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Nordkreis Cölbe will seine 775 Jahre groß feiern
Landkreis Nordkreis Cölbe will seine 775 Jahre groß feiern
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00:18 16.03.2019
Mit Schildern an den Ortseingängen von Cölbe und Bannern weist die Gemeinde auf die 775-Jahr-Feier hin. Das Schild präsentieren Roland Moucka (von links, Sachbearbeiter für Marktwesen bei der Gemeinde), Hans Rösel (Erster Beigeordneter), Dr. Jens Ried (zukünftiger Bürgermeister), Jörg Drescher (Vorsitzender Heimatverein) und Anke Stark (Sachbearbeiterin bei der Gemeinde, mit Organisation der Jubiläumsfeiern betraut).  Quelle: Julia Carp
Cölbe

Jetzt können die Jubiläumsfeiern kommen: Mit Schildern an den Ortseingängen von Cölbe und Bannern an verschiedenen Stellen im Dorf weist die Gemeinde darauf hin, dass der Kernort in diesem Jahr etwas Besonderes zu feiern hat.

775 Jahre wird Cölbe alt – besser gesagt: mindestens 775. Wie lange der Ort schon besteht, weiß niemand genau. Aber vor 775 Jahren wurde „Culbe“ zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt.

Und dieses Jubiläum wollen die Cölber groß feiern – unter anderem bei einem Festwochenende vom 6. bis 8. September, zu dem auch Gäste aus der polnischen Partnerstadt Koscierzyna eingeladen sind. Daneben gibt es viele weitere Jubiläumsveranstaltungen (siehe Hintergrund-Kasten).

„Alle größeren Veranstaltungen der Vereine stehen unter dem Motto ‚775 Jahre Cölbe‘“, sagt Jörg Drescher. Er ist Vorsitzender des inzwischen mehr als 30 Mitglieder zählenden Heimatvereins, der erst Ende vergangenen Jahres mit Blick auf das Jubiläum gegründet wurde.

„Es macht keinen Sinn, die Jubiläumsfeier einen der bestehenden Vereine organisieren zu lassen. Es ist besser, wenn man das in einem neuen Verein bündelt“, erklärt der zukünftige Bürgermeister Jens Ried, der am 16. Mai die Amtsgeschäfte im Rathaus vom derzeitigen Bürgermeister Volker Carle übernehmen wird.

Um eine Amtsübernahme ging es auch vor 775 Jahren, als „Culbe“ erstmals urkundlich erwähnt wurde. Ritter Andreas von Marburg erhielt vom Stift Wetzlar am 11. April 1244 auf Lebenszeit das Amt des Meiers zu Cölbe gegen einen Jahreszins zum Leben.

In späteren Urkunden hieß der Ort „Kulbe“, „Kolbe“, „Koelbe“, „Kolwe“, „Kolbe“, „Kölb“ und „Kölbe“. Was der Name bedeutet, woher er stammt und wie lange das Dorf schon existiert, ist unbekannt.

Im Mittelalter sei Cölbe „absolut unbedeutend“ gewesen, sagt Ried. Schönstadt und Bürgeln waren historisch wichtiger, weil dort adlige Familien wohnten. Kein Wunder, dass Schönstadt deutlich früher urkundlich erwähnt wurde: 2025 wird der Ortsteil seine 800-Jahr-Feier haben, berichtet Ried.

Zuvor sind aber noch zwei andere Ortsteile an der Reihe: Reddehausen feiert nächstes Jahr 725 Jahre, Bürgeln blickt 2023 auf 750 Jahre zurück. Anlässlich der verschiedenen Jubiläen will die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Historiker Prof. Dr. Stefan Tebruck (Universität Gießen) in den Dörfern Tafeln anbringen, auf denen der lateinische Text der Ersterwähnung und die deutsche Übersetzung des Urkundentextes zu lesen sind, sagt Ried.

„Der Aufschwung Cölbes begann erst mit der Bahn“, erzählt Drescher. 1850 wurde die Main-Weser-Bahn gebaut. Lebten im Jahr 1900 nur 660 Menschen im Dorf Cölbe, wurden es im Laufe der Jahrzehnte mehr als 3 000. Heute hat die Gemeinde mit ihren sechs Ortsteilen rund 7 500 Einwohner.

Auf die Ortsteile nimmt mit den sechs herzförmigen Lindenblättern auch das Jubiläumslogo Bezug, das der Bürgelner Tobias Grebestein gestaltet hat. Der Lindenbaum ist ein Symbol für Cölbe – auch im Wappen der Gemeinde sind Lindenblätter zu finden, erklärt Anke Stark von der Gemeindeverwaltung. Wellen und Brückenbögen im Logo stehen für die Lage Cölbes an Lahn und Ohm.

Kinderkonzerte, Flohmarkt und Frühschoppen

Die Geschichte Cölbes wird im Festjahr auch eine Rolle spielen – „wir sind noch in der Feinplanung, wahrscheinlich wird es eine kleine Ausstellung geben, zum Beispiel mit Trachten“, sagt Drescher. Fest steht, dass der Höhepunkt des Jubiläumsjahres Anfang September sein wird.

Für Freitag, den 6. September ist das Konzert eines Kinderliedermachers geplant. Am Samstag, 7. September, soll es – passend zum „Tag der Orgel“ – in der evangelischen Kirche ein Mitmach-Konzert für Kinder geben. Zudem organisiert der Verein „Junge Entwicklung fördern“ (JEF) einen Kinder- und Jugendtag mit Aktionen für verschiedene Altersgruppen.

Am Samstagabend ist ein Jubiläumsempfang mit offiziellen Gästen geplant, darunter eine mehr als 20-köpfige Delegation aus der polnischen Partnerstadt Koscierzyna. Nach dem offiziellen Empfang mit Grußworten folgt ein bunter Festabend, bei dem die Goßfeldener Grenzgangmusikanten Partymusik spielen werden.

Der Sonntag, 8. September, beginnt mit einem ökumenischen Festgottesdienst in der Gemeindehalle. Anschließend gibt es einen Frühschoppen mit dem Bläserchor Schönstadt. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Eine Woche vor dem Festwochenende, am Samstag, 31. Oktober, steht der Dorfflohmarkt in Cölbe ebenfalls im Zeichen des Jubiläums. Dasselbe gilt für den Rotweinlauf am Sonntag, 13. Oktober. Die Veranstaltung für Läufer, Spaziergänger und Mountainbiker, bei der Vereine in allen Ortsteilen entlang der 27 Kilometer langen Strecke Verpflegungsstationen aufbauen, findet alle zwei Jahre statt. Sie wurde aber diesmal bewusst ins Jubiläumsjahr verschoben.

von Stefan Dietrich