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Nordkreis Beurkundung kommt Notar teuer zu stehen
Landkreis Nordkreis Beurkundung kommt Notar teuer zu stehen
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20:07 26.01.2012

Marburg. Das Marburger Amtsgericht hatte den Mann wegen Untreue in einem besonders schweren Fall zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Das Landgericht milderte jetzt in der Berufung das Urteil auf sechs Monate. Letztendlich kam der Angeklagte so mit der Mindeststrafe davon.

Unbestritten waren in der Berufungsverhandlung die notariellen Tätigkeiten des Angeklagten im Zusammenhang mit dem Fall. So hat er laut Urteil des Amtsgerichts am 5. September 2007 einen Darlehensvertrag zwischen einem seiner Mandanten und dem später Geschädigten beglaubigt, in dem der Gläubiger dem Mann 50.000 Euro zum Erwerb einer Immobilie bei einer Zwangsversteigerung überlassen sollte. 45.300 Euro habe der Gläubiger dem Notar als Scheck übergeben, den Rest dem anderen Mann in bar. Innerhalb von sechs Monaten sollten dann 100.000 Euro zurückgezahlt werden. Als Sicherheiten wurden der Eintrag einer Grundschuld, sowie die Abtretung von Mieten vereinbart. Laut Urteil und auch gemäß der Schilderungen des Angeklagten, habe ihn sein Mandant am Abend erneut angerufen und mitgeteilt, dass die noch zu gründende Gesellschaft, die die Immobilie erwerben sollte, voraussichtlich keinen Eintrag ins Handelsregister erhalten werde.

Aus diesem Grund solle ein Strohmann bieten. Dieser solle daraus aber weder Rechte noch Pflichten erhalten, sondern die anschließende Übertragung der Immobilie an die Schwester des Mandanten oder eine andere noch zu bestimmende Person unterschreiben. Eine entsprechende Urkunde habe er ausgestellt, räumte der Angeklagte ein. Am 6. September sei es dann zu der Versteigerung gekommen. Er habe seinen Mandanten ausdrücklich aufgefordert, seinen Geschäftspartner aufzuklären, dass es zu einer Änderung gekommen sei, was dieser offensichtlich nicht getan habe. Denn als der Strohmann aufgetreten sei, hätte dieser ausgesprochen erstaunt reagiert und um ein sofortiges Gespräch gebeten. Auf dem Gang habe er dann gesagt, man könne die Sicherheiten nachträglich noch vereinbaren, mehr nicht, so der Notar. Dem widersprach der Zeuge. In dem Gespräch habe der Angeklagte betont, er müsse sich keine Sorgen machen und er habe das Gefühl gehabt, dass schon Schriftstücke zu seiner Sicherheit vorgefertigt worden seien, so der Zeuge. Nur deshalb habe er dem Bieten seines Geschäftspartners zugestimmt. Der Notar sei für ihn eine Autorität gewesen. „Wenn ein Notar mir das sagt, dann baue ich darauf.“

Tatsache ist, dass der Kauf letztendlich scheiterte, obwohl der Bieter das Höchstgebot abgegeben hatte. Die hinterlegten 50.000 Euro hat das Gericht an den Bieter zurückgezahlt, der inzwischen im Ausland abgetaucht ist, der Geschädigte hat von dem Geld nichts mehr gesehen. Über seinen Verteidiger ließ der Angeklagte erklären, dass dieser offensichtlich eine andere Wahrnehmung als er selbst gehabt habe.

Er beschränke daher die Berufung und stehe zu seinem Fehlverhalten. „Ich habe mich nicht richtig verhalten, denn ich bin einem Mandanten aufgesessen, der betrügerische Absichten hatte.“ Das tue ihm leid, er wolle, dass der Vorfall mit dem Verfahren seinen Abschluss finde.

von Heiko Krause

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