch die Frage einer Sanierung der Platzbefestigung. Dort waren Mulden im Verbundpflaster festgestellt worden. Saniert werden könnte dies durch Betonierung. Die Entscheidung darüber soll fallen, wenn der Betreiberwechsel feststeht. Die Scholz AG, in deren Auftrag die derzeitige Geschäftsführung handelt, hat nach Aussagen von Professor Müller weiterhin nicht entschieden, ob sie den Standort Lahntal übernimmt. Das hängt davon ab, welche Auflagen sie erfüllen muss und welche Investitionen sie tätigen müsste, zum Beispiel durch die Sanierung des Bodens. Nach OP-Informationen sind Scholz-Mitarbeiter aber bereits auf der Suche nach nahegelegenen Immobilien.

Grundwasser

Aus Sicht der Behörde besteht die Notwendigkeit einer weiteren Grundwasseruntersuchung, um zu prüfen, ob und wie Schadstoffe ins Grundwasser gelangen können. Die bisherigen „punktuellen Grundwasserbeprobungen“ seien dafür „noch nicht repräsentativ genug“. Die MRV gibt an, eine Überprüfung des Grundwassers zu einem späteren Zeitpunkt zu planen. Sie will, dass bei umfassenderen Untersuchungen auch andere mögliche Verursacher miteinbezogen werden. Nach Ansicht des RP weisen die gefundenen Belastungen im Boden jedoch auf die MRV als Verursacher hin.

Die bislang gefundenen Schadstoffkonzentrationen im Boden und in den Futtermitteln, so hatte das Regierungspräsidium festgestellt, rührten nicht vom Großbrand am 1. Juli 2011 her. Also gibt es hier weiterhin Klärungsbedarf.

Immissionsmessungen

Professor Müller weist darauf hin, dass bei einer Bewertung aus seiner Sicht auch die Möglichkeit weiterer Verursacher einbezogen werden müsste. Hier kommt aus der Sicht des RP aber „kaum ein anderer Emittent in Betracht, vor allem deshalb, weil die gefundenen Schadstoffbelastungen schwerpunktmäßig auf dem Betriebsgelände und im unmittelbaren Umfeld angesiedelt sind“.

Demnächst soll ein Messprogramm beginnen, mit dem die auf den betroffenen Flächen ankommenden Immissionen mit entsprechenden Behältern regelmäßig überprüft werden. Eine Immissionsprognose, die von der MRV vorgelegt wurde, reicht dem RP nicht aus.

Ziel des Vorgehens mittels Immissionsprognose sei gewesen, so die Gießener Immissionsschutz-Experten, dass auch diffuse Quellen mit berücksichtigt würden. Hierfür seien die Ergebnisse aus der Prognose aufgrund vieler darin getroffener Annahmen aber noch nicht hinreichend konkretisierbar. Dies soll mit Messungen verifiziert werden.

Futtermittel

Die Untersuchungen des diesjährigen Aufwuchses auf verschiedenen nahegelegenen Grundstücken haben stattgefunden. Die Ergebnisse hat das RP noch nicht veröffentlicht. Sollte auch dieses Jahr das Gras von nahegelegenen Wiesen wegen zu hoher Schadstoffkonzentration vernichtet werden müssen, was nach OP-Informationen der Fall ist, will die MRV dies nur bezahlen, wenn die Ergebnisse dies notwendig machen und das RP das Analyseverfahren gegenüber dem Betreiber bekanntgeben werde.

Die RP-Experten halten es bei den bisher vorgefundenen futtermittelrechtlichen Grenzwertüberschreitungen auch für möglich, „dass diese durch Aufwirbelungen von belastetem Boden bei der landwirtschaftlichen Bodenbearbeitung an die Pflanzen zustande gekommen sein“ könne. Ein weiterer Weg könne „natürlich auch der direkte Luftweg“ sein.

Der Hundeübungsplatz direkt neben dem Werksgelände wird trotz seiner Lage innerhalb der belasteten Flächen nicht weiter untersucht, da hier keine Futtermittel gewonnen werden.

von Michael Agricola

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