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Nordkreis Bewährungsprobe für Brennstoffzelle
Landkreis Nordkreis Bewährungsprobe für Brennstoffzelle
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19:33 22.10.2010
Martha Demele (von links), Michael Meinel, Bürgermeister Manfred Apell, Eon-Mitte-Wärme-Chef Siegmund Laufer und der Leiter des Regionalzentrums Süd von Eon Mitte, Marco Müller, starten symbolisch die Brennstoffzellenanlage in Sterzhausen. Quelle: Michael Agricola

Sterzhausen. Im Haus von Martha Demele und Michael Meinel arbeitet in den kommenden zwei Jahren eins von bundesweit 800 Brennstoffzellen-Heizgeräten, mit denen bei Privatleuten unter Echt-Bedingungen Erfahrungen gesammelt werden. Der Praxistest (Internet: www.callux.net) wird vom Bundesbauministerium und Partnern aus der Wirtschaft, darunter Eon Mitte, getragen.

Gemeinsam gaben Demele und Meinel, letzterer ist als Mitglied im Gemeindevorstand zugleich der Lahntaler Energiebeauftragte sowie Siegmund Laufer, Geschäftsführer von Eon Mitte Wärme und Marco Müller, Leiter des Regionalzentrums Süd der Eon Mitte am Mittwoch den Startschuss für den ersten Praxistest in einem hessischen Haus. Auch Bürgermeister Manfred Apell freute sich über das Pilotprojekt in seiner Gemeinde, denn dem Prinzip der dezentralen Energieversorgung gehöre die Zukunft, ist er sich sicher, auch wenn er zu­gab, von der Technik nicht viel zu verstehen. Kernstück der Anlage ist eine Brennstoffzelle, die unter Zufuhr und Verbrennung von Erdgas Strom und Wärme erzeugt. Dieses Prinzip (Kraft-Wärme-Kopplung) gibt es zwar auch in Blockheizkraftwerken (BHKW) auf dem Markt schon, allerdings sorgt dort ein Verbrennungsmotor für Strom und die als „Abfallprodukt“ entstehende Wärme.

In der Brennstoffzelle macht man sich einen chemischen Prozess zunutze, um auf „direkterem Weg“ Wasserstoff in Strom und Wärme umzuwandeln. Das sorge, so Bernhard Noack von Eon Mitte, für einen deutlich höheren Wirkungsgrad und weniger Wartungsaufwand gegenüber einem BHKW, so Noack. Mit der Brennstoffzelle kann nach seinen Worten die Grundlast des Strom- und Wärmebedarfs erzeugt werden, darüber hinaus sorgen ein Wärmespeicher und ein integriertes Zusatzheizgerät, eine Brennwerttherme, dafür, dass immer genug Heizwärme zur Verfügung steht. Die Herstellerfirma kann über das Internet die Werte der Heizung überwachen.

Michael Meinel ist gespannt, wie sich die „anspruchsvolle Alternative zum BHKW im Praxistest bewährt“, schließlich bringe Konkurrenz auch Bewegung in den Markt. Siegmund Laufer und Marco Müller dankten der Familie dafür, dass sie mithelfen, die Technik weiterzuentwickeln. Bisher ist eine solche Anlage mit Investitionskosten von 50 000 Euro für Endkunden noch unattraktiv. In wenigen Jahren soll sie – bei gleicher Lebensdauer wie herkömmliche Heizungen – dann auch zu einem vergleichbaren Preis auf den Markt kommen.

von Michael Agricola