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Nordkreis Streit um Schulhort in Schönstadt
Landkreis Nordkreis Streit um Schulhort in Schönstadt
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00:17 21.01.2019
Die Eltern der Schönstädter Kinder bei der letzten Sitzung der Gemeindevertretung im Dezember 2018. Quelle: Dominic Heitz
Schönstadt

Mitte 2018 hatte die Gemeinde Cölbe die Finanzierung des Schulhorts in der Schönstädter Kindertagesstätte aufgekündigt. Weil eigentlich der Landkreis für die Nachmittagsbetreuung der Kinder zuständig sei, so das Argument. Zudem brauche die Gemeinde die Räume in Schönstadt für Krippenkinder.

Hintergrund: Die evangelische Kirche betreibt in Schönstadt einen Kindergarten in einem Haus der Gemeinde. Außerdem können Schulkinder dort ihre Nachmittage verbringen. Die Gemeinde hatte deren Betreuungskosten jahrelang freiwillig gezahlt. Damit sollte zum Sommer dieses Jahres Schluss sein. Doch dann turnte die Gemeindevertretung eine Rolle rückwärts und verlängerte die Finanzierung um ein Jahr. Stand heute ist das lediglich eine verlängerte Schonfrist.

Streitparteien beharren auf ihren Positionen

Cölbe, Kirche und Kreis – in dem Streit gibt es drei Parteien und die Familien sitzen mit ihren Sorgen irgendwo dazwischen. Die Gemeinde möchte die Betreuung nicht mehr zahlen. Die Kirche möchte den Hort weiterführen. Und der Landkreis will, dass die Kinder nach Schulschluss in der Schule bleiben, statt in den Kindergarten zu gehen.

Die Institutionen beharren nicht nur auf ihren Positionen, sondern machen sich darüber hinaus Vorwürfe, weil sich die jeweils andere Seite nicht bewegt. Bürgermeister Volker Carle hätte in der Schönstädter Kita gern Platz für Krippenkinder. Dazu soll das Gebäude in Schönstadt umgebaut werden. Ein Konzept dafür gibt es aber noch nicht. Auch, weil sich die Kirche sträube, so Carle.

Dem widerspricht Pfarrer Michael Fröhlich. „Wir sperren uns da nicht“, sagt er auf OP-Nachfrage. Fröhlich gibt den Vorwurf postwendend an den Bürgermeister zurück. Die Gemeinde müsse die baulichen Voraussetzungen für eine U3-Gruppe schaffen, sagt er.

Kirche will Hort halten

Allerdings sei es der Kirche auch wichtig, die Hortbetreuung wie bislang weiter anbieten zu können. Das Konzept sei erprobt. Viele Kinder, die mittlerweile in die Schule gehen, seien früher dort in die Kita gegangen. Sie kennen sich dort aus. Es sei ein wenig, wie nach Hause kommen, wenn sie nach Schulschluss im Kindergarten eintreffen, so Fröhlich.

Nachdem die Gemeinde ihren Rückzug aus der Finanzierung in die Wege geleitet hat, muss nun der Landkreis seiner Verpflichtung nachkommen und die Betreuung übernehmen. In einer Stellungnahme macht das Landratsamt deutlich, dass er die Unterbringung in dem kirchlichen Kindergarten aber nicht bezahlen will. Vielmehr sollen die Kinder in den kreiseigenen Liegenschaften betreut werden, also den Schulen.

Es sei ein Ziel, die Schulstandorte zu stärken, so ein Argument. Dazu gehöre auch, Schule und Betreuung räumlich eng miteinander zu verzahnen. Dahinter stehe das pädagogische Konzept, möglichst keine gemischten Gruppen aus Grundschul- und Kindergartenkindern zu haben. „Sobald Kinder den wichtigen Entwicklungsschritt vom Kindergarten zur Grundschule absolviert haben, möchten sie den Alltag – also auch die Nachmittagsbetreuung – im schulischen Kontext erleben“, heißt es in einer Presseerklärung des Kreises.

Eltern sorgen sich um die Betreuung ihrer Kinder

Darüber hinaus sei es nicht möglich, einen einzelnen Standort mit individuellen Wünschen und Vorstellungen zu berücksichtigen. Denn der Kreis müssen die Betreuung von rund 2 100 Kindern an mehr als 50 Grundschulstandorten organisieren. „Einzellösungen sind daher schwer abzubilden.“

Die Eltern sorgen sich, wie es in Schönstadt mit ihren Kindern weitergehen soll. Am liebsten wäre es ihnen, wenn alles so bliebe, wie bislang. Im Oktober des vergangenen Jahres hatte die Elternvertretung ein Positionspapier verfasst und an die beteiligten Institutionen verteilt. Es sei abzusehen, schreiben sie, dass sich die Betreuung unter Trägerschaft des Landkreises verschlechtern könnte. „Wir sehen in den bisherigen Überlegungen nicht, wie die Qualität und die guten Rahmenbedingungen, welche die jetzige Hortbetreuung gewährleistet, in dieser Form auch an einem anderen Standort in anderer Trägerschaft fortbestehen könnte.“

Ein weiteres Argument der Eltern greift genau dort an, wo der ganze Konflikt seinen Ursprung hat: bei den Kosten. Der Betrag, den die Gemeinde bislang für die Betreuung ausgibt, sei vergleichsweise gering, sagen die Eltern. Pfarrer Michael Fröhlich sagt, dass die Kirche rund 36 000 Euro im Jahr von Cölbe dafür verlangt. Fröhlich bezweifelt, dass der Landkreis diese Leistung zum gleichen Preis erbringen kann. Das Landratsamt hält sich hierzu bedeckt und teilt mit, dass eine seriöse Kalkulation erst nach abschließender Prüfung erfolgen könne.

von Dominic Heitz