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Nordkreis CDU-Bedenken machen Grüne sprachlos
Landkreis Nordkreis CDU-Bedenken machen Grüne sprachlos
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16:49 02.06.2014
Praktisch im Rücken der Mehrzweckhalle „Haus am Wollenberg“ im Lahntaler Ortsteil Sterzhausen soll das Baugebiet „Auf der Leimkaul“ umgesetzt werden.Foto: Thorsten Richter Quelle: Thorsten Richter
Caldern

Um den sozialen Wohnungsbau unterstützen zu können, beabsichtigt sie, mit der Gemeinnützigen Wohnungs- und Siedlungsbaugenossenschaft eG Marburg-Cappel einen Pachtvertrag über 99 Jahre für eine Fläche für sechs oder zehn Wohneinheiten abzuschließen. Das Thema wurde als Beschluss-Vorlage in die jüngste Sitzung des Lahntaler Gemeindeparlaments eingebracht, die in Caldern stattfand.

Michael Nies, Fraktionschef der Lahntaler CDU meldete dagegen Bedenken an. „Wir werden diesem Antrag nicht zustimmen und zwar in erster Linie aus Kostengründen“, so Nies. Auch wenn er sofort anfügte, dass er den sozialen Hintergrund des Antrags erkenne und ihn auch gar nicht beanstanden wolle, löste er mit seiner Haltung bei den anderen Fraktionen Unverständnis aus. Erst recht als er sagte, dass ein solches Vorhaben „ganz ohne persönliche Wertung“, wie Nies hervorhob, dennoch erfahrungsgemäß und nach Rücksprache mit Experten eine Wertminderung der umliegenden Grundstücke verursache.

„Ich bin schon sprachlos“, sagte Grünen-Sprecherin Barbara Seitz. „Die Gemeinde gewinne auch so Familien, die die sozialen Einrichtungen nutzen wie auch die Märkte. Es gehe schließlich nur um Menschen, die sich kein eigenes Wohneigentum leisten können, aber dennoch im Berufsleben stehen.

So sah das auch Rainer Kieselbach von der SPD: „Wir haben es uns auf die Fahnen geschrieben eine soziale, Familien- und kinderfreundliche Gemeinde zu sein.“ Allein Holger Boßhammer sprang Nies zur Seite. „Wir müssen so aber einen Bauplatz abgeben, den wir besser verkaufen könnten.“ Wie zuvor schon Nies fragte er danach, ob der Gemeindevorstand für einen sozialen Wohnungsbau nicht nach Alternativstandorten geschaut habe. Das brachte Bürgermeister Manfred Apell etwas in Rage. „Wenn Sie damit das Baugebiet von Kernbach meinen, dann sagen Sie es doch auch. Aber ich kann Ihnen sagen, dass Kernbach nicht der richtige Fleck ist, weil dort die Infrastruktur für Kinder fehlt.“ Der Baulandpreis werde auch nicht gestundet, er werde eben nur langsam über die Pacht bezahlt.

Dr. Claus Opper von den Grünen erinnerte an ein konkretes Beispiel, das sich ein Grünen-Abgeordneter einmal im Lahntaler Parlament von einem Mitglied des damaligen Bürgerblocks anhören musste. „Dieses Mitglied sagte zu dem Grünen in einer Diskussion, ob er ihm die Kompetenz absprechen wolle, wo er selbst doch nur zur Miete in Lahntal wohne.“ Nies bekräftigte, dass es ihm nicht darum gehe, Menschen zu bewerten. „Ich habe nur das gesagt, was Immobilienmakler dazu sagen.“ Michael Spies von der CDU hob hervor: „Es geht uns um die reine Wirtschaftlichkeit, an anderer Stelle reden wir auch immer davon, was wir uns nicht leisten können.“ Der Antrag von Hans Jakob Ruppersberg von der Bürgerliste Lahntal, die Sache noch einmal in den Ausschuss zu verweisen, scheiterte.

Anschließend stimmten 17 Gemeindevertreter für den Beschluss, vier dagegen und vier enthielten sich.

Mit diesem Beschluss wurde lediglich die Möglichkeit zum sozialen Wohnungsbau beizutragen, abgesichert. Bisher hat Bürgermeister Apell die Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsbaugenossenschaft Marburg-Cappel nur darauf angesprochen, ob Interesse daran bestehe, in Sterzhausen tätig zu werden, nachdem die Genossenschaft bereits in Sarnau Wohnraum geschaffen hat. In ersten Gesprächen habe sich die Wohnungsbaugenossenschaft durchaus positiv interessiert gezeigt.

Die soziale Wohnraumförderung dient Haushalten, die sich am Markt nicht angemessen mit Wohnraum versorgen können und auf Unterstützung angewiesen sind. Vorrangig gefördert werden Maßnahmen mit einem möglichst niedrigen Energiebedarf, insbesondere Gebäude, die in Passivhausbauweise erstellt werden.

von Götz Schaub

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