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Bürgerinitiative kritisiert BUND Hessen

Windpark Wollenberg Bürgerinitiative kritisiert BUND Hessen

Mehr Verantwortung für den Erhalt von Schutzgebieten fordert die Bürgerinitiative „Rettet den Wollenberg“ vom BUND. Der hatte die Stadtwerke Marburg ausgezeichnet, die einen Windpark im Nordkreis planen.

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Wer Windräder im Wollenberg bauen will, ist nicht preiswürdig, findet die lokale Bürgerinitiative.

Quelle: Rolf Haid

Lahntal. Dass die Förderprogramme der Marburger Stadtwerke zur Energieeinsparung vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ausgezeichnet wurden, wie kürzlich in der OP zu lesen war, fand nicht nur Beifall. Den Mitgliedern der Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Wollenberg“ stieß es sauer auf.

„Zurecht ist jedes Förderprogramm zur Energieeinsparung immens wichtig und belohnenswert“, schreibt Bernd Schautes im Namen der BI in einem Brief an die Landesgeschäftsstelle des BUND Hessen, und:. „Wir hoffen, dass die Stadtwerke auch weiterhin im Bereich der Energieeinsparung aktiv bleiben.“

Die Bürgerinitiative moniert aber, dass sie „vom BUND außer den lobenden Reden und der Zertifikationsübergabe auch kritische Worte bezüglich der Energieerzeugung der Stadtwerke erwartet“ hätte.

„Verantwortung stellen“

Sie begründet das damit, dass das vom BUND belobigte Unternehmen zugleich im Wollenberg einen Windpark mit sechs etwa 200 Meter hohen Windrädern im nach EU-Recht streng geschützten Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiet errichten wolle, in dem viele geschützte Tierarten nachgewiesen seien. Die dort nachgewiesene Mopsfledermaus gehöre laut BUND zu den seltensten Fledermausarten und sei in ganz Hessen vom Aussterben bedroht. „Bei den vom BUND hochgepriesenen Stadtwerken Marburg hat dies alles keine Bedeutung“, so der Vorwurf der BI: „Wir hätten vom BUND mehr Verantwortung für Natur und Umwelt erwartet“, so das Schreiben weiter, zumal das Windkraftprojekt der Stadtwerke „ein totaler Widerspruch“ zur BUND-Stellungnahme im „Entwurf des Regionalplans Mittelhessen 2006“ sei.

„Als Verband für Umwelt und Naturschutz erwarten wir von Ihnen im positivem Sinne, dass sie sich Ihrer Verantwortung stellen und ebenso für die Erhaltung eines sensiblen FFH-Gebietes eintreten“, schließt Schautes im Brief an den Naturschutzverband. Gegenüber der OP bestätigt BUND-Geschäftsführer Michael Rothkegel den Eingang des Briefes, den man natürlich beantworten werde. Allerdings wohl nicht so weitgehend, wie sich die BI das wünscht. Die Auszeichnung der Förderprogramme der Stadtwerke habe nichts mit deren sonstigen Aktivitäten zu tun, so der Landesgeschäftsführer. „Wir haben die Förderprogramme ausgezeichnet: Nicht mehr und nicht weniger.“

Kreisverband ist am Zug

Wie das Windkraft-Projekt im Wollenberg aus Naturschutzsicht zu beurteilen sei, werde beim BUND vorrangig auf der Ebene der Ortsverbände bearbeitet, nicht beim Landesverband, so Rothkegel weiter. Auch die Kreisvorsitzende Dr. Wiltraud Ackermann verweist darauf, dass die Auszeichnung der Förderprogramme und das Windparkprojekt der Stadtwerke zwei verschiedene Dinge seien. Wie sich der Kreisverband zum Thema Windpark Wollenberg verhalten wolle, werde derzeit diskutiert.

Zuletzt äußerte sich der BUND-Kreisverband öffentlich im Jahr 2012 zur Windkraft im Kreis, konkret zum Projekt auf dem Hilsberg bei Bad Endbach. In einem offenen Brief bekannte sich der BUND da zum Ausbau der Erneuerbaren Energien, auch mithilfe der Windkraft. Da die Flächen dort „außerhalb von Naturschutzgebieten nach deutschem und europäischem Recht“ lägen, ging der BUND-Kreisverband davon aus, „dass verbleibende Artenschutzprobleme gelöst werden können“.

Davon ausgehend kann man darauf gespannt sein, wie sich der Naturschutzverband zum Thema Wollenberg positioniert.

von Michael Agricola

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