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Nordkreis Caldern: Polizist schoss in Notwehr
Landkreis Nordkreis Caldern: Polizist schoss in Notwehr
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00:16 28.08.2018
Die Anwohner der Burgstraße wurden am späten Abend von Schüssen aufgeschreckt. Quelle: Nadine Weigel
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Caldern

Greift in Deutschland ein Polizeibeamter im Dienst zur Waffe und schießt auf einen Menschen, muss er sich immer anschließend dafür verantworten. Stirbt der Getroffene, übernimmt in Hessen gleich das Landeskriminalamt den Fall. Der 46-Jährige Mann aus Caldern, der im Juni seine Frau angriff, hat den Schuss in sein Bein überlebt. Deshalb ermittelte die Marburger Staatsanwaltschaft gegen­ den Polizisten, der auf den Mann schoss.

Stiche gegen die Polizisten angedeutet

Wie Staatsanwalt Oliver Rust auf OP-Nachfrage mitteilte, wurden die Ermittlungen gegen den Beamten eingestellt. Die Untersuchung habe ergeben, dass der Polizist in Notwehr zur Waffe griff. Rust rekonstruierte­ die dramatischen Augenblicke­ jenes Abends: Gegen 23.10 Uhr trafen die ersten Beamten in der Burgstraße ein. Eine Frau war von ihrem Mann angegriffen worden. Von dem fehlte zunächst jede Spur.

Kurze Zeit später, zwischen 23.20 und 23.30 Uhr, fanden die Polizisten ihn an der Ecke Rimbergstraße und Klosterbergstraße. Zu diesem Zeitpunkt war der Mann laut Staatsanwaltschaft mit drei Küchenmessern bewaffnet. Zudem war er an einer Hand und am Hals verletzt. Die Verletzung an der Hand könnte er sich laut Staatsanwaltschaft zugezogen haben, als er sich gewaltsam Einlass in seine Wohnung verschaffte; die am Hals habe er sich selbst zugefügt.

Mann war wegen häuslicher Gewalt bekannt

Die Beamten zweier Streifenwagen näherten sich dem 46-Jährigen und forderten ihn mehrmals auf, die Messer fallenzulassen. Zwei Messer legte der Mann beiseite, mit dem dritten kam er auf die Polizisten zu. Dabei habe er Stiche gegen die Beamten angedeutet. „Bringt es zu Ende“ und „ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr“ habe er den Polizisten zugerufen, so Staatsanwalt Rust.

Immer wieder forderten die Beamten den Mann auf, das Messer fallenzulassen. Als er sich einem Polizisten bis auf wenige Meter genähert hatte, drohte der Beamte dem Mann mit dem Gebrauch der Dienstwaffe. Der 46-Jährige war nur noch etwa vier Meter von dem Polizisten entfernt, als dieser ­einen Warnschuss abgab. Doch der Mann ließ nicht ab und kam noch näher. Dann schoss der Beamte ein zweites Mal. Diesmal zielte er auf den Mann. Der Schuss schlug durch dessen Bein. Der Mann ließ sogleich das Messer fallen und die Polizisten überwältigten ihn.

Der 46-Jährige aus Caldern sitzt nun in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchtem Totschlag ermittelt. Es war nicht das erste Mal, dass der Mann gegenüber seiner Frau handgreiflich geworden war. Schon mehrfach war er der Polizei wegen häuslicher Gewalt aufgefallen. Auch Anwohner bestätigten, dass es in der Wohnung des Ehepaars schon häufiger zu Streit gekommen sei.

Ob der 46-Jährige an diesem Juniabend unter Einfluss von Rauschmitteln stand und ob er schon vorbestraft ist, wollte Rust nicht verraten. Zurzeit laufen noch die Ermittlungen. Mit einer Anklage gegen den Mann sei zu rechnen, so der Staatsanwalt. Wahrscheinlich vor dem Marburger Landgericht.

von Dominic Heitz

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